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	<title>FIND &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>FIND &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Erbschaft einer Kämpferin: „Ich bin allein. Ich will keinen Mann. Ich bin frei.“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 08:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[Berlin • Umkreist von den globalen (Rück-)Entwicklungen des 21. Jahrhundert, sieht sich der Mensch in einer von Männern dominierten Welt,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://www.schaubuehne.de/de/spielplan/programm.html"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="300" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025.jpg" alt="" class="wp-image-3467" style="width:410px;height:auto" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025.jpg 600w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025-500x250.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025-350x175.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025-360x180.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025-390x195.jpg 390w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/03/Banner-Find2025-130x65.jpg 130w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></figure>
</div>


<p>Berlin • Umkreist von den globalen (Rück-)Entwicklungen des 21. Jahrhundert, sieht sich der Mensch in einer von Männern dominierten Welt, mit seiner eigenen Verelendung konfrontiert. Er versucht, die Spuren politischer Konflikte und Umbrüche in seinen intimen Beziehungen herauszufiltern, um sie zu retten. So ist es nur verständlich, dass der belgische Künstler Céderic Eeckhout, bekannt aus Falk Richters Produktion <a href="https://freigeist-magzine.de/ekstatische-zustande-im-dusseldorfer-schauspielhaus-rausch/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>„Rausch“</strong></a>, während des Berliner <strong><a href="https://freigeist-magzine.de/20-find-schaubuehne-berlin/" title="">Festival für internationale Dramatik (FIND 2025)</a></strong> seine Performance, „Héritage“ dem Schaubühnen-Publikum präsentiert.</p>



<p>„Ich habe Angst dich zu verlieren“, sagt Eeckhout zu Beginn des Stücks zu seiner Mutter Georgette (Jo), die ebenfalls, wie die Musikerin Pauline Sikirdji, auf der Bühne präsent ist. Gemeinsam sitzen sie an einem Küchentisch, schätzen im Gespräch ihre kostbaren Momente und rauschen in die 50-er Jahre.</p>



<p>Es ist Oktober 1945. Französisches Belgien. Kriegsende. Eine Zeit, in der Jos Mutter noch als Gefängniswärterin arbeitet. Schon früh musste Jo sich mit Wünschen nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit auseinandersetzen und verinnerlichte sie. Denn mit gerade mal 14 Jahren beginnt sie eine Ausbildung zur Friseurin, verfolgt uneingeschränkt ihren Traum von Haus, Kind, Märchenprinz; den sie kurz darauf auf einem Gesangswettbewerb kennenlernte.</p>



<p></p>



<p></p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-right is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wer sich hingibt, gibt sich auf</p>
</blockquote>



<p></p>



<p>Céderic hat sich währenddessen die Kleidung seiner <strong><a href="https://freigeist-magzine.de/muttertag-2025-festtag-fuer-alle-muetter-wann-ist-er-woher-stammt-er-und-was-wird-gefeiert/" title="">Mutter</a></strong> angeeignet. Jo erzählt und er lebt parallel ihre vergangene Zeit. Arbeiten im hauseigenen Salon, dazwischen Reisen, Kinder und Partys als Dancing Queen in roten Tüll mit Musik von ABBA. Die Beziehung von Céderic und Jo wirkt symbiotisch und lässt Jo auf der Bühne omnipräsent werden.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading">Damals „war es eine andere Welt. Eine andere Zeit“;, ist es wirklich so?</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" width="683" height="1024" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3569" style="width:369px;height:auto" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-683x1024.jpg 683w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-300x450.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-768x1152.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-167x250.jpg 167w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-1024x1536.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-1365x2048.jpg 1365w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-137x205.jpg 137w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-60x90.jpg 60w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-413x620.jpg 413w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/04/Heritage-1210-©-Bea-Borgers-35-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Bea Borgers</figcaption></figure>
</div>


<p>Ihre gemeinsame Reise in die scheinbar unbeschwerte Vergangenheit wird begleitet von musikalischen Klängen, Gesang, Bildern und persönlichen Requisiten. Damals „war es eine andere Welt. Eine andere Zeit“; ist es wirklich so?</p>



