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	<title>Kunst &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>Kunst &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Für die Kunst leben und nicht von ihr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jan 2022 09:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[( ART )]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterklasse]]></category>
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					<description><![CDATA[Die soziale Herkunft definiert in unserer Gesellschaft die Klasse und die Zugehörigkeit der Menschen untereinander. Das klingt grausam und das]]></description>
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<p>Die soziale Herkunft definiert in unserer Gesellschaft die Klasse und die Zugehörigkeit der Menschen untereinander. Das klingt grausam und das ist es auch. Aber ohne das Bewusstsein von Klasse wäre unsere Gesellschaft gar nicht begreifbar. Herrschende Zustände und Gegebenheiten lassen sich überhaupt nur hinreichend erklären, verständlich auf den Punkt bringen, wenn der entscheidende Faktor soziale Herkunft mitgedacht wird. Von der Identitätsbildung eines Menschen ganz zu schweigen.<br><br>Ohne Sexualität und ohne ein Bewusstsein einer Herkunft, fällt es Menschen schwer, ein Ich zu konstituieren. Oder, anders ausgedrückt: Sexualität und (soziale) Herkunft sind Prägungen des Menschen, die er mit seiner Geburt auferlegt bekommt. Er wird mit Geschlecht und Klassenstatus in eine Gesellschaft integriert und bekommt dadurch seine Funktion als Subjekt zugesprochen. Es ist eine Entscheidung, die der Mensch nicht selber treffen kann – sie wird mit ihm in die Wiege gelegt. Ab diesem Punkt prägt die soziale Herkunft das Ich eines Menschen und bestimmt den von der politischen Verfasstheit der Gesellschaft vorgezeichneten Lebensweg. Triumphiert das Individuum über seine festgelegte soziale Herkunft, befreit es sich also durch Bildung von seiner Klasse, verändert sich seine Identität. Es bildet sich eine Kluft.<br></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Der lange Weg eines Kindes der Arbeiterklasse in die Institutionen des Bildungsbürgertums</strong></h4>



<p>Mein Vater ist gelernter Tischler, wechselte über einen Onkel in die Automobilindustrie. Vom Tischler zum Kfz-Schlosser. Statt Tische, schraubte er am Fließband Autos zusammen. Er selber besitzt bis heute keinen Führerschein. Auch meine Mutter nicht. Meine ältere Schwester machte ihren während ihrer Ausbildung zur Arzthelferin. Ein Führerschein ist für mich bis heute immer noch ein Luxusgut. Viele meiner ehemaligen Schulkollegen und -Kolleginnen haben ihren Führerschein während ihres Abiturs gemacht – nicht alle haben den von ihren Eltern bezahlt bekommen, viele arbeiteten neben der Schule bei ihren Eltern oder hatten andere Gelegenheitsjobs. Irgendwie sah ich während dieser Zeit nie die Notwendigkeit, mein gespartes oder erarbeitetes Geld für einen Führerschein anzulegen. Wir wohnten mitten in der Stadt, gut angebunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Heute ärgert es mich schon, dass mich niemand über die Notwendigkeit der Fahrerlaubnis aufgeklärt hat. Tatsache ist, dass dieser Lappen für unendlich viele Jobs gebraucht wird, beziehungsweise dafür Voraussetzung ist. Und ich mittlerweile verstanden habe, dass die gesellschaftliche Struktur öffentliche Verkehrsmittel hauptsächlich für eine niedere Klasse vorgesehen hat – unabhängig davon, dass öffentliche Verkehrsmittel klimafreundlich sind, mehr oder generell in sie investiert und sie weiter ausgebaut werden sollten. Für Deutsche ist das Auto ein Prestigeobjekt. Es verschafft Autonomie und ein anderes Bewusstsein der eigenen Klasse, indem die Angewiesenheit auf öffentliche Verkehrsmittel aufgelöst wird, und sich die Prestigeobjekt-Eigner voller Stolz von der vorausgesetzten Klasse abheben können.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Das Auto als Prestigeobjekt des Deutschen</strong></h4>



