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	<title>Schauspiel Frankfurt &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<title>Schauspiel Frankfurt &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Unsere drei Huren: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehen wieder anschaffen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2015 19:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Die junge Regisseurin Milzgin Bilmen inszeniert Heiner Müllers „Der Auftrag“ am Schauspiel Frankfurt am 10.5.2015 (Premiere) und lässt dort die BOX zum Erfahrungsraum für Darsteller und Zuschauer werden, in dem über die europäisch-revolutionäre Weltanschauung reflektiert wird und die Frage offen steht: Wann ist der Mensch ein Mensch?</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Angekommen im Vorraum der Box, sitzt ein in weiß-gekleideter Mann auf den eleganten Marmortreppen. Vor ihm befindet sich eine Schüssel Wasser. Kaum Platz genommen, geht das Licht aus und zwei Türen öffnen sich und offenbaren weißes Röhrenlicht. In diesem hellen Schein stehen Menschen, die in ein herabhängendes Mikrofon den Prolog von Heiner Müllers „Der Auftrag – Erinnerung an eine Revolution“ wiedergeben. Diese einleitende Szene verweist auf das Motiv aus der Erzählung „Das Licht auf dem Galgen“ von Anna Seghers, welches Müller in seinem Drama „Der Auftrag“ eingearbeitet hat. Schon am Anfang lässt die Regisseurin ihre Begeisterung für das Spiel mit Licht erkennen, in dem sie mit Ständern arbeitet an denen Röhrenlichter oder Scheinwerfer befestigt sind. Immer wieder unterstreicht sie die emotionale Stimmung der Szenen und der Monologe mit kalten Röhrenlicht oder warmen Scheinwerferlicht, wie beispielsweise bei Müllers „Fahrstuhl-Monolog“ mit seinen einprägenden Satz „FÜNF MINUTEN VOR DER ZEIT | IST DIE WAHRE PÜNKTLICHKEIT.“, bei dem der Darsteller (Isaak Dentler) minutenlang vor dem Röhrenlicht-Ständer unter anderem marschiert und den Raum mit Kälte und Disziplin füllt, sodass assoziativ der Zeitdruck unserer Leistungsgesellschaft erkenntlich wird; vor allem in Frankfurt, wo das Schauspiel sich zwischen den Bankentürmen befindet. </span></span></p>


[caption id="attachment_444" align="aligncenter" width="481"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-444 size-full" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1.jpg" alt="sf_presse_auftrag_1242a" width="481" height="720" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1.jpg 481w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-301x450.jpg 301w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-167x250.jpg 167w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-137x205.jpg 137w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-60x90.jpg 60w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_1242a-1-414x620.jpg 414w" sizes="(max-width: 481px) 100vw, 481px" /></a> Isaak_Dentler_Foto:Birgit_Hupfeld[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Generell arbeitet die Regisseurin Bilmen mit schlichten Requisiten, Kostümen (Janina Badhuber) und Bühnenbild (Sabine Mäder), wie Körperfarbe, Licht, spärlichen Musikeinsätzen – die ruhig hätten ganz wegfallen können – und erreicht dadurch eine ausdrucksstarke und textbezogene Inszenierung von Müllers „Der Auftrag“, wobei die Regisseurin auch weitere Texte von Müller eingebaut hat, wie die „Hamletmaschine“. Neben der Auseinandersetzung mit dem Foyer der Box und der Box als Spielraum und dem Licht als weitere Ausdrucksebene, eröffnete Bilmen mit dem farbigen Darsteller Amel-Logan Breudji nicht nur eine weitere Ebene, in der Klang als Stilelement im Form einer Fremdsprache auftritt, sondern greift gleichzeitig mit seinem Bühnenauftritt die politische Problematik der Stadttheater auf, in denen farbige nur in wenigen Rollen eine Stimme bekommen. „Ach Debuisson. Ich habe es dir gesagt, sie ist eine Hure. (…) Die Sklaverei ist ein Naturgesetz, alt wie die Menschheit. (…) Warum sollen sie Menschen sein, weil es in Frankreich auf einem Papier steht.“ </span></span></p>