<p>– „Und dann kam es anders“, sagt Jo und spricht über ihren Kampf mit den patriarchalen Strukturen. Schon fast humorvoll sagt sie, dass Männer ihre Liebe auf eine seltsame Art ausdrücken. Ihr Mann hat alle Entscheidungen getroffen, sie als Frau hatte zu gehorchen. Das wollte sie nicht mehr.</p>



<p>Sie wollte nicht mehr angeschrien, unterdrückt werden. Sie wollte leben, frei handeln können. Also nahm sie ihre Kinder, verließ ihren Mann und verlor nebenbei ihren Salon, ihr Haus, ihre Freunde. Sie als Frau war die schuldige Person, die ihren Mann verlassen und die Familie zerstört hat.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading">Jos neues Leben als unabhängige Blondine</h4>



<p>Nach und nach baute sie sich mit ihren Kindern ein Leben, fern ab von den männerdominierenden Strukturen, auf. Sie wurde zu einer starken, selbstbewussten und unabhängigen, blonden Frau in Stilettos, der es egal ist, was die anderen Personen von ihr denken.</p>



<p>Sie machte erneut einen Salon auf, ließ sich ein Haus für ihre Familie bauen und akzeptierte nur respektvolle Liebesbeziehungen. Zu Recht bezeichnet ihr Sohn sie als Kämpferin. Eine Person, die Trauer in Freude umwandeln kann. Eine Heldin, die keinen Vater braucht, der sie traurig macht. </p>



<p>„Héritage“ (auf Deutsch „Vermächtnis“) ist mehr als ein persönliches Denkmal an Céderics Mutter. Es ist auch mehr als ein Stück über eine symbiotische Mutter-Kind-Beziehung. </p>



<p>Der vielseitige Künstler Eeckhout und seine Mutter Jo bringen uns mit ihrer Familiengeschichte, welche in die 50-er Jahre zurückreicht, zu den fundamentalen Problemen unserer Gegenwart, der toxische Mann und die patriarchale Gesellschaftsstruktur, die immer noch nicht durchbrochen wurde. Eeckhouts Arbeit trifft das diesjährige FIND auf den Punkt, persönliches Ereignis verknüpft mit globaler Geschichte.</p>
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		<title>Blutig-blinde Flecken der Gesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Oct 2021 14:54:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Zeldin]]></category>
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					<description><![CDATA[Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis]]></description>
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<p>Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis 10. Oktober 2021) -nachdem es im Vorjahr wegen der Pandemie ausgefallen war-. Assoziativer Schwerpunkt der Festivaledition ist „Gegenbild und Gegenmacht“. Ein Versuch mit Artist in Focus, Angélica Liddell und mit Arbeiten wie von Katie Mitchell, Selina Thompson oder Alexander Zeldin auf die blinden Flecke unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Inhalte und ästhetische Strukturen werden im 20. FIND gebrochen und hinterfragt. Eröffnet wurde das Festival mit der Uraufführung von Mitchells „Kein Weltuntergang“.</p>



<p>„Das ist ein Privileg“, kommentiert bissig die weiße Klimaforscherin Prof. Dr. Uta Oberdorf (Jule Böwe) den Exkurs der schwarzen Bewerberin Dr. Anna Vogel (Alina Vimbai Strähler) im Gespräch um die Post-Doc-Stelle an ihrem renommierten Institut für Kilmaforschung. Vogel sprach von über 100 Millionen indigene Kolonisierungstote seit 1492, eine demographische Katastrophe und Teil der Geschichte der europäischen Expansion. Laut der Klimaforscherin Oberdorf hat erst vor 30 Jahren das Zeitalter des Anthropozäns begonnen. Sie erwidert weiter den Exkurs über die demographische Katastrophe mit den Worten, dass den schmelzenden Polarkappen die Hautfarbe nicht interessiere. Und spielt damit auf eine aktiv agierende Position gegen klimatische Veränderungen an, die der Mensch heute -unabhängig von rassistischen Stereotypen- einnehmen könnte.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2809" width="434" height="289" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-500x334.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1536x1025.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-2048x1366.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-307x205.jpg 307w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-650x434.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 434px) 100vw, 434px" /><figcaption>&#8222;KEIN WELTUNTERGANG&#8220; Szene mit Veronika Bachfischer, Jule Böwe, Alina Vimbai Strähler. Foto: Cgian Marco Bresadola</figcaption></figure></div>