<p>Wie meine ältere Schwester – sowie meine Eltern und Tanten – ging ich auf eine Hauptschule, machte meine Fachoberschulreife, lehnte aber einen Ausbildungsplatz ab. Ich hatte ein Angebot bei der Bezirksregierung im Bereich Bürokommunikation. Heute frage ich mich schon, was wäre, wenn ich kein Abitur gemacht hätte und wie dann mein Verhältnis zu meiner Familie wäre. Mit dem Segen meiner Eltern ging ich aufs Gymnasium. Ich hatte sie gefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich noch weiter zu Hause wohnen bliebe. In dem Moment war es für sie kein Problem. Ich denke, sie hatten gar nicht verstanden, was dieser Schritt bedeutete und welche Konsequenzen er für sie haben würde. Erst im Nachhinein wurde ich immer wieder von meinem Vater gefragt, wie lange ich noch gedenken würde zur Schule zu gehen, wann ich ausziehe und zu arbeiten anfangen würde. Meine Eltern und meine Familie hatten gar keinen Begriff für so einen Werdegang wie meinen. Sie haben gar nicht verstanden, wie anstrengend es für mich war, von einer Hauptschule, wo wir im Kunstunterricht Mandalas ausmalten, auf ein Gymnasium zu wechseln, in dem Kunst eine Geschichte mit Bildern hatte.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Der Berufszweig der Künste ist nicht für die Arbeiterklasse vorgesehen</strong></h4>



<p>Dasselbe Szenario gab es dann nochmal bei meinem Schritt zum Studium. Direkt war es kein Problem, aber indirekt war es meinen Eltern doch lieb, wenn ich endlich mal ausziehen und wie meine Schwester mein eigenes Geld verdienen würde. Immer wieder wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mir doch endlich eine Arbeit suchen solle. Viel zu spät und mit großer Tragik bin ich – natürlich ohne irgendein Kapital – mit Mitte 20 von zu Hause ausgezogen und in eine für mich viel zu teure Wohnung in Uni-Nähe eingezogen.<br><br>Hineingerutscht in den Berufszweig der Künste, wurde mir nach meinem Studium schnell deutlich, dass ich als Kind der Arbeiterklasse keine Chancen in diesem Berufszweig haben werde. Mir fehlt das Kapital, welches ich für meine Existenz benötige. Engagements haben in der Regel schlechte Konditionen und eine schlechte Vergütung. Ferner fehlt mir das Netzwerk, das viele Kunstschaffenden aufgrund ihrer sozialen Herkunft mitbringen.&nbsp; Oftmals ist selbst das bei Gesprächen zu Engagements ein Tabuthema. Die Bewerberin soll ja für die Kunst leben und nicht von ihr.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Bewerberin soll ja für die Kunst leben und nicht von ihr</strong></h4>



<p>Paradoxerweise hält sich der ganze Bereich um die darstellenden Künste für sehr sozial, tolerant und aufgeschlossen. Und versucht, diskriminierende Strukturen unserer Gesellschaft aufzudecken und in künstlerischen Arbeiten zu thematisieren. Erstaunlicherweise wird über die soziale Herkunft so gut wie nie gesprochen, vermutlich weil es ein genereller Konsens ist, dass die verachtete Unterschicht – für die Theater ja immer wieder zugänglich gemacht werden soll – niemals dort auftauchen wird.</p>



<p></p>



<p> </p>



<p>Zuerst erschienen auf <a href="https://expanded.dock11-berlin.de/Lesen9" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>„Der lange Weg ins Bildungssystem – Autobiografische Fragmente“</strong></a> von <strong><a href="https://dock11-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener" title="">Dock11</a></strong> in Berlin.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Forum Freies Theater: Sind Hacker die Künstler des Neoliberalismus?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2014 08:10:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Richter]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität und Differenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Stegemann]]></category>
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					<description><![CDATA[Die gesellschaftliche Ordnung des 21. Jahrhunderts orientiert sich an einem kapitalgesteuerten Mainstream. – Wie kann Kunst da noch politisch sein?
			]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Düsseldorf – Gesellschaftskritisches Denken scheint veraltet. Im 21. Jahrhundert wird die gesellschaftliche Ordnung von einem kapitalgesteuerten Mainstream beherrscht. Dieser lässt Soziales verschwinden, drängt die Kunst aus ihrer Funktion der Gesellschaftskritik und zwingt Künstler Teil des Marktes zu werden. Sie werden zum authentischen Arbeiten genötigt, um der Realität so nah wie möglich zu kommen, damit sie ein Teil des Mainstreams, des Kapitals werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie können Kunst und Politik im 21. Jahrhundert interagieren?</h2>