[caption id="attachment_445" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-445 size-large" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1.jpg?w=660" alt="sf_presse_auftrag_0545a" width="660" height="440" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1.jpg 1080w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0545a-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Ensemble_Foto:Birgit_Hupfeld[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Heiner Müllers Drama „Der Auftrag – Erinnerungen an eine Revolution“ spielt zur Zeit der französischen Revolution. Drei Emissäre Debuisson, Galloudec und Sasportas erhalten von der französischen Regierung den Auftrag, einen Sklavenaufstand auf Jamaika zu initiieren. Zwischenzeitlich übernimmt jedoch Napoléon in Frankreich die Macht und der Auftrag wird hinfällig. Erst in der Exposition erfährt der ehemalige Auftraggeber Antoine durch einen Brief von Galloudec, dass der Auftrag gescheitert ist, sodass die eigentliche Handlung in Form einer Rückblende erzählt wird. In Bilmens Inszenierung stehen Verrat und der korrupte Mensch im Zentrum, sowie Müllers Anliegen Geschichte und nicht Geschichten zu erzählen, sodass die Verwendung von Fremdtexten dieses Anliegen unterstreicht. Mit der spärlichen Verwendung von Requisiten und den schlichten Bühnenraum – dies ist sehr positiv gemeint – gelingt es Bilmen Müllers Text und Sprache in den Vordergrund zu stellen und schafft somit einen Erfahrungsraum für Darsteller und Zuschauer, in dem Müllers Worte endlich mal zu Wort kommen: „Frei sind wir hier nur, weil wir all jene ausklammern, die es nicht sind. Der Reichtum der kapitalistischen Staaten basiert auf dem Elend der Dritten Welt. Es ist einfach lächerlich, wenn in Afrika die Leute vor Hunger krepieren, während man hier drüben nachdenkt, wie man die landwirtschaftliche Produktion drosseln könnte. […] In allen Gossen haben sie sich gewälzt, alle Rinnsteine der Welt sind sie hingeschwommen, geschleift durch alle Bordelle, unsere Hure die Freiheit, unsere Hure die Gleichheit, unsere Hure die Brüderlichkeit.“ – Chapeau!</span></span></p>


[caption id="attachment_448" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-448" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1.jpg?w=660" alt="Ines_Schiller_Foto:Birgit_Hupfeld" width="660" height="440" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1.jpg 1080w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/05/sf_presse_auftrag_0312a-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Ines_Schiller_Foto:Birgit_Hupfeld[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><b>Schauspiel Frankfurt | </b><span style="text-decoration:underline;"><b>Der Auftrag</b></span><b> von Heiner Müller: </b></span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">Di. 26.05. 20-21.20h | Fr. 12.06. 22-23.20h | So. 28.06. 20.30-21.50h | Karten unter: https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/der-auftrag/577/# oder unter Tel. 069.212.49.49.4</span></p>

