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	<title>Politisches Theater &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>— News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>Politisches Theater &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>„Wird das unsichtbare Theater uns retten?“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jun 2021 02:08:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Chile]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorfer Schauspielhaus]]></category>
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		<category><![CDATA[Politisches Theater]]></category>
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		<category><![CDATA[Theater der Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[Düsseldorf/ Berlin • Passend zur EM sitzen die Künstler*innen vom Kollektiv „Dragón“ mit Bier und leichten Snacks in einem kantinenähnlichen]]></description>
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<p>Düsseldorf/ Berlin • Passend zur EM sitzen die Künstler*innen vom Kollektiv „Dragón“ mit Bier und leichten Snacks in einem kantinenähnlichen Etablissements und besprechen ihr neues Projekt. Das Kollektiv befindet sich in einer existentiellen Krise, unter anderem ist ihr dritter Kopf, Alejandra, ausgestiegen. Sie versuchen sich neu zu erfinden. Für ihre kommende Produktion haben sie eine kunsterfahrene Assistentin engagiert. Als künstlerisches Comeback ist eine Autoexplosion im Kunstmuseum Museu de arte de São Paulo (MASP) geplant. Das nun zweiköpfige Kollektiv möchte an den politischen Mord des guyanischen Historikers Walter Rodney erinnern und so auf die postkolonialen Verhältnisse in Chile aufmerksam machen.</p>



<p>In der Diskussion über die Umsetzung der geplanten Explosion stoßen die Künstler*innen an die Grenzen von theatraler Kunst im politischen Kontext; dürfen Künstler*innen Migranten als verstummte Statisten für künstlerische Zwecke gebrauchen? Ist es für People of Color- oder weiße Künstler*innen legitim mit „schwarzen Leichenteilen“ zu spielen? Können nicht-schwarze Künstler*innen ohne schwarzen Körper überhaupt etwas über Kolonialismus aussagen, ohne selbst in die Rolle der Plünderer zu verfallen?</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="369" height="276" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31.png" alt="" class="wp-image-2752" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31.png 369w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31-350x262.png 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31-334x250.png 334w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31-274x205.png 274w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/06/Bildschirmfoto-2021-06-28-um-03.33.31-120x90.png 120w" sizes="(max-width: 369px) 100vw, 369px" /><figcaption>Ensemble (Luis Cerda, Camila González, Francisca Lewin) Foto: Melanie Zanin</figcaption></figure></div>



<p>Wie unsichtbar muss Theater sein, um politisch wirken zu können? Ist eine zentrale Frage der hybriden Inszenierung „Dragón“ (UA Juni 2019, Santiago de Chile) vom chilenischen Regisseur Guillermo Calderón und Ensemble (Luis Cerda, Camila González, Francisca Lewin). Die deutsch-chilenische Produktion, welche am 21. Juni 2021 Deutschlandpremiere über Live-Stream auf dem Düsseldorfer Theater der Welt Festival feierte, untersucht das Verhältnis von darstellender Kunst und Politik in Zeiten von Digitalisierung und Postpandemie.</p>



<p>Dafür verdreht, verschiebt und tarnt „Dragón“ die Ebenen der Kunst. Und beruft sich auf den brasilianischen Theatertheoretiker Augusto Boal, der mit seiner Theorie über das unsichtbare Theater ein bewusstseinbildendes Theater der Unterdrückten formulierte. Im unsichtbaren Theater ist jeder Ort eine Bühne, alle Menschen sind Zuschauer und Akteure, um die soziale Ordnung zu kritisieren.</p>



<p>Auch die unscheinbare Kantine in „Dragón“ verweist auf ein bekanntes Restaurant am Plaza Italia in Chile. Zu Zeiten der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet war das Restaurant ein Treffpunkt für Intellektuelle und Aktivisten. Ebenfalls unscheinbar wirkt die Assistentin (Francisca Lewin) im Stück. Sie erreicht durch ihren Input in die Gruppe so viel Einfluss und Macht, dass sie die Rolle der Regisseurin und Projektleiterin einnimmt. Unter anderem bringt sie das Thema der sozialen Klasse in die Gruppe ein und erarbeitet ein Konzept auf der Grundlage von Boals Theatertheorie. Später wird sie vom Kollektiv als Sadistin mit falscher Identität entlarvt. Die bisher namenlose Frau entpuppt sich als die verlorene Alejandra, der dritten Kopf des Drachen, und prophezeit Rückkehr und Ende des Kollektivs.</p>



<p>Die künstlerische Krise von „Dragón“ und das Verhältnis von Theater zu Politik verweisen auf die Krise der chilenischen Politik. Das südamerikanische Land arbeitet immer noch die Strukturen der vergangenen Militärdiktatur auf, befindet sich neben der Pandemieproblematik in einer sozialen Krise. Das neoliberale System scheint ausgedient, staatliche Strukturen brechen zusammen. Die konservative Regierungskoalition unter Präsident Sebastián Piñera steht vor dem Aus. Und genau wie Präsident Piñera, muss sich das politische Theater neu erfinden und eine „tiefe Reflexion“ vornehmen.</p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>