<p>Das Symposium „Authentizität und Differenz“, welches am 7. und 8. November 2014 im <strong><a href="https://freigeist-magzine.de/sweet-fithteen/">Forum Freies Theater (FFT) Düsseldorf </a></strong>in Kooperation mit dem NRW Kultursekretariat veranstaltet wurde, versuchte mit den Podiumsteilnehmern, Angela Richter (Regisseurin), Armen Avanessian (Kulturphilosoph), Torsten Meyer (Kunstdidaktiker), Georg Seeßlen (Kunsttheoretiker) und Bernd Stegemann (Dramaturg) einen aktuellen Diskurs über Kunst und Politik.</p>



<p>Dabei fragten sie, kann sich politische Kunst in den neoliberalen Kontexten, wo sie stärker denn je kapitalisiert wird, überhaupt noch vor der Vermarktung entziehen? Besteht die Aufgabe der politischen Kunst des 21. Jahrhunderts im Revoltieren gegen Digitalität, welche globale Überwachungsprogramme in die Gesellschaft einbettet? Oder zusammengefasst: Wie können Kunst und Politik im 21. Jahrhundert interagieren?</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-right">Authentizität ist ein historischer und kein metaphysischer Begriff. (Bernd Stegemann)</p>
</blockquote>



<p>„Authentizität ist ein historischer und kein metaphysischer Begriff.“, mit diesen Worten eröffnete der Dramaturg der Schaubühne Berlin (2014), Bernd Stegemann das Symposium „Authentizität und Differenz“ und erläuterte den Begriff von „Authentizität“, als eine aus dem 19. Jahrhundert entwickelte Glaubwürdigkeit trotz Widersprüche. </p>



<p>Ein Inszenierungseffekt des bürgerlichen Subjekts, um sich emanzipatorisch vom Adel abzusetzen, das heißt „authentisch-sein“ ist für Stegemann in erster Linie eine Art von Überlebenstrategie der Bourgeoisie, in dem der Bürger lernt, auf dem Markt vertrauenswürdig zu inszenieren, damit er erfolgreich seinen Lohn erwerben kann. Es geht um das Aushandeln des Werts der eigenen Handlungen, des eigenen Daseins und der Waren, die man produziert. Früher sollte mit Authentizität eine Illusion erschaffen werden und heute steht „Authentizität“ für eine konkrete Beschreibung der Wirklichkeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Authentizität ist ein Inszenierungseffekt des bürgerlichen Subjekts</strong></h3>



<p>„Verdammt, jetzt müssen wir im Theater Kunst machen“, sagte der Dramatiker Heiner Müller und beschreibt damit eine Wendung des Theaters, welche mit Stegemanns „Authentizität“ Erläuterung einhergeht. Theater sieht sich mit Theater konfrontiert. Auf der Bühne soll nicht mehr gehandelt werden, sondern das Bühnenspiel soll „authentisch-sein“, sprich Wirklichkeit produzieren. </p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Theatrale Realität führt die Authentizität ad absurdum</strong></h3>



<p>Der Ruf nach Authentizität geht so weit, dass Regisseure Alltagsmenschen auf die Bühne holen. So wird die Verkäuferin, die der Regisseur wegen ihrer Geschichte als Verkäuferin auf die Bühne holt, keine Verkäuferin mehr, sondern sie wird zu einem doppelt entfremdeten Subjekt. Sprich, die Verkäuferin, die nun auf der Bühne steht, hat zwei Rollen inne. Einmal die Rolle der Verkäuferin in der gelebten Realität und zum anderen die Rolle der Verkäuferin in der gespielten Realität. Ihr Leben ist nicht authentisch; so besagt es zumindest die Theorie des Sozialwissenschaftlers Erving Goffman, der für Stegemanns weitere Ausführungen herhalten muss.</p>



<p>Die Verkäuferin ist schon in ihrer Rolle als Verkäuferin in der gelebten Realität gezwungen, etwas darzustellen, tritt sie zusätzlich als Laie in der Rolle als Verkäuferin auf die Bühne, ist sie von Affekten, wie Lampenfieber geprägt, die für eine doppelte Entfremdung verantwortlich sind. Und die doppelte Entfremdung wird im Theater als Authentizität gefeiert, laut Stegemann, ist das eine große Lüge der bürgerlichen Gesellschaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Sprechtheater wird im Neoliberalismus vom Regietheater abgelöst</strong></h3>



