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	<title>Katie Mitchell &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<title>Katie Mitchell &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Blutig-blinde Flecken der Gesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Oct 2021 14:54:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis]]></description>
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<p>Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis 10. Oktober 2021) -nachdem es im Vorjahr wegen der Pandemie ausgefallen war-. Assoziativer Schwerpunkt der Festivaledition ist „Gegenbild und Gegenmacht“. Ein Versuch mit Artist in Focus, Angélica Liddell und mit Arbeiten wie von Katie Mitchell, Selina Thompson oder Alexander Zeldin auf die blinden Flecke unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Inhalte und ästhetische Strukturen werden im 20. FIND gebrochen und hinterfragt. Eröffnet wurde das Festival mit der Uraufführung von Mitchells „Kein Weltuntergang“.</p>



<p>„Das ist ein Privileg“, kommentiert bissig die weiße Klimaforscherin Prof. Dr. Uta Oberdorf (Jule Böwe) den Exkurs der schwarzen Bewerberin Dr. Anna Vogel (Alina Vimbai Strähler) im Gespräch um die Post-Doc-Stelle an ihrem renommierten Institut für Kilmaforschung. Vogel sprach von über 100 Millionen indigene Kolonisierungstote seit 1492, eine demographische Katastrophe und Teil der Geschichte der europäischen Expansion. Laut der Klimaforscherin Oberdorf hat erst vor 30 Jahren das Zeitalter des Anthropozäns begonnen. Sie erwidert weiter den Exkurs über die demographische Katastrophe mit den Worten, dass den schmelzenden Polarkappen die Hautfarbe nicht interessiere. Und spielt damit auf eine aktiv agierende Position gegen klimatische Veränderungen an, die der Mensch heute -unabhängig von rassistischen Stereotypen- einnehmen könnte.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2809" width="434" height="289" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-500x334.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1536x1025.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-2048x1366.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-307x205.jpg 307w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-650x434.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 434px) 100vw, 434px" /><figcaption>&#8222;KEIN WELTUNTERGANG&#8220; Szene mit Veronika Bachfischer, Jule Böwe, Alina Vimbai Strähler. Foto: Cgian Marco Bresadola</figcaption></figure></div>



<p>Das Drei-Frauen-Stück „Kein Weltuntergang“ von der britischen Autorin Chris Bush versucht über die Theorie der möglichen Welten (des Philosophen Saul A. Kripke) diverse Perspektiven der globalen Klimakrise einzunehmen, um sich mit dem Hyperobjekt Klimakatastrophe auseinanderzusetzen. Regisseurin Mitchell, die das Gegenwartsdrama von Bush an der Schaubühne (4. September 2021) uraufführte, konstruierte dafür ein klimaneutrales Setting (Bühne und Kostüm, Chloe Lamford), in dem die drei Frauen, gefangen in einer Zeitschleife, fragmentarisch Gesprächssituationen mit unterschiedlichen Narrativ spielen. Immer wieder gehen die drei Türen auf und zu. Einmal kommt Frau Dr. Vogel zu spät, ein anderes Mal hat Frau Prof. Dr. Oberdorf keine Zeit.</p>



<p>Im Laufe der möglichen Welten gleicht die zersplitterte Form des Textes einer linearen Erzählung, in dem die ambitionierte Post-Doc-Forscherin Anna Vogel ihren Traumjob am Institut für Klimaforschung bekommt. Sie adoptiert aus klimaökonomischer Sicht ein Kind names Lena (Veronika Bachfischer). Und stirbt unerklärlich auf einer Arktis-Expedition. Lena (Veronika Bachfischer) ist der stringente Charakter von Bushs „Kein Weltuntergang“. Zu Beginn betritt sie die Bühne mit einer Urne, dekoriert den ansonsten kahlen Bühnenraum mit Kunstblumen und einen Eisbären. Während dem Spiel zwischen Anna und Uta, zitiert sie Studien, Konventionen, Fabeln über das Hyperobjekt Klimakrise. Sie beschreibt unser Zeitalter als „Goldglöcken-Zone“, weil der Mensch wie die Märchengestalt Goldglöckchen den (Eis-)Bären die Nahrung raubt, in deren Lebensraum eindringt und einen zerstörten Haushalt hinterlässt. Zum Ende des Stücks wird deutlich, dass jede Person Anna sein kann, das heißt ein engagierter Mensch, der sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt. „But none of all helps“, weil die Welt letztendlich wie die Forscherin Anna Vogel an alles gestorben sein wird.</p>