<p><strong><u>Dragón </u></strong><u>von Guillermo Calderón (Spanisch mit deutschen Übertiteln)</u><br>Regie und Text: Guillermo Calderón, Bühne und Licht: Rocío Hernández, Kostüm: Daniela Vargas, Mit: Luis Cerda, Camila González, Francisca Lew<br>Koproduktion Festival Theater der Welt Düsseldorf 2021, Teatro a Mil Foundation, Teatro UC<br>Dauer: 1 Stunden 25 Minuten, keine Pause, Weitere Spieltermine: 21. Juni – 4. Juli 2021, Video-on-Demand, Kartenpreis, 5 Euro,                                                            Zu Gast in der Schaubühne Berlin als Lecture am 2. Oktober 2021<em><br></em>www.theaterderwelt.de, www.dhaus.de, https://www.schaubuehne.de</p>



<p>Beitragsbild &#8211; Foto: Eugenia Paz</p>
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		<title>Skeptizismus: Das politische Theater lebt?!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jan 2014 17:10:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer- Richter und Pollesch“]]></category>
		<category><![CDATA[Brecht]]></category>
		<category><![CDATA[Falk Richter]]></category>
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		<category><![CDATA[Muriel Ernestus]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Postdramatik]]></category>
		<category><![CDATA[Postdramatisches Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Rene Pollesch]]></category>
		<category><![CDATA[sine cause Verlag]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[

<p align="JUSTIFY">„<span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><b>Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“</b> von Muriel Ernestus, welches 2012 im sine causa Verlag in Berlin erschienen ist, umreißt die Geschichte des politischen Theaters mit ihren theoretischen Modellen bis zu Birgit Haas und konzentriert sich anschließend auf drei bedeutende postdramatische Theaterautoren Widmer, Richter und Pollesch, um den „flexiblen Menschen“ der kapitalistischen Arbeitswelt im politischen Theater zu untersuchen.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">In der deutschen Theaterszene geht das Gerücht herum, dass es heutzutage kein &#8218;wirkliches&#8216; politisches Theater mehr gibt und fragt man diese Skeptiker, was sie für politisches Theater halten, wurde es ganz still. Der Begriff des politischen Theaters ist sehr offen gefasst, sodass man ihn unterschiedlich füllen kann, wie der Autor Muriel Ernestus in seiner neuen Studie <b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“ </b>im Kapitel „Terminologisches Defizit“ erläutert. Zur Beseitigung des „terminologischen Defizits“ umreißt der Autor die ganze Geschichte des politischen Theaters, wobei natürlich die „Väter des politischen Theaters“ Erwin Piscator und Bertolt Brecht etwas ausführlicher besprochen werden, weil sie das Fundament für das politische Theater legten. Beide führten Plakate, Projektionen, Lieder und Filme in ihre Theaterstücke ein, die für eine Erweiterung und Vermittlung von lehrhaften Elementen sorgten. Beispielsweise dienten Projektionen als Mittel der Texterweiterung. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Piscator sowie Brecht machten das Theater zu einem Ort der Revolution, in dem sie politische Problematiken mit Realitätsgehalt auf die Bühne brachten und durch das Einsetzten neuer Stilelemente das klassische Theater zerstörten. Das Engagement auf der Bühne greift Ernestus in seinem „Exkurs: Der Kampf ums Engagement“ explizit auf und vollendet somit die Geschichte des politischen Theaters mit der Hans-Thies Lehmann Kritikerin Birgit Haas. In diesem Exkurs wird auch deutlich, dass Ernestus den Begriff des politischen Theaters von Hans-Thies Lehmann vertritt, wobei er Lehmanns Ästhetisierung des Politischen als bloße Reduzierung auf die Form entlarvt und zugleich ergänzt, dass politisches Theater auch einen politischen Kontext in sich tragen müsse. Diese Kontextualisierung des Politischen lässt sich für Ernestus seit Mitte der 90er Jahre wieder in zahlreichen Theaterstücken feststellen. Vor allem die Arbeitsweltstücke, welche die „Lebens- und Arbeitswelt des flexiblen Menschen“ thematisieren, behandeln nach Ernestus gegenwärtige politische Themen wie den Wandel der Arbeitswelt infolge von Globalisierung und Neoliberalismus. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Bevor Ernestus Theaterstücke von Urs Widmer, Falk Richter und Ren<span style="font-family:Arial, sans-serif;">é</span> Pollesch auf den „flexiblen Menschen“ hin untersucht und feststellt, wie politisches Theater sich heutzutage im deutschen Theater offenbart, erläutert er Richard Senetts Begriff des „flexiblen Menschen“. Nach Senett muss der Mensch heute genau wie der kapitalistische Markt flexibel sein und sich an seine Arbeitsumgebungen anpassen, nur dann ist ihm ein beruflicher Erfolg garantiert. Das Phänomen der „flexible Mensch“ lässt sich nach Muriel Ernestus sehr gut in Urs Widmers Theaterstück „Top Dogs“, Falk Richters „Das System“ und schließlich in Ren<span style="font-family:Arial, sans-serif;">é</span> Polleschs „Heidi Hoh“-Triologie, „Telefavela“ und „Pablo in der Plusfiliale“ erkennen und analysieren, sodass er mit diesen drei Dramatikern die aktuelle Lage des politischen Theaters vergegenwärtigt und den gegenwärtigen Skeptikern über das politische Theater mit seiner angeblich nicht vorhandenen politischen Aktualität erfolgreich widerlegt.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Die aktuelle Studie von Muriel Ernestus <b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“ </b>ist ein gut logisch-aufgebautes und dank seiner einfachen Sprache, ein sehr verständliches Buch. Das Laien sowie Theaterwissenschaftler*innen ein fundiertes Wissen über die Geschichte des politischen Theaters vermittelt. Es ist besser als jedes Grundlagenbuch über politisches Theater, das ich je in meinen Händen hatte. Es beschreibt kurz und knapp (aber sehr ausführlich) die wichtigsten Phänomene des politischen Theaters. Sogar Hans-Thies Lehmanns Kontrahentin Birgit Haas, die eher selten in Büchern über politisches Theater erwähnt wird, findet in dieser Studie einen Platz. Deswegen kann diese Studie auch als Grundlagenwerk über politisches Theater dienen und nicht nur als Studie über Sennetts „flexibler Mensch“ und dessen Widerspiegelung in postdramatischen Theaterstücken.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Das politisches Theater lebt seit Mitte der 90iger Jahre wieder auf, wie Ernestus mit seiner ausführlichen Analyse postdramatischer Stücke von den erfolgreichen Dramatikern Richter und Pollesch beweist. Deswegen sollte jede*r Theaterliebhaber*in einen Platz in seinem Bücherregal für dieses Werk einräumen. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Muriel Ernestus,</span><span style="font-size:small;"><b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“</b></span><span style="font-size:small;"> Berlin: sine causa Verlag, Mai 2012. ISBN 978-3-941033-20-7, 364 Seiten, 19,90 €. </span></span></p>