<p>Ein weiterer Aspekt, den der neoliberale Ruf nach Authentizität mitbringt, ist, dass das Sprechtheater, welches den Autor in den Vordergrund stellt, vom Regietheater abgelöst wird, sprich es gibt ein Mehr an Produktionen, ein Mehr an Projekten und der Fokus sowie die Verantwortung liegen gesammelt beim Regisseur.</p>



<p>Der Neoliberalismus und der Kapitalmarkt bestimmen im 21. Jahrhundert die Kunst; behauptet der Kunst- und Filmtheoretiker Georg Seeßlen. Für ihn funktioniert der Kunstmarkt wie der Finanzmarkt, nach willkürlicher Setzung. Muss das Verhältnis von Kunst und Politik neu gedacht werden?</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Muss das Verhältnis von Kunst und Politik neu gedacht werden?</strong></h3>



<p>Mit dieser Frage beschäftigt sich der Kulturphilosoph Armen Avanessian in seinem Vortrag „Kunst oder Politik“. Der Kulturphilosoph beschreibt politische Kunst als ein Eingreifen in Herrschaftsstrukturen. Weiter zeigt er neue Definitionsmöglichkeiten von Kunst auf, wie die Ökonomisierung von Kunst (Werbung), Kunst als eine biopolitische Schnittmenge zwischen Mensch und Maschine (Pop-Art) und Kunst als eine Form von revolutionärem Widerstand.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Kulturphilosoph Avanessian beschreibt Kunst als revolutionärem Widerstand</strong></h3>



<p>Für Avanessian beschreibt die Definition „Kunst als eine Form revolutionärer Widerstand“ eine Verknüpfung von Kunst und Dissidenten; wie die Offenlegung von dem Whistleblower Edward Snowden. Gesprächspartner Thorsten Meyer (Kunstdidaktiker) sieht in Avanessians Definition eine Relation zu dem Begriff „Culture Hacking“, das ist eine künstlerische Strategie, in der Codes bearbeitet werden, um Kontrollelemente umzustrukturieren. Mit der bewussten Umstrukturierung wird ein neuer Code geschaffen, sprich Kunst.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Culture Hacking“ ist ein künstlerischer Akt von revolutionärem Widerstand</strong></h3>



<p>Zur Verdeutlichung von „Culture Hacking“ greift Meyer auf die Arbeit „Salat“ des Performancekünstlers Johannes Gees. Hier greift der Performancekünstler in das strukturierte Glockenspiel einer christlichen Kirche ein, indem er eine Soundanlage installiert und neben dem christlichen Glockenspiel, den muslimischen Ruf zum Gebet ertönen lässt. Mit dieser kleinen Code-Veränderung, sorgt, Gees für eine weitreichende Irritation unter der Bevölkerung. </p>



<p>Der Kunstdidaktiker Meyer betont, dass die Form des Codes für das  „Culture Hacking“ unbedeutend ist. Es können technische, soziale oder psychische Codes sein, die umstrukturiert werden. So sieht Meyer, in dem Psychoanalytiker Jacques Lacan einen Hacker, der einen künstlerischen Akt ausübt.</p>



<p>Auf das Schlagwort „Hacker“, folgen die Worte der renommierten Regisseurin Angela Richter, die sich in ihren Theaterprojekten den digitalen Dissidenten, den Hackern widmet. Für sie sind Hacker nicht nur Personen, die revolutionären Widerstand ausüben, sondern Superhelden. Ihre Arbeiten (Schauspiel Köln) setzten sich aus einer Reihe von Interviews zusammen, welche sie innerhalb einer intensiven Recherche führt. Die Interviews bilden meist die Textgrundlage für die Inszenierung, in der sich Schauspieler mit diesen auseinandersetzen müssen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Angela Richter bringt Hacker als neue Superhelden auf die Bühne</strong></h3>



<p>Stefan Bachmann (Intendant vom Schauspiel Köln 2014) bezeichnet Richters Arbeiten als „Gonzo-Theater“, das heißt eine Vermengung von Fiktion, Realität, Journalismus und Schriftstellerei. Der Begriff „Gonzo-Theater“ ist eine Anlehnung an den amerikanischen Schriftsteller Hunter S. Thompson und bezieht sich auf Textgrundlagen, die von Modulationen, Verschiebungen und Überlappungen geprägt sind.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-right">Wenn es jeden egal ist, wer wo etwas mitliest, dann können Sie mir gerne ihre Passwörter und Kennungen geben; weil mich interessiert es immer! (Angela Richter)</p>
</blockquote>