<p>Was es bedeutet als schwarze Frau in einer globalisierten Welt mit Kolonialgeschichte zu leben, untersucht die Performerin Selina Thompson in ihrem Film „salt: dispersed.“; die Inszenierung „salt.“ ist aufgrund von Erkrankung ausgefallen. Direkt zu Beginn berichtet die Britin Thompson von rassistischen Vorfällen in ihrem Alltag und der immer wiederkehrenden Frage, „where are you really born?“ -die meisten Engländer sind weiß-. Sie spricht von einem rassistischen Lehrer, der seinen Schülern erklärt, dass schwarze Menschen schwarz sind, weil sie laut einer Sage faul seien und die „Waschung“ verschlafen haben. Sie erzählt von einer mantrischen Abwehrhaltung, „you pushed against me, i pushed back“. Ein Versuch sich innerlich von den rassistischen und misogynen Anfeindungen zu distanzieren. Ihre Monologe wirken im Film sehr nah und emotional. Sie treffen tief in die europäische Gegenwart und in die europäische Kolonialgeschichte hinein.</p>



<p>Über das Nachleben der Sklavenroute ihrer Vorfahren an Board eines kommerziellen Containerschiffs, berichtet sie eindrücklich über ihre koloniale Vergangenheit. Mehrere Millionen schwarze Sklaven -darunter auch ihre Vorfahren- haben den Grundstein für den heutigen europäischen ökonomischen Erfolg gelegt. Zu recht betont sie, dass Europa seine Hände in Blut wäscht.</p>



<p>Dass nur ein sehr geringer Teil der Weltbevölkerung etwas von einer guten wirtschaftlichen Struktur spürt, zeigt die Arbeit „Love“ vom britischen Autor-Regisseur Alexander Zeldin. Sie ist der letzte Teil von Zeldins Triologie „The Inequalities“; andere Teile sind „Faith“ und „Hope and Charity“. Die hyperreale Inszenierung „Love“ lässt die Zuschauer einen Einblick in eine Notunterkunft für Wohnungslose werfen. Dort leben auf engsten Raum eine Patchworkfamilie (Janet Etuk, Joel MacCormack, Amelia und Oliver Finnegan), Sohn mit pflegebedürftiger Mutter (Daniel York Loh, Amelda Brown) und eine junge Frau (Hind Swareldahab) zusammen. Sie teilen sich Küche und Badezimmer. Die Einrichtung ist als Übergangsstation gedacht für Menschen, die vor der Wohnungsnot stehen und das Anrecht auf staatliche Wohnungsvermittlung haben. </p>



<p>Darauf setzt zumindest die Patchworkfamilie, welche aufgrund von Mieterhöhung ihre Bleibe zwangsräumen musste. Über die anderen Bewohner der Unterkunft erfahren sie, dass diese schon ein knappes Jahr auf die Vermittlung einer Wohnung warten. Die Inszenierung „Love“ schafft es mit ihrer realistischen Art ein Spiegelbild von den Berliner Mietverhältnissen zu schaffen. Auch in der deutschen Hauptstadt sind viele Menschen von Wohnungsnot bedroht. Hier leben Familien teilweise in beengten Wohngemeinschaften oder Wohnungen, weil sie sich keine angemessene Bleibe leisten können.</p>



<p>Einen starken Kontrast zu den hyperrealen Arbeiten der 20. FIND-Ausgabe (fern von alltäglichen Diskursen) bieten Angélica Liddells Werke „Liebestod“ und „the Scarlet Letter“. Die Regisseurin arbeitet hier wie gewohnt provokativ, konstruiert Extreme in Bild und Wort. Ihre Texte beziehen sich auf hochkarätige Literatur, wie Richard Wagners „Tristan und Isolde“oder Antonin Artaud „Theater der Grausamkeiten“. Die Performance „Liebestod“ ist eine Art von Hommage an den spanischen Stierkämpfer Juan Belmonte und bedient sich einer Blutmetapher aus dem Stierkampf. Für ihr performatives Blutritual tunkt sie beispielsweise Brot in ihr eigenes Blut und verspeist es oder schneidet sich mit einer Rasierklinge Hände und Füße auf. Liddell bleibt in ihren neuen Arbeiten definitiv ihrer artifiziellen Theaterkunst treu und gilt laut dem Dramaturgen Florian Borchmeyer als „bedeutendste Textperformerin der Welt“.</p>