]]&gt;		</p>
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		<title>ZWEI UHR NACHTS&#124; Das moderne ICH auf der Suche nach dem authentischen Selbst in Frankfurt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2015 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">Angetrieben von existentiellen Fragen, begeben sich Falk Richters Charaktere in <b>„ZWEI UHR NACHTS“</b> am Schauspiel Frankfurt (Bockenheimer Depot) auf die Suche nach dem „Anderen“ und dem „authentischen Leben“, welches ihr Selbst in unserer transparenten Optimierungsgesellschaft definieren soll. </span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">In was für einer Welt leben wir? – Permanent muss der Mensch sich „Überforderungen“ aussetzen, sei es in Beziehungen, in der Arbeitswelt, die mit Wohlfühlmaßnahmen auf das Intime zugreifen wollen –das sogenannte Private, welches das Innenleben des Selbst definieren soll–, um eine Produktivitätssteigerungen zu erzielen; oder aber Bilderfluten von unterschiedlichen Medien, die in einen hineindrängen als ob es kein Morgen gäbe. Überall Überforderungen, die ständig von den Fragen: Ist das MEIN Leben? Wie bin ich in dieses Leben hineingeraten? Lebe ich FÜR JEMAND ANDERES? begleitet werden. </span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">Falk Richters Charaktere stehen in <b>„ZWEI UHR NACHTS“</b> mitten im Leben, beschreiben gegenwärtige Zustände des modernen Leistungssubjekts, in dem sie unter anderem mit ihren Körpern in Form von Tanz die Spuren unserer transparenten Optimierungsgesellschaft offenbaren. Dabei bilden Sprechtempo, Musik, Stimme und Bewegung eine Art musikalische Partitur, die als Ausdrucksmöglichkeit emotionaler Zustände dient und zugleich die Räume öffnet, in der Sehnsüchte verbannt wurden. Im Schauspiel <b>„ZWEI UHR NACHTS“</b>, das ein Auftragswerk für die „Frankfurter Positionen 2015“ ist, wissen die Menschen nicht, wie sie weiterleben sollen, wohin das Leben sie führen wird, beziehungsweise „Warum ist überhaupt etwas und nicht viel mehr nichts?“, um es mit Leibniz Worten zu komprimieren. Hin und Her gerissen von den verschiedenen Möglichkeiten, die ein zufriedenes Leben versprechen, verlieren sich Richters Charaktere als Prototypen unserer Gegenwart in Arbeits- und Liebesleben, Einsamkeit, Verzweiflung und Zerstörungswut. Wo bleibt aber das ICH unter all den Möglichkeiten? </span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY">„<span style="font-family:Loma;">WER IST DIESER MANN?“, fragt sich auch Marc Oliver Schulze, nachdem Constanze Becker mit dem Mann telefoniert hat, der anscheinend lieber Radiohead hört, anstatt sich um seinen Job zu kümmern. Ja, WER IST DIESER MANN? Von dem der begnadete Schauspieler Marc O. Schulze voller Elan, atemlos erzählt. „Wieso hat [dieser Mann] seit drei Tagen sein Handy nicht mehr eingeschaltet? Warum hat er gestern Nacht um 1 Uhr 57 seinen Skype Account gelöscht und anschließend unter einem anderen Namen neu eingerichtet? Warum sitzt er unterhalb des Fensters eines Hotelzimmers in einer Stadt, in der er in diesem Augenblick […] NICHT sein sollte und – ja was? Weint? […] Was vermisst er? […] Wer bist du? […] Wie bin ich in dieses Leben hineingeraten? Ist das MEIN LEBEN?“. ZWEI UHR NACHTS: Getrieben von Identitätsproblemen und der Frage, wie möchte ich Leben? Suchen Richters Darsteller Ventile um den permanenten gesellschaftlichen Anforderungen, die in einer agonischen Überforderung enden, zu entgehen. Leider ohne Erfolg. In einen Loop gefangen, jagen Ausbeutung und Enttäuschung sich gegenseitig. Die Firma möchte die neue Familie sein und interessiert sich brennend für das Innenleben seines Arbeitnehmers, damit sie ihn nach seinen Präferenzen motivieren kann, um dadurch einen Mehrwert zu erzielen, welcher dem Kapital zugutekommt. Und die Eltern, die sich eigentlich für das Innere ihres Kindes interessieren sollten, wissen gar nicht wer ihr Kind ist und versteifen sich auf Floskeln und halbherzige Gespräche. Neben dem Einblick in unsere immer sich selbst optimierende Postmoderne, sei es das Selbst oder die technologischen Errungenschaften, ist da noch die Frau. </span></p>


[caption id="attachment_397" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-397 size-large" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1.jpg?w=660" alt="Foto: Birgit Hupfeld_Lisa Stiegler_Jojanna Lemke_Jorijn Vriesendorp." width="660" height="438" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1.jpg 1085w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-350x232.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-500x332.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-768x510.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-1024x680.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-360x239.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-309x205.jpg 309w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-130x86.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-650x431.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7486a-1-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Foto: Birgit Hupfeld_Lisa Stiegler_Jojanna Lemke_Jorijn Vriesendorp.[/caption]


<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">Lisa Stiegler kritisiert in ihrem Monolog die gesellschaftliche Stellung der Frau, in dem sie sich immer wieder selbst verneint und aufzeigt, dass sie ein Mensch ist, der versucht sich von der Gesellschaft und den Anforderungen an das weibliche Subjekt abzugrenzen. „Ich bin keine Frau, die 0,1% Fettprodukte isst […] Ich bin keine Feministin, keine Emanze […] oder vielleicht doch?“. Dieser Moment ist eins der stärksten und aussagekräftigsten Szenen, dies mag sicherlich an der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Lisa Stiegler liegen, aber auch an den atemberaubenden Tanzeinlagen von Johanna Lemke und Jorijn Vriesendorp, die bedauerlicherweise in „ZWEI UHR NACHTS“ etwas zu kurz kommt. Johanna Lemke tanzt völlig verstört, hektisch, überfordert vom Dasein und zieht somit die Zuschauer in ihren Bann. Etliche Male versucht sie sich eine Zigarette anzuzünden; leider vergeblich, heutzutage kann mensch nicht mal mehr in Ruhe eine Zigarette rauchen. </span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">WER ist eigentlich für den ganzen Schlamassel verantwortlich? – Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich! Treu dem Sartreschen Motto: „Der Mensch ist nichts anderes als wozu er sich macht“. Wenn wir es nicht schaffen in einer Welt voller Ratgeber über ein zufriedenes und glückliches Leben, glücklich und zufrieden zu sein, dann liegt die Verantwortlichkeit auf Seiten des Selbst, unabhängig in welcher politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Umgebung er sich befindet. Mit einem sarkastischen Unterton gibt Richter zu verstehen, dass alles zu haben, alles zu sein und/ oder alles zu tun, dennoch kein glückliches und zufriedenes Leben garantieren kann. Spätestens um ZWEI UHR NACHTS holt der Existentialismus uns ein und fragt nach dem authentischen Selbst.</span></p>




