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	<title>Jean Baudrillard &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>— News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>Jean Baudrillard &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>RCE #RemoteCodeExecution: „Es braucht eine Revolution, zu der man tanzen kann!“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 11:58:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Zine]]></category>
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					<description><![CDATA[Regisseur Voges bringt Bergs dystopischen Roman „RCE“ auf die Bühne des Berliner Ensembles und zeigt mit Mitteln der Theatralik, wie Hacker eine durchdigitalisierte Welt beeinflussen.]]></description>
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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="960" height="638" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase.png" alt="" class="wp-image-3166" style="width:673px;height:446px" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase.png 960w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-500x332.png 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-350x233.png 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-768x510.png 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-360x239.png 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-308x205.png 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-130x86.png 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-650x432.png 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2024/05/03_RCE_BE_Moritz-Haase-272x182.png 272w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">RCE im Berliner Ensemble © Moritz Haase </figcaption></figure>
</div>


<p>Berlin • Der Regisseur <a href="https://freigeist-magzine.de/2017/05/08/voyeurismus-in-dystopia/" target="_blank" rel="noopener" title="">Kay Voges</a> bringt Sybille Bergs rebellischen Roman „RCE #RemoteCodeExecution“ auf die Bühne des Berliner Ensembles und versucht mit den Mitteln der Theatralik aufzuzeigen, wie Hacker eine durchdigitalisierte Welt beeinflussen.</p>



<p>„Man muss noch Chaos in sich tragen, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“, sprach Zarathustra in Nietzsches Werk – auch Voges BE-Ensemble trägt noch Chaos in sich. Es überflutet das menschliche Hirn in Bruchteilen von Sekunden mit gesprochenen Wort, Gesang und Bildern. Die Aussagen der Darsteller:innen werden zeitgleich auf die Bühne, ein weißes Oktagon, projiziert. Dort finden ebenfalls KI-generierte Bilder, Fotos aus dem Weltgeschehen und Kurzfilme seinen Platz. </p>



<p>Es ist eine Masse an Daten und Informationen, die die uniformen, anzugtragenden Schauspieler:innen dem Publikum näherbringen. Dabei erinnert das weiße Achteck an ein Raumschiff oder an eine Wohnzelle aus dem Science-Fiction-Film „das fünfte Element“ – jedenfalls befinden wir uns in einer nicht allzu weit entfernten <a href="https://freigeist-magzine.de/2017/09/18/welche-zukunft/" target="_blank" rel="noopener" title="">Zukunft</a>, in der die Welt vollständig digitalisiert ist. Maschinen haben einen großen Teil menschlicher Aufgaben übernommen und (Fitness)influencer haben die Dauerwerbesendung für sich entdeckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Daten, Daten, Daten! – Panoptikum und Simulakren in „RCE“</h3>



<p>Daten, Daten, Daten! – Der Mensch lebt in „RCE“ in einer spätkapitalistischen Gesellschaft, in der die Autokratie herrscht. Durch die großzügige Freigabe an seinen Daten, wird das Individuum komplett überwacht und von den Plattform- und Kapitaleigner:innen durchleuchtet, die seine freigegebenen Daten als Ware handhaben. </p>



<p>Seinen Drang nach Wohlstand hat ihn in ein <a href="https://freigeist-magzine.de/2014/07/28/weightwatch/" target="_blank" rel="noopener" title="">foucaultsches Panoptikum</a> verachtet. Dort lebt er völlig verwahrlost zwischen Simulakren; kann Wirklichkeit von Simulation nicht trennen und verläuft sich in unterschiedlichen Propaganda-Zweigen. Diese Situation macht sich ein europaweites Hacker:innen-Netzwerk zunutze, in dem sie über eine Fernsteuerung entscheidende Systeme mit #Remote Code Executions (=RCE) hackt. Die Hacker:innen beginnen die lethargische Gesellschaft zu einem Neustart zu mobilisieren und versuchen das System mit seinen eigenen Methoden zu Fall zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Kill your Darlings“ – Reizüberflutung lässt den Faden verschwinden</h3>