<p>Das Drei-Frauen-Stück „Kein Weltuntergang“ von der britischen Autorin Chris Bush versucht über die Theorie der möglichen Welten (des Philosophen Saul A. Kripke) diverse Perspektiven der globalen Klimakrise einzunehmen, um sich mit dem Hyperobjekt Klimakatastrophe auseinanderzusetzen. Regisseurin Mitchell, die das Gegenwartsdrama von Bush an der Schaubühne (4. September 2021) uraufführte, konstruierte dafür ein klimaneutrales Setting (Bühne und Kostüm, Chloe Lamford), in dem die drei Frauen, gefangen in einer Zeitschleife, fragmentarisch Gesprächssituationen mit unterschiedlichen Narrativ spielen. Immer wieder gehen die drei Türen auf und zu. Einmal kommt Frau Dr. Vogel zu spät, ein anderes Mal hat Frau Prof. Dr. Oberdorf keine Zeit.</p>



<p>Im Laufe der möglichen Welten gleicht die zersplitterte Form des Textes einer linearen Erzählung, in dem die ambitionierte Post-Doc-Forscherin Anna Vogel ihren Traumjob am Institut für Klimaforschung bekommt. Sie adoptiert aus klimaökonomischer Sicht ein Kind names Lena (Veronika Bachfischer). Und stirbt unerklärlich auf einer Arktis-Expedition. Lena (Veronika Bachfischer) ist der stringente Charakter von Bushs „Kein Weltuntergang“. Zu Beginn betritt sie die Bühne mit einer Urne, dekoriert den ansonsten kahlen Bühnenraum mit Kunstblumen und einen Eisbären. Während dem Spiel zwischen Anna und Uta, zitiert sie Studien, Konventionen, Fabeln über das Hyperobjekt Klimakrise. Sie beschreibt unser Zeitalter als „Goldglöcken-Zone“, weil der Mensch wie die Märchengestalt Goldglöckchen den (Eis-)Bären die Nahrung raubt, in deren Lebensraum eindringt und einen zerstörten Haushalt hinterlässt. Zum Ende des Stücks wird deutlich, dass jede Person Anna sein kann, das heißt ein engagierter Mensch, der sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt. „But none of all helps“, weil die Welt letztendlich wie die Forscherin Anna Vogel an alles gestorben sein wird.</p>



<p>Was es bedeutet als schwarze Frau in einer globalisierten Welt mit Kolonialgeschichte zu leben, untersucht die Performerin Selina Thompson in ihrem Film „salt: dispersed.“; die Inszenierung „salt.“ ist aufgrund von Erkrankung ausgefallen. Direkt zu Beginn berichtet die Britin Thompson von rassistischen Vorfällen in ihrem Alltag und der immer wiederkehrenden Frage, „where are you really born?“ -die meisten Engländer sind weiß-. Sie spricht von einem rassistischen Lehrer, der seinen Schülern erklärt, dass schwarze Menschen schwarz sind, weil sie laut einer Sage faul seien und die „Waschung“ verschlafen haben. Sie erzählt von einer mantrischen Abwehrhaltung, „you pushed against me, i pushed back“. Ein Versuch sich innerlich von den rassistischen und misogynen Anfeindungen zu distanzieren. Ihre Monologe wirken im Film sehr nah und emotional. Sie treffen tief in die europäische Gegenwart und in die europäische Kolonialgeschichte hinein.</p>



<p>Über das Nachleben der Sklavenroute ihrer Vorfahren an Board eines kommerziellen Containerschiffs, berichtet sie eindrücklich über ihre koloniale Vergangenheit. Mehrere Millionen schwarze Sklaven -darunter auch ihre Vorfahren- haben den Grundstein für den heutigen europäischen ökonomischen Erfolg gelegt. Zu recht betont sie, dass Europa seine Hände in Blut wäscht.</p>