<p>In ihrem Stück <strong><a href="https://freigeist-magzine.de/wer-im-glaskasten-sitzt-sollte-mit-steinen-werfen/">„die Avantgarde der Superhelden“ (UA 29. Mai 2015 Schauspiel Köln)</a></strong> verarbeitet die Theaterregisseurin die Konsequenzen des 11. Septembers 2001. Nach 9/11 wurde die nationale Sicherheit zum Leitfaden des transnationalen Kapitalismus und erschuf damit eine rechtsgültige Grundlage für eine uneingschränkte Transparenzgesellschaft.</p>



<p>Kommunikation, Bewegungen und Handlungen der ganzen menschlichen Bevölkerung werden durchleuchtet, algorithmisch-analysiert, ausgewertet und irgendwo gespeichert. Es ist ein umfassendes Datennetz entstanden, wofür wir größtenteils selbst verantwortlich sind, weil wir Apps und soziale Medien nutzen. Sie sind darauf programmiert Daten abzuzapfen, zu anlysieren und weiterzuverkaufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Supernerds öffnen uns die Augen für den Überwachungsapparat Staat</strong></h3>



<p>Regisseurin Richter befasst sich in „die Avantgarde der Supernerds“ mit den Hackern unserer Zeit, wie Julian Assange (Wikileaksgründer), Chelsea Manning (Wikileaks-Whistleblowerin) oder Edward Snowden. Sie sind es, die den Menschen die Augen für den Überwachungsapparat geöffnen haben. Mit ihren Enthüllungen haben sie gezeigt, wie Staaten und Unternehmen arbeiten.</p>



<p>Sind diese Nerds nun die neuen Künstler unserer Zeit? – Laut den Definitionen der Gesprächsteilnehmer, sind sie ein wichtiger Bestandteil der modernen politischen Kunst. Sie erregen mit ihren wahren Enthüllungen ein großes öffentliches Interesse, regen die Bevölkerung zum Nachdenken an und sorgen für Gegenbewegungen. Alles Eigenschaften, die authentische, politische Kunst erfüllen sollte. Der vierte Teil des Symposiums, „Symposium IV: Operation Zukunft“  findet am Theater Bielefeld statt.</p>



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<p class="has-text-align-right">(Überarbeitet am 29.12.2025)</p>
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		<title>Düsseldorf bringt Kultur auf den Asphalt!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2014 20:49:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[ASPHALT – Sommerfestival für Theater und Musik in Düsseldorf]]></category>
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					<description><![CDATA[
				<![CDATA[]]>		]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[