<p>Regisseur Voges hat den üppigen Roman von der Autorin Berg auf 75 Minuten zusammengestaucht; was hinsichtlich der Story gut funktioniert. Problematisch sind jedoch die vielen eingesetzten Elemente, die es dem Hirn schwer machen, zu folgen. Die Augen springen nämlich von den Darsteller:innen, zu dem Text, zu den Bildern und gleichzeitig versuchen die Ohren die Akustik einzufangen. Oftmals wird dadurch nicht deutlich, welches Anliegen die Schauspieler:innen auf der Bühne haben; weil eine totale Reizüberflutung herrscht und so der Faden verloren geht. Das Spiel mit den vielen digitalen Mitteln ist zwar ästhetisch ansprechend; aber zu viel des Guten. </p>



<p>Um es mit den Worten des kürzlich verstorbene Dramatikers <a href="https://freigeist-magzine.de/2014/10/02/house-for-sale-ein-haus-geht-auf-distanz/" title="">René Pollesch</a> auszudrücken, <a href="https://www.3sat.de/kultur/theater-und-tanz/kill-your-darlings-rene-pollesch-theatertreffen-2012-100.html" target="_blank" rel="noopener" title="">„Kill your Darlings“</a>. Manchmal ist weniger mehr. – Aber vielleicht bringt die Inszenierung Bergs Wunsch, „Europa neu (zu) erfinden, alle kaputten Systeme durch funktionierende austauschen (…) (durch) eine friedliche und effektive Revolution (…), etwas näher.</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="&quot;RCE #RemoteCodeExecution&quot; | Trailer" width="1140" height="641" src="https://www.youtube.com/embed/2uilbGdxN0s?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p><u>Weitere Spieltermine</u>, 5. Mai, 25. und 26. Mai, 17. und 18. Juni, 24. und 25. Juni, sowie am 8. Juli und letztmalig vor der Sommerpause am 9. Juli 2024. Karten sind zu ergattern über den <a href="https://berliner-ensemble.eventim-inhouse.de/webshop/webticket/eventlist">Webshop</a> oder an der Theaterkasse<em>.</em></p>
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		<title>Gott ist ein DJ?! – Realitätsprobleme in Neuss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2014 12:58:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank de Buhr]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[Frank de Buhr reloaded Falk Richters Drama <b>Gott ist ein DJ</b> am 9. Januar 2014 im Rheinischen Landestheater Neuss und hebt die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit auf.
Die Bühne ist eine fingierte Wohnung im modernen Stil. Weiß gehalten. Steril. Links eine digitale Uhr. Rechts eine aufgemalte Kamera. Ein Bett. Eine Wanne. Ein Pissoir. Leere Leinwände mit Unterschriften von Künstlern. Während sich die Schauspieler in der sichtbaren Maske befinden, läuft ein Hörspiel mit Falk Richters Text von <b>Gott ist ein DJ</b> ab. Die Wand der fingierten Wohnung dient als Projektionsfläche. Wir befinden uns <i>on the road</i>.
Endlich tritt ER (Jonathan Schimmer) im Space-Look auf und spricht simultan zum Text des Hörspiels. SIE (Sigrid Dispert) kommt mit ihrem silbernen Haar und ihren blau bemalten Lippen dazu. Beide fangen an von ihrem Kunstprojekt zu sprechen. 24 Stunden sind SIE und ER live auf Sendung und teilen ihr Leben mit den Zuschauern. Kochen, Essen, Schlafen und nebenbei noch etwas Sex. SIE und ER vermarkten sich. Werden zum Produkt. Beide erzählen ständig neue Geschichten und verlieren sich zwischen Fakten und Fiktion. Was ist nun wirklich passiert?
[caption id="attachment_253" align="aligncenter" width="300"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-253 " alt="Jonathan Schimmer (Er) und Sigrid Dispert (Sie)_Björn Hickmann" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1.jpg?w=300" width="300" height="200" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1.jpg 3543w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1-300x200.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/01/gottdj_hp1_15-1-350x233.jpg 350w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a> Jonathan Schimmer (Er) und Sigrid Dispert (Sie)_Björn Hickmann[/caption]
Falk Richters Drama <b>Gott ist ein DJ</b>, das 1999 seine Uraufführung im Staatstheater Mainz feierte, wurde ursprünglich unter dem Einfluss von Big Brother geschrieben und erlangt im Rheinischen Landestheater Neuss unter Bezugnahme auf soziale Netzwerke zu neuer Aktualität. Der Regisseur und Bühnenbildner Frank de Buhr arbeitet in seiner Inszenierung von <b>Gott ist ein DJ</b> gezielt die Wirklichkeitsproblematik heraus. Oder mit Jean Baudrillard ausgedrückt: „Beginnen wir mit dem