<p>Das Festival läuft noch bis zum 10. Oktober 2021 und präsentiert viele weitere spannenden Arbeiten aus dem Bereich der Gegenwartsdramatik, wie „Outside“ vom russischen Regisseur Kirill Serebrennikov oder Thomas Ostermeiers Inszenierung mit dem französischen Schriftsteller Édouard Louis „Wer hat meinen Vater umgebracht?“(„Qui a tué mon père“). </p>



<p>Einige Arbeiten aus dem FIND Programm befinden sich bereits im Repertoire der Schaubühne und lassen sich nachträglich anschauen, wie die klimaneutrale Inszenierung von Mitchell oder die Arbeit von Ostermeier. Geplant ist auch ein Remake von Alexander Zeldins „The Inequalities“ mit dem Schaubühnen Ensemble.</p>



<p><strong>20. Ausgabe von FIND (Festival für Internationale Dramatik) – Schaubühne Lehniner Platz</strong></p>



<p><strong>Spieltermine: 29. September 2021 – 10. Oktober 2021, <br><a href="https://www.schaubuehne.de/">https://www.schaubuehne.de</a></strong></p>



<p>Foto: Richard Davenport (aus „salt.“, Selina Thompson)</p>
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		<title>Loblied auf das emanzipierte Geschlecht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Sep 2019 10:23:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
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					<description><![CDATA[„Nothing exist“ brüllen die adeligen Partygäste während sie tanzend durch die nebeligen Clubs der Londoner Society streifen. Mit dabei die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">„<span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><i>Nothing exist“</i> brüllen die adeligen Partygäste während sie tanzend durch die nebeligen Clubs der Londoner Society streifen. Mit dabei die junge Orlando, eine britische Schriftstellerin. Sie ist vor einigen Tagen in Konstantinopel als Botschafterin eingetroffen und eigentlich auf der Flucht vor ihrer hartnäckigen Verehrerin, der Erzherzogin Harriet. Orlando war vor ihrer Ankunft in die muslimische Stadt ein viel umworbener Mann. Ein mehrtägiger Schlaf aufgrund sozialer Unruhen, ließ sie zur Frau werden. Nun feiert Orlando, wie sie es gewohnt ist, ausgiebig und mit vielen Sexualpartnern; bis sich die Zustände zuspitzen und sie zur Rückkehr nach England gezwungen ist.</span></span></p>
<p><figure id="attachment_2470" aria-describedby="caption-attachment-2470" style="width: 283px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="wp-image-2470" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey.jpg" alt="" width="283" height="425" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey.jpg 533w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-300x450.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-167x250.jpg 167w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-137x205.jpg 137w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-60x90.jpg 60w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2019/09/1568107329_k1600_pr8a0919_copystephencummiskey-413x620.jpg 413w" sizes="(max-width: 283px) 100vw, 283px" /><figcaption id="caption-attachment-2470" class="wp-caption-text"><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: xx-small;"> „Orlando“ Konrad Singer und Jenny König, <br />Foto: Stephen Cummiskey.</span></span></figcaption></figure></p>
<p align="justify"><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Regisseurin Katie Mitchell inszeniert mit viel Feingefühl für Geschlechterfragen an der Berliner Schaubühne Virginia Woolfs Roman </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><i>„Orlando“</i></span></span> <span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">(Premiere 5. September 2019) und trifft mit ihrer Vorliebe zum Film den Kern von Woolfs Roman. Sie lässt das Publikum beschämt auf die sexualisierte Frau Orlando schauen, </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">welche durch die unterschiedlichen Sexualpartner zur Hure wird. Der männliche Orlando hat beim Herumhuren gesellschaftlich mehr Anklang gefunden. Die junge Orlando, hier gespielt von Jenny König, sieht </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">sich durch die Erzählerin (Cathlen Gawlich), immer wieder mit dem </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">konstruierten Geschlecht </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">(auch benannt als </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><i>Gender</i></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">)</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> konfrontiert. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Die gesellschaftlichen Anforderungen an ein bestimmtes Geschlecht wandeln sich wie Orlando durch die unterschiedlichen Zeitalter. In vielen Ebenen erarbeitet die Regisseurin das Gender satirisch heraus. Beispielsweise erfährt die weibliche Orlando sich als heiratsfähiges Subjekt und begegnet ihrem zukünftigen Verlobten auf einem weißen Pferd; </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">hier bedient sich die Regisseurin eines </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">überlieferten</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> Märchen-Bildes. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Mitchells Bühnenfassung spielt auf einem Filmset mit Live-Video in minutiöser Abstimmung, </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">ergänzt sich mit Videoaufnahmen und  </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">einer</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> Erzählerin, die unter anderem Teile aus Woolfs Roman vorliest. Mit fast 90 Kostümwechsel </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">ist das Bühnengeschehen eine beeindruckende Leistung. Wobei der Blick zum größten Teil des Abends auf die bühnenbildimmanente Leinwand fällt, anstatt auf die Bühne selbst. Intensiver als gewohnt vermischt Mitchell das Genre Film mit Theater, </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">was ihr einen größeren Spielraum ermöglicht, gleichzeitig aber wegen den Übergängen eine (zeitliche) Herausforderung beschert; die sie mit ihrem Team gut meistert. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Ensemblemitglied Jenny König verkörpert die Figur Orlando in seinen beiden Geschlechterrollen passend und kritisch, sodass die gewonnene Emanzipation vom Gender glaubhaft zu einer notwendigen Befreiung des Sexes führt. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Mitchell behandelt das Gender </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">in ihrer Inszenierung </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><i>„Orlando“</i></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> wie ein Kostüm und kleidet ihre Schauspieler, wie die hübsche </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">blonde</span></span> <span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Erzherzogin </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Harriet </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">(Konrad Singer),</span></span> <span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">situationskomödiantisch. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">Die anmutige Blondine outet sich schließlich als Mann, um Orlando zu verführen.</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> Problematisch an d</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">ieser Bühnenfassung</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"> bleibt, dass der Mann noch immer als natürlicher Mensch gesehen wird und die Frau sich von einem aufgedrängten Konstrukt befreien muss. </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">So bleibt das Bild kritiklos </span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">be</span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;">stehen, der Mann sei das ursprüngliche Subjekt.</span></span></p>
<p align="justify">
<p align="justify"><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">Weitere Vorstellungen </span></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">von „Orlando“ an der Schaubühne Berlin</span></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">:</span></span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE"> 11.9., 12.9., 13.9., 25.10., 26.10., 27.10. 2019</span></span></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE"> Karten unter: </span></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">030 890023 oder </span></span></span><span style="font-family: CMU Concrete;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">ticket@schaubuehne.de</span></span></span></p>