<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY">„<span style="font-family:Loma;"><b>ZWEI UHR NACHTS“ </b>ist genau wie „FOR THE DISCONNECTED CHILD“ (UA Schaubühne Berlin, 2013.) ein grandioses Schauspiel, das diverse Künste -Musik, Tanz, Schauspiel, Text, Video- in ein harmonisches Ganzes ohne jeglichen Makel zusammenfügt. Die Musik von Helgi Hrafn J<span style="font-family:Bitstream Charter, serif;">ó</span>nsson und Valgeir Sigurdsson erweitert und untermalt wundervoll mit ihren Klängen die melancholischen und aufreibenden Szenerien, die voller Emotionen sind. Aber auch die Tänzer erweitern das gesprochene Wort und ersetzen es manchmal ganz durch Tanz, sodass der immer wiederkehrende Wunsch nach einer neuen Ausdrucksmöglichkeit gegeben ist. Neben Musik und Tanz als neue Sprachen, ist auch Chris Kondeks Videoinstallation über die Frankfurter Großstadt hervorragend und schafft nicht nur eine neue Ebene, sondern vergegenwärtigt gelungen in einigen Szenen Einsamkeit, Verlassenheit und die Kälte in einer Großstadt.</span></p>


[caption id="attachment_398" align="alignright" width="300"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-398" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1.jpg?w=300" alt="Foto: Birgit Hupfeld_Jorijn Vriesendorp_Marc Oliver Schulze." width="300" height="200" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1.jpg 1080w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/04/sf_zweiuhrnachts_7609a-1-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a> Foto: Birgit Hupfeld_Jorijn Vriesendorp_Marc Oliver Schulze.[/caption]


<p style="text-align:left;" align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;">In der vorletzten Szene bei der alle Genres -Tanz, Musik, Video, Text- aufeinanderprallen, sind es in erster Linie die Bilderfluten, die mit mehreren Leinwänden bei den Zuschauern eine Überforderung der Aufnahmefähigkeit erzielen und dadurch bestens eine Analogie zu unserer transparenten Optimierungsgesellschaft mit ihren Leistungssubjekten herstellt. Getrieben aus den Momenten der Unruhe, tauchen bei den einzelnen Darstellern Sinnkrisen auf, wie so häufig in Richters Werken auf der Suche nach alternativen Lebens-, Arbeits- und Beziehungskonzepten. Aber können gefundene Alternativen wirklich einen Ausweg garantieren? – Gefangen im eigenen System, kommt die Identität abhanden und der Mensch ist nur noch eine Ressource; wie in dem Sci-Fi-Thriller „The Matrix“. Traum und Realität verschwimmen und die Sehnsucht nach einem anderen Leben macht sich breit. Jedes einzelne Mitglied des Ensembles <b>„ZWEI UHR NACHTS“ </b>trägt zu dieser atemberaubenden Inszenierung bei, sei es Constanze Becker als sarkastische Business-Frau, die wie jüngst die Unternehmen Apple und facebook ihren weiblichen Angestellten anbietet, ihre Kinder einzufrieren, oder Lisa Stiegler, die der Frau eine zentrale Stimme im Spiel gibt -was ich sehr lange Zeit bei Richters Inszenierungen vermisst habe- oder Marc Oliver Schulze, der auf der Suche nach sich und dem Anderen ist. <b>„ZWEI UHR NACHTS“ </b>ist eine herausragende Inszenierung und ich hoffe sie bleibt dem Schauspiel Frankfurt erhalten.</span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Liberation Sans, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><b>Schauspiel Frankfurt (Bockenheimer Depot)| Premiere 1.2.2015| Weitere Informationen und Aufführungstermine: <a href="https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/premieren/2-am/">https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/premieren/2-am/</a># </b></span></span></p>

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