<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Das Düsseldorfer Sommerfestival für Theater und Musik hat auch in diesem Jahr wieder während der kulturarmen Sommerzeit (8.-17. Aug. 2014) außergewöhnliche Räume der Stadt Düsseldorf für Künstler*innen geöffnet, um urbane Strukturen, Gebäude und sonderbare Plätze in ein unkonventionelles Licht zu setzten und wieder mit Leben zu füllen. So wurden neben der Sky-Lounge im GAP 15, diverse Büdchen in Düsseldorf sowie die ehemalige Brot- und Farbfabrik zu zentralen Schauplätzen des <b>ASPHALT</b>-Festivals. Damit versuchten die Initiatoren und Leiter Bojan Vuleti<span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">ć</span> (Komponist) und Christof Seeger-Zurmühlen (Regisseur) in diesem Jahr das Leitmotiv des Festivals – besondere Räume für Künstler*innen öffnen und somit die Kultur auf den Asphalt der Düsseldorfer Straßen bringen, direkt vor die Haustür der Bürger*innen – von neuem umzusetzen. Das 10-tägige Festival realisierte mit lokalen, überregionalen und internationalen Künstlern diverse Theater-, Musik-, Tanz-, Kunst- und Literaturveranstaltungen. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Als Auftakt Veranstaltung präsentierte <b>ASPHALT</b> in den alten Farbwerken <b>„Preparatio Mortis“</b> eine zeitgenössische Tanzaufführung von Jan Fabre, die ihre Uraufführung 2005 beim Avignon Festival hatte. Jan Fabre übersetzt in <b>„Preparatio Mortis“</b><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> das Paradoxe-Verhältnis von Leben und Tod in eine mitfühlende Poesie des Tanzes. Und veranlasst somit den Zuschauer sich mit seiner eigenen Sterblichkeit, der Vergänglichkeit und der Lust am Leben im Sinne der barocker Motive zu befassen. Allgemein gilt Jan Fabre nicht nur als extrem wandlungsfähiger Künstler, sondern wie </span><b>„Preparatio Mortis“</b><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> zeigt, sind seine Produktionen von schlichter atemberaubender Schönheit geprägt, die sich meist Radikalen- oder Tabuthemen zuwenden. Auch die Orgelmusik von Bernard Foccroulle unterstützt mit seinen musikalischen Klängen die barocken Topoi und unterstreicht die Bewegungen der französischen Tänzerin Annabelle Chabon.</span> <span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">Ein weiteres Highlight stellte die inszenierte Stadtführung des Theaterkollektivs per.Vers. </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>„Ode an das Büdchen“</b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> dar. In dieser Theaterrally konnten die Besucher das Büdchen als interkulturelle Begegnungsstätte beziehungsweise als Ort des Austauschs und der Kommunikation erfahren, die nun durch soziale Netzwerke und durch die anonymen Einkaufsmöglichkeiten zu verschwinden droht.</span></span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-322" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1.jpg?w=300" alt="ASPHALT-Ode_an_das_Buedchen-foto-ASPHALT_Festival_Duesseldorf" width="300" height="215" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1.jpg 3150w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1-300x216.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1-768x553.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1-1024x737.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/asphalt-ode_an_das_buedchen-foto-asphalt_festival_duesseldorf-1-350x252.jpg 350w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">Und wer sich dadurch nicht erfreuen konnte, hatte dazu die Gelegenheit beim atemberaubenden Gastspiel </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>„Caligula“</b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> von dem Bochumer Off-Theater Rottstraße 5. In dieser Inszenierung bringt Marco </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">Massafra (Regie + Text) nicht nur einen Klassiker von Albert Camus in seiner ganzen Größe zum Ausdruck, sondern überträgt ihn auch in unsere Zeit, in der adrett gekleidete Staatschefs mit ihren Vertrauten in Büros sitzen und über Leben und Tod sowie &#8218;Staatsgelder&#8216; entscheiden dürfen. Wodurch Caligula, der versuchte das Absurde mit logischen Denken zu überwinden, im Gegensatz zu anderen gegenwärtigen Staatsherren oder Staatsdamen gar nicht so verrückt zu sein scheint. Aber in dieser Inszenierung zeigt Massafra den wahnwitzigen Kaiser auch von einer ganz anderen Seite; nachdenklich, philosophisch und mit Genialität behaftet. Ganz nach dem Worten des Autors Camus, lässt Massafra </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>„Caligula“ </b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">als „the tragedy of the intelligence“ aufführen. </span></span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">Fast mit denselben Motiven, wie in Camus </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>„Caligula“</b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> befasst sich die zeitgenössische Tanzaufführung </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>„Collateral Damage“</b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> von den Choreografen und Tänzern Marcus Grolle, Morgan Nardi und Nora Pfahl, welche die Reihe </span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><b>Asphalt tanzt!</b></span><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"> fortsetzt hat. Das Tanzstück thematisiert moralische Defekte, das Streben nach unbedingten Erfolg und die Unvereinbarkeit von Ehrgeiz und Liebe, Glück und Gerechtigkeit, sprich talentierten Aufsteigern und skrupellosen Karrieristen, die vor nichts zurückschrecken. </span></span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;">Natürlich hatte das </span><b>ASPHALT – Sommerfestival </b>noch unglaublich viele andere wunderbare Künstler*innen im Angebot und ich denke, dass das Festival seinem Ziel neue Strukturen für die Kulturlandschaft Düsseldorf zu öffnen, deutlich näher gebracht hat. Chapeau! Ich freue mich aufs nächste Jahr!</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-323" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1.jpg?w=300" alt="lg-sRGB-ASPHALT2014-1024x180px" width="300" height="52" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1-300x53.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1-768x135.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/08/lg-srgb-asphalt2014-1024x180px-1-350x62.jpg 350w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>




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<p align="JUSTIFY">http://www.asphalt-festival.de/2014/idee.htm</p>

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