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		<title>FOR THE DISCONNECTED CHILD – Eine Hommage an das „Andere-Selbst“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jul 2013 17:36:39 +0000</pubDate>
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<p><iframe title="»For the Disconnected Child« Trailer der Schaubühne Berlin" width="1140" height="641" src="https://www.youtube.com/embed/Sg5Dhkr3Gfo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<blockquote>
<p><!--[CDATA[








<p align="JUSTIFY"]]--><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Wonach suchst Du? Hat Deine Suche überhaupt mal ein Ende? – Nähe? Zu abstrakt! Hey! Geh nicht weg! Bleib, bitte! – Tut mir Leid, Sie sind unvermittelbar. </span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: right;">
</p><p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">In Falk Richters neuen Projekt <b>FOR THE DISCONNECTED CHILD </b>geht es um den Wunsch nach Nähe, Zuneigung und diese zulassen zu können. – Begegnung, Verbindung, Auflösung. – Die Disziplinargesellschaft wird zur Leistungsgesellschaft und das nach Nähe suchende Subjekt verfällt einem Optimierungszwang. Selbstoptimierung. Beziehungsoptimierung. Der Mensch unterliegt einer Narzissifizierung seines Selbst. Der Andere verschwindet, weil das Selbst die Andersartigkeit des Anderen nicht mehr wahrnimmt. Das narzisstische Selbst beginnt in dieser kapitalistischen Leistungsgesellschaft sich selbst auszubeuten. Ist ja auch viel produktiver als Fremdausbeutung. Die ständige Selbstoptimierung verläuft köhärent mit einer Selbstausbeutung, wodurch das Gehorsamsubjekt nun zum leistungsorientierten „Homo oeconomicus“ wird. </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Wir sind am Ende der Liebe angekommen. Menschen können nicht mehr Bindungen eingehen, haben Angst vor Nähe und gleichzeitig Furcht vor der Einsamkeit. Das Zeitalter der neuen Technologien ermöglicht diverse Verbindungen mit einer unglaublichen Distanz, das heißt Beziehungen werden nicht mehr nah erfahren. Die Nähe als solche verschwindet. Die Bindungsfähigkeit des Menschen ist gestört, DISCONNECTED. Genau wie in der Psychologie: Disconnected Kinds. Autistische oder an ADHS erkrankte Kinder suche die Nähe zu ihrer Mutter. Voller Verlangen versuchen sie Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen mit der latenten Gewissheit, dass man Menschen nicht trauen kann. Vertrauen wird zur Herausforderung. Bindungsfähigkeit zu einem unerfüllbaren Wunsch. – MAMA! MAMA? HÖRST DU MICH? – Genau wie diese Kinder, sind die Menschen in Falk Richters Projekt <b>FOR THE DISCONNECTED CHILD.</b> Rastlos suchende Menschen nach Bindungen in einer Welt voller Möglichkeiten. Unfähig sich einzulassen, wie Peter Tschaikowskis Eugen Onegin. Ein freiheitsliebender Dandy, der Tatjanas gestandene Liebe dankend zurückweist. Eugen möchte seine Freiheit nicht für eine „wahrscheinlich lebenslange“ Bindung opfern. Falk Richter bettet diese Opernhandlung in sein Stück ein und lässt seine Figuren auf „Eugen Onegin“ blicken. Die Darsteller*innen (Franz Hartwig, Ursina Lardi, Stefan Stern, Tilman Strauß, Luise Wolfram) halten wie Eugen an ihrer selbst geschaffenen Freiheit fest. – Wenn eine selbstgeschaffene Freiheit zum Zwang wird, ist mensch dann noch frei? Oder unterliegt das von sich selbst entworfene Projekt „freier Mensch“ neoliberalen Zwangsstrukturen? – Liebe und der neoliberale Markt fusionieren miteinander. Der Arbeitsmarkt wird emotionalisiert und die zwischenmenschliche Beziehungen werden optimiert. Den optimalen Partner lernen wir heutzutage auf Dating- und Partnersuchwebseits kennen. Die Sprache verliert an Bedeutung, weil das Jargon des neoliberalen Marktes mit dem der Liebe zusammenfällt. Die Sprache tritt in den Hintergrund und der Klang wird zum zentralen Stilelement des Stücks <b>FOR THE DISCONNECTED CHILD</b>.</span></p>