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		<title>Elfriede Jelinek trifft auf Popkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Oct 2016 08:10:02 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><![CDATA[<p align="JUSTIFY"]]&gt;– <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;"><i><b>Orpheus ist auf Koks und Eurydike will endlich ihre Ruhe haben. </b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;">Hektisch sitzt Eurydike (Jule Böwe) im Auto und rast zu Ihrem Sänger, Orpheus (Renato Schuch). Er singt, der Sänger. Nimmt Eurydike nur als Körper wahr. Sie ist sein Schatten. Ein Abbild von einem Mann; eine Muse, die ihre Individualität durch Kleidung erlangt. Keinen Tag bleibt der Macho ungefickt. Wird auf der Bühne von jungen Teenies angehimmelt. Und SIE? Die Frau? SCHATTEN&#8230;aufgewacht in der Unterwelt, befindet sich Eurydike in einer Zelle; sie ist tot. Alles verläuft hier ganz schnell. Die Zeit rast. Und Orpheus will seine Eurydike zurück.</span></span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;">Regisseurin Katie Mitchell hat die SchauBÜHNE zum Filmset ummontiert. Die eigentliche Inszenierung findet auf der Leinwand statt. Bild für Bild. Szene um Szene; lernen wir über die Sprecherin Stephanie Eidt, Eurydikes Gedanken kennen. </span></span></span></span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;">Und er singt, der Sänger singt, (…) kein Schatten, und doch, er sieht mich nicht, er sieht nicht, wie ich jetzt aussehe, das könnte er auch gar nicht, denn ein Aussehen gibt es nicht mehr, das ist gut, ich will auch keinen Körper mehr, aber er findet sich nicht damit ab. Gibt sich nicht zufrieden. Das gehört bei ihm dazu (…) </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><i>(Eurydike in Elfriede Jelineks, Schatten [Eurydike sagt]*)</i></span></span></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;">In Elfriede Jelineks Drama SCHATTEN (EURYDIKE SAGT) kommt die Frau zu Wort und spricht über den Mythos, ein Abbild des Mannes zu sein. Die Frau ist ein Objekt, welches sich einkleidet. Kleidung definiert dieses Objekt. Körper wird zum Objekt der Begierde degradiert. Bestenfalls Liebesobjekt. Mehr ist sie nicht; die Frau. Selbst im Reich der Schatten, hat Eurydike nicht ihre Ruhe. Orpheus zerrt an ihr. Er will sie wieder haben, weil sie zu ihm gehört. Er bittet Hades sie ihm wiederzugeben. Sein Schmuckstück, die Frau. Auch unter der Bedingung sie niemals mehr ansehen zu dürfen, nimmt er sie mit. Doch sie will nicht. Ein Wendepunkt.</span></span></span></span></p>
<p style="text-align: center;" align="JUSTIFY"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-large wp-image-754" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-1024x683.jpg" alt="1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola" width="700" height="467" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-1536x1024.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-2048x1365.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2016/10/1474550234_k1600_schatten-9540_cgianmarcobresadola-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-size: medium;">Jule Böwe als Eurydike. Foto: Antonia Ruder.</span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: medium;">Total fesselnd, wie in einem Thriller inszeniert Mitchell Jelineks Drama SCHATTEN (EURYDIKE SAGT). Gekonnt arbeitet die Regisseurin die feministischen Aspekte heraus und lässt die Schauspielerin Jule Böwe als selbstzweifelnde Schriftstellerin auftreten, die im Schatten ihres Sängers nicht schreibt. Sie ist ja nur eine Frau. Irgendwie zynisch, aber voller Entschlossenheit, teilt sie ihrem Sänger mit: &gt;&gt;Ich will endlich meine Ruhe haben!&lt;&lt;; mein liebstes Moment. Eurydike will lieber ein emanzipierter Schatten im Nicht-Ort sein. Ein Körper ohne Kleidung; eine Frau, die sich durch das Schreiben definiert und identifiziert. Und nicht das Abbild irgendeines Mannes ist. Jelineks SCHATTEN (EURYDIKE SAGT) trifft in Mitchells Inszenierung auf Popkultur; Drama trifft auf Film und Theater auf Kino. Zwei unterschiedliche Genre werden miteinander vereint, und machen die schwierigen Textflächen von der Autorin für das Publikum zugänglich. Noch nie habe ich so eine gelungene Jelinek-Inszenierung gesehen. Chapeau!<br /></span></span></span></span></p>
<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><b>SCHATTEN (EURYDIKE SAGT)</b>| Schaubühne Berlin| 9.11. – 16.11.2016| Jeweils um 20h| Weitere Spieltermine: <a href="http://www.schaubuehne.de/en/produktionen/schatteneurydikesagt.html/m=319">http://www.schaubuehne.de/en/produktionen/schatteneurydikesagt.html/m=319</a> </span></span></p>
<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">| Karten unter: <a href="mailto:ticket@schaubuehne.de">ticket@schaubuehne.de</a> oder 030/89 00 23. </span></span></p>
<p> </p>
<p align="JUSTIFY">_____________________________________________________________________________</p>
<p><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">*http://www.elfriedejelinek.com/ </span></span></p>


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