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	<title>Herbstsalon &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Kill your Darlings: Superfrauen beleben Mondtags Rotes Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Oct 2025 16:25:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[7. Berliner Herbstsalon]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Sommer ist vorbei. Und das Berliner Maxim Gorki Theater lädt zum siebten Herbstsalon. Im Fokus steht das Rote Haus in Kreuzberg.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Berlin <strong>∙</strong> Der Sommer ist vorbei. Die ersten Blätter sind schon gefallen. Und wie die Berliner Tradition es verlangt, lädt das Maxim Gorki Theater zum Herbstsalon. Auftakt hat Shermin Langhoffs siebter Salon mit <a href="https://freigeist-magzine.de/das-internat-mondtag/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Ersan Mondtags</strong></a> postmigrantischer Inszenierung „das Rote Haus“. Ein Ort, der verspricht, alles zu verändern und neuzudenken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Postmigrantische Frauen als stummes Uhrwerk der Arbeit</h4>



<p></p>



<p>Die Uhr steht. Sie lässt den Zeiger immer wieder an der gleichen Stelle aufschlagen, um ihr Herz (das Uhrwerk) in rhythmischen Tönen in den schwach-beleuchteten Theatersaal zu tragen. Dennoch wirkt die geschaffene Szenerie kalt. Und als der Vorhang aufgeht, steht die Frage im Raum, wo befinden wir uns?</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-3647" style="width:434px;height:auto" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-1024x682.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-768x511.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-1536x1022.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-2048x1363.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2025/10/rotes_haus1_63020m-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><br>&#8222;Das Rote Haus&#8220; von Mondtag Foto:Thomas Aurin</figcaption></figure>
</div>


<p>Erziehungsanstalt? Hof? Wartesaal? Pflegeeinrichtung? Das Rote Haus auf der Stresemannstraße 30 in Berlin-Kreuzberg hat eine lange Geschichte hinter sich. So scheint es wenig verwunderlich, dass der siebte Berliner Herbstsalon sich dieses postmigrantische Monument als Ausgangspunkt nimmt, um über <a href="https://freigeist-magzine.de/erbschaft-einer-kaempferin-ich-bin-allein-ich-will-keinen-mann-ich-bin-frei/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Frauen aus der Arbeiterklasse</strong></a> zu sprechen. Jene <em>„(…) schöne, gebildete, würdevolle, junge Frauen der ersten Generation von Einwanderinnen (…) die sich mit Arbeit unabhängig machte(n), sich emanzipierte(n) und dabei andere Frauen unterstützte(n).“</em>, wie Langhoff es ausdrückt.</p>



<p>In Ersan Mondtags Inszenierung „das Rote Haus“ treffen wir auf vier dieser Frauen, Canan, Keriman, Saadet, Yüksel. Alle vier sind ihrem <a href="https://freigeist-magzine.de/tagtraum-im-verhaltnis-zum-schlaf-traum-unter-berucksichtigung-des-funktionalen-phanomens-von-herbert-silberer/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Traum</strong></a> von Unabhängigkeit gefolgt. Sie kamen nach Berlin, nahmen eine Anstellung bei dem Elektronikunternehmen Telefunken an und zogen dafür in das firmeneigene Wohnheim, das Rote Haus.</p>



<p>Angekommen in dem Gebäude, warten die nun gealterten Frauen. Nacheinander und im Loop gefangen fragen sie, „Sind Sie meine Enkelin?“. Teilweise schon genervt, schauen die betroffenen, jungen, rauchenden Pflegekräfte (Arbeiterinnen) von ihrem Smartphone auf. Sie wollten eine Auszeit auf dem Hof nehmen. Widerwillig gehen sie auf die suchende, gealterte Frau zu, nehmen sie an die Hand. Eine <a href="https://freigeist-magzine.de/house-for-sale-ein-haus-geht-auf-distanz/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Symbiose</strong></a> entsteht.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><br>Superfrauen werden zu biografischen Blitzlichtern des Roten Hauses</h4>



<p></p>



<p>Es beginnt eine biografische Rückblende in schwarz-weißen Pop-Art. Ein Cartoon, der sich mit den Schattenbildern von gealterten Ich und Alter Ego erweitert. Die Frauen, Canan, Keriman, Saadet und Yüksel werden in ihrer Blende wie <a href="https://freigeist-magzine.de/romaarmee/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Superheldinnen</strong></a> vorgestellt; so bekommt Yüksel den Beinamen, die Resolute.</p>



<p>Ihre Geschichten wirken wie historische Blitzlichter des Roten Hauses, weil sie kurze biografischen Sequenzen sind; die zu dicht, zu komplex und zu schnell abgehandelt werden. Letztendlich bleibt nichts von den Geschichten der Frauen im Gedächtnis haften.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><br>„Kill Your Darlings!“ für glänzende Superfrauen</h4>