<figure id="attachment_143" aria-describedby="caption-attachment-143" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-143" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/07/helgihrafnjatildesup3nsson_fotoarnodeclair-1-681x1024.jpg" alt="helgihrafnjatildesup3nsson_fotoarnodeclair" width="305" height="459" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/07/helgihrafnjatildesup3nsson_fotoarnodeclair-1-681x1024.jpg 681w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/07/helgihrafnjatildesup3nsson_fotoarnodeclair-1-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2013/07/helgihrafnjatildesup3nsson_fotoarnodeclair-1-768x1154.jpg 768w" sizes="(max-width: 305px) 100vw, 305px" /><figcaption id="caption-attachment-143" class="wp-caption-text">Helgi Jonsson, Foto: Arno Declair.</figcaption></figure>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Sieben Komponisten (Malte Beckenbach, Achim Bornhoeft, Oliver Frick, Helgi Hrafn J<span style="font-family: Arial, sans-serif;">ónsson, Jan Kopp, Jörg Mainker, Oliver Prechtl) vertonen Texte von Falk Richter oder &#8218;</span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">kreieren eigene Kompositionen&#8216;</span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">. Vier Sänger (</span>Helgi Hrafn J<span style="font-family: Arial, sans-serif;">ónsson, Borjana Mateewa, Gyula Orendt, Maraike Schröter) mit ergreifenden Stimmen schaffen es die Zuschauer*innen in ihrem Bann zu ziehen, sei es Melancholie oder sprühender Zynismus. So sorgt die Sopranistin Maraike Schröter für unglaublich viel Witz als sie die 12. Komposition &gt;&gt;Hör auf zu weinen&lt;&lt; singt. Die 12. Szene erinnert an eine Textszene von Falk Richters Inszenierung „Rausch“: „Bist du gut angekommen?“. Menschen, die Falk Richters Stücke kennen, werden feststellen, dass </span><b>FOR THE DISCONNECTED CHILD</b> ein Remix aus neuen und alten Schriften des Autors Richters ist. Besonderes viel Lob für seine atemberaubende Gesangsleistung bekommt Helgi Hrafn J<span style="font-family: Arial, sans-serif;">ónsson, der nicht nur eine begnadete Stimme hat, die zu Tränen rührt, sondern auch instrumental den Saal mit den passenden Klängen füllt.</span></span></p>
<div class="mceTemp">&nbsp;</div>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><b>FOR THE DISCONNECTED CHILD </b></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">von Falk Richter ist eine einzigartige Aufführung, wo Text, Klang, Gesang und Tanz (Steven Michel, Franz Rogowski, Jorijn Vriesendorp) auf höchsten künstlerischen Niveau aufeinandertreffen. Die Zuschauer*innen bekommen einen facettenreichen Einblick (unterstützt durch das Bühnenbild von Katrin Hoffmann) in die Menschen unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, die versuchen nahbare Liebe zu erfahren und das „Andere-Selbst“ als Erlösung für die selbstgeschaffene „Erfolgsdepression“ zu erkennen.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY">
</p><p align="JUSTIFY">
</p><p align="JUSTIFY"></p>
</div></div>



<p></p>



<p><strong>Sonntag, 5. April</strong><br><a href="https://www.schaubuehne.de/de/produktionen/for-the-disconnected-child.html">For the Disconnected Child</a><br>Text, Regie und Choreographie: Falk Richter</p>



<p><em>Premiere am 14.06.2013 an der Schaubühne am Lehniner Platz</em></p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>



<p><em>(Rezension vom 5.Juli 2013)</em></p>
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