<p>Dass nur ein sehr geringer Teil der Weltbevölkerung etwas von einer guten wirtschaftlichen Struktur spürt, zeigt die Arbeit „Love“ vom britischen Autor-Regisseur Alexander Zeldin. Sie ist der letzte Teil von Zeldins Triologie „The Inequalities“; andere Teile sind „Faith“ und „Hope and Charity“. Die hyperreale Inszenierung „Love“ lässt die Zuschauer einen Einblick in eine Notunterkunft für Wohnungslose werfen. Dort leben auf engsten Raum eine Patchworkfamilie (Janet Etuk, Joel MacCormack, Amelia und Oliver Finnegan), Sohn mit pflegebedürftiger Mutter (Daniel York Loh, Amelda Brown) und eine junge Frau (Hind Swareldahab) zusammen. Sie teilen sich Küche und Badezimmer. Die Einrichtung ist als Übergangsstation gedacht für Menschen, die vor der Wohnungsnot stehen und das Anrecht auf staatliche Wohnungsvermittlung haben. </p>



<p>Darauf setzt zumindest die Patchworkfamilie, welche aufgrund von Mieterhöhung ihre Bleibe zwangsräumen musste. Über die anderen Bewohner der Unterkunft erfahren sie, dass diese schon ein knappes Jahr auf die Vermittlung einer Wohnung warten. Die Inszenierung „Love“ schafft es mit ihrer realistischen Art ein Spiegelbild von den Berliner Mietverhältnissen zu schaffen. Auch in der deutschen Hauptstadt sind viele Menschen von Wohnungsnot bedroht. Hier leben Familien teilweise in beengten Wohngemeinschaften oder Wohnungen, weil sie sich keine angemessene Bleibe leisten können.</p>



<p>Einen starken Kontrast zu den hyperrealen Arbeiten der 20. FIND-Ausgabe (fern von alltäglichen Diskursen) bieten Angélica Liddells Werke „Liebestod“ und „the Scarlet Letter“. Die Regisseurin arbeitet hier wie gewohnt provokativ, konstruiert Extreme in Bild und Wort. Ihre Texte beziehen sich auf hochkarätige Literatur, wie Richard Wagners „Tristan und Isolde“oder Antonin Artaud „Theater der Grausamkeiten“. Die Performance „Liebestod“ ist eine Art von Hommage an den spanischen Stierkämpfer Juan Belmonte und bedient sich einer Blutmetapher aus dem Stierkampf. Für ihr performatives Blutritual tunkt sie beispielsweise Brot in ihr eigenes Blut und verspeist es oder schneidet sich mit einer Rasierklinge Hände und Füße auf. Liddell bleibt in ihren neuen Arbeiten definitiv ihrer artifiziellen Theaterkunst treu und gilt laut dem Dramaturgen Florian Borchmeyer als „bedeutendste Textperformerin der Welt“.</p>



<p>Das Festival läuft noch bis zum 10. Oktober 2021 und präsentiert viele weitere spannenden Arbeiten aus dem Bereich der Gegenwartsdramatik, wie „Outside“ vom russischen Regisseur Kirill Serebrennikov oder Thomas Ostermeiers Inszenierung mit dem französischen Schriftsteller Édouard Louis „Wer hat meinen Vater umgebracht?“(„Qui a tué mon père“). </p>



<p>Einige Arbeiten aus dem FIND Programm befinden sich bereits im Repertoire der Schaubühne und lassen sich nachträglich anschauen, wie die klimaneutrale Inszenierung von Mitchell oder die Arbeit von Ostermeier. Geplant ist auch ein Remake von Alexander Zeldins „The Inequalities“ mit dem Schaubühnen Ensemble.</p>



<p><strong>20. Ausgabe von FIND (Festival für Internationale Dramatik) – Schaubühne Lehniner Platz</strong></p>



<p><strong>Spieltermine: 29. September 2021 – 10. Oktober 2021, <br><a href="https://www.schaubuehne.de/">https://www.schaubuehne.de</a></strong></p>



<p>Foto: Richard Davenport (aus „salt.“, Selina Thompson)</p>
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