]]&gt;		</p>
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		<title>Trubel und Tumult Unter Eis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Oct 2013 23:20:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Fries]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorfer Schauspielhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Falk Richter]]></category>
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		<category><![CDATA[Transparenzgesellschaft]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[Der Regisseur Pedro Martins Beja bringt erstmalig im Düsseldorfer Schauspielhaus Falk Richters Drama <b>„Unter Eis“</b> mit dem Unterhaltungswert eines Polleschs auf die Bühne.
Blaues Licht. Irgendwie kalt. Eine weiße Treppe, die zu einem Glaskasten führt. Dunkelheit breitet sich aus und Paul Niemand (Sven Walser), ein verbrauchter Unternehmensberater zwischen 40 und 50 Jahren, tritt auf. Minutenlange Stille. Monolog: <i>„Himmel stürzt gegen Horizont/ Ich/ Rannte und rannte/ schrie der Sonne entgegen/ Still/ Keine Antwort/ Die Sonne hörte mich nicht/ Ich/ Rannte und rannte/ Das Universum schwieg/ Das Universum sah mich nicht, fühlte, hörte, spürte nicht/ Es gibt mich nicht, es gibt mich nicht, ich bin gar nicht da […]“</i> Ein sanftes Sonnenlicht strahlt auf Paul Niemands Gesicht, wird immer heller und Niemand fuhr fort: <i>„Festgefroren unter Eis/ Schnee/ Kalt/ Kalt Kalt Kalt Eis Eis Eis/ Still Stillstand/ Begraben, begraben unter Eis, tiefe Eisdecke […]“</i>.
Weg von der melancholischen Kälte eines Paul Niemands, der „outgesourct“ wird, hin zu den jung-dynamischen Unternehmensberatern Karl Sonnenschein (Daniel Fries) und Aurelius Glasnapp (Jonas Anders). Im schnellen Sprechtempo werfen sie auf ihrer sekundären Bühne, welche mit bunten Lichtern ausgestattet ist, Wörter in den Raum: „<b>Risiko</b> akzeptieren/ <b>Möglichkeiten</b> schaffen/ Kreatives Denken zur Verfügung stellen/ <b>Chancen</b>, die der <b>Markt </b>bietet, zu <b>Kapital</b> machen/ [<b>Effizienz</b>/ Offen sein für neue Konfrontationen/ Niemals stehen bleiben] <b>Motivation</b> demonstrieren, neue Aufgaben übernehmen, neue Fähigkeiten erlernen/ [<b>Selbstoptimierung</b>] […]“ Fast das ganze sprachliche Repertoire der Wirtschaft wird dem Zuschauer um den Kopf geworfen. Das schnelle Sprechtempo, die vielen bunten Lichter und die schwungvolle Musik von Jörg Follert holen den Zuschauer aus der bewegungsunfähigen Kälte und eröffnen ihm eine Welt modernster theatraler Unterhaltungskunst.
Die Inszenierung <b>„Unter Eis“</b> konkretisiert unsere Transparenzgesellschaft mit dem Einsatz von Kameras und versinnbildlicht mit den Unternehmern Niemand, Sonnenschein und Glasnapp die Hyperaktivität und das Verlangen des ständigen sich selbst Optimieren-Wollens unserer Gesellschaft. Das schnelle Sprechtempo und der sportliche Körpereinsatz der einzelnen Darsteller*innen helfen dabei.  