<p></p>



<p>Die biografischen Sequenzen haben eine Zeitverschiebung herbeigeführt, sodass das junge Alter Ego in einem Mehrbettzimmer aufwacht. Es sind die 60er. Eine Zeit, in der die Frauen bei Telefunken angestellt waren. Im Wechselspiel und durch die Zeit reisend, erscheinen Alter Ego und gealtertes Ich; dabei nimmt das gealterte Ich in erster Linie eine kommentierende Rolle ein. Wirklich mehr erfahren wir von den Superfrauen nicht. Die Geschichte des Hauses rückt in den Vordergrund.</p>



<p>Ersan Mondtag und sein Inszenierungsteam hätten sich einen Gefallen getan, wenn sie die Worte und die Geschichten der Frauen in den Fokus gestellt hätten. Wie <a href="https://freigeist-magzine.de/cry-baby-pollesch/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>René Pollesch</strong></a> es einst sagte, Kill Your Darlings!“; weniger ist oft mehr.</p>



<p></p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading">ЯE:IMAGINE – The Red House ist bis zum 30. November 2025 zu erleben</h4>



<p></p>



<p>Das Rote Haus auf der Stresemannstraße 30 bildet den Rahmen des siebten <a href="https://freigeist-magzine.de/stolpersteine-kroesinger-dura/" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Herbstsalons</strong></a> und lädt mit unterschiedlichen Arbeiten zur Reflexion der Gegenwart ein, „<em>um das Heute zu begreifen,</em> <em>(müssen wir) das Gestern kennen. Anders bekommen wir exakt das Morgen, das wir nicht brauchen können.“</em>, schreibt Langhoff zu Яe:imagine. Ihre Worte sind ein guter Wegweiser für Deutschlands politische Misere, die droht in einer bereits erlebten Katastrophe zu enden. – Der <a href="https://www.gorki.de/de/spielplan" target="_blank" rel="noopener" title=""><strong>Herbstsalon 2025</strong></a> ist noch bis zum 30. November geöffnet.</p>



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<p></p>
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		<title>STOLPERN ÜBER ERINNERUNGEN</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Nov 2017 17:20:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Badisches Staatstheater Karlsruhe]]></category>
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<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Die Regisseure Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura gedenken mit &gt;&gt;STOLPERSTEINE STAATSTHEATER&lt;&lt; den Theaterkünstlern des Badischen Staatstheater nach 1933, die Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik wurden.</span></span></p>




<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>&gt;&gt;Kunst ist national </i><i>und lässt sich nicht in alle Kulturen integrieren&lt;&lt;</i>, sagen die Schauspieler*innen (Marthe Lola Deutschmann, Antonia Mohr, Jonathan Bruckmeier, Gunnar Schmidt) im Prolog der Inszenierung von &gt;&gt;STOLPERSTEINE STAATSTHEATER&lt;&lt;, welches im Rahmen des Dritten Berliner Herbstsalon am Maxim Gorki Theater gastierte. Seine Uraufführung feierte das Stück &gt;&gt;STOLPERSTEINE&lt;&lt; am 21.6.2015 in Karlsruhe zum 300-jährigen Stadtgeburtstag. Die Regisseure Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura erarbeiten aus früheren Personalakten, alten Zeitungen, Flugblättern, Propagandatexten, Briefen und Postkarten eine Textfassung, die sich auf vier biografische Geschichten von Lilly Jank, Paul Gemmecke, Emma Grandeit und Hermann Brand stützt. Die Schauspieler*innen referieren an diesem Abend die recherchierten Akten, welche mit Zeitzeugenberichten und Liedern ergänzt werden, um der Textfassung Lebendigkeit zu verleihen. In wechselnden Rollen, oft wird nicht deutlich in welcher Rolle sie sich nun befinden, rekonstruieren die Schauspieler*innen die Zeit nach 1933 am Stadttheater Karlsruhe. Eine Zeit, in der Theaterkünstler aufgrund antisemitischer Diskriminierung entlassen wurden. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">&gt;&gt;STOLPERSTEINE STAATSTHEATER&lt;&lt; ist eine gelungene Arbeit im Rahmen des Dokumentartheaters. Das recherchierte Material erinnert mit den Worten der Betroffenen an die Schicksale der Karlsruher Opfer und zeichnet nach, wie das Dritte Reich mit seiner nationalsozialistischen Politik sich auf den Kulturbereich auswirkte. Leinwandprojektionen und gesungene Lieder verleihen der Inszenierung die nötige emotionale Kraft die Zuschauer ins Dritte Reich zu versetzen. Dem Ensemble gelingt es einen großen Teil an Aufklärungsarbeit zu leisten. Wie die Stolpersteine vom bildenen Künstler Günter Demming erinnern sie an die Opfern des Nationalsozialismus, in dem sie immer wieder über weitere Briefe oder Erinnerungen stolpern, welche die Betroffenen Künstler auf die gegenwärtige Bühne bringen. Auf theatralischer Ebene ermöglicht die dokumentarische Textfassung <i>&gt;&gt;nicht viele Spielräume&lt;&lt;</i>, sodass das Schauspiel eher trocken und oft unbelebt am Produktionstisch stattfindet, was dem Geschehen nötige Spannung und Emotionalität raubt, auch die vielen Rollenwechsel verwirren eher das Schauspiel, als dass es der Inszenierung hilft.</span></span></p>


&nbsp;]]&gt;		</p>
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