Die Monologe von Paul Niemand (Sven Walser) verkörpern sehr gelungen die Kälte des Textes genauso wie seine festgefrorene Haltung. Das Paradoxe Sonnenlicht auf Paul Niemands Gesicht beim ersten Monolog des Stücks tut dem kein Abbruch, weil der Regisseur Pedro Martins Beja das Stück <b>„Unter Eis“</b> leicht ins Absurde driften lässt. So werden Paul Niemands melancholische Monologe immer wieder von den zwei aktiven Unternehmern mit Tipps zur Selbstoptimierung unterbrochen. Konstruktives Feedback nennt man das. Kinder werden bis ins Groteske als wertvolle Ressourcen vorgestellt. Beispielsweise soll eine Gruppe von Kindern Geschenke einfangen, die aufgrund ihrer Höhe unerreichbar scheinen. Nur Paul Niemands Alter Ego erkennt das Problem und löst es, indem er sich ein Stuhl holt, um eine fingierte Waffe zu ergattern. Prompt bekommt er einen Job im Marketingunternehmen und darf die Treppen zum Glaskasten alias Tempel der Unternehmer erklingen. Besonders humorvoll ist hier die Parodie von Chancengleichheit, die Beja in Anmut von Karl Sonnenschein (Daniel Fries) vorführen lässt: <i>Als ich ein kleiner Junge war, pflügte ich mit meinen Traktor unsere Felder, dann die Felder ganz Rumäniens und seiner Nachbarländer. Schließlich pflügte ich alle Felder Europas, Asiens und Amerikas und folg mit dem Traktor zum Mond. Und als ich die Felder des Monds gepflügt hatte, dann pflügte ich das ganze Sonnensystem.</i> Nicht nur hier wird die Kritik an unserer neoliberalen Gesellschaft deutlich, sondern die Kritik an unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist eine fundamentale Prägung der Inszenierung <b>„Unter Eis“</b>. <i>Oder würden Sie ihr Kind in eine Schule schicken mit einem Immigrantenanteil von 95%?</i>, fragt Daniel Fies.
[caption id="attachment_217" align="aligncenter" width="300"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-217 " alt="UnterEis_Walser_Anders_Fries_Foto:SebastianHoppe" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1.jpg?w=300" width="300" height="200" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1.jpg 2835w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1-300x200.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/10/untereis_010_walserandersfries_fotosebastianhoppe-1-350x233.jpg 350w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a> UnterEis_Walser_Anders_Fries_Foto:SebastianHoppe[/caption]
Mein besonderer Liebling der Inszenierung ist Bejas farbfrohe und originelle Ästhetik, wie beispielsweise Daniel Fries in der Kostümierung von Lewis Carrolls Alice. Und natürlich die hervorragende Durchbrechung der vierten Wand durch die Interaktion von Darsteller und Zuschauer*innen. Schließlich erfährt <b>„Unter Eis“</b> unter der Regie von Pedro Martins Beja und den Schauspielern Jonas Anders, Daniel Fries und Sven Walser ein grandioses Comeback mit hohen künstlerischen Unterhaltungswert, das stark an Renè Pollesch erinnert. Chapeau!
<strong>Düsseldorfer Schauspielhaus: Sa. 2., Mi.6.*, Mo. 11.*, So. 17., Fr. 29. November | 19.30 Uhr | Kleines Haus | *19h Einführung</strong>
Karten unter (0211) 36 99 11 oder <a href="http://duesseldorfer-schauspielhaus.de/de_DE/Vorstellungen/Unter_Eis.953498">http://duesseldorfer-schauspielhaus.de/de_DE/Vorstellungen/Unter_Eis.953498</a>]]&gt;		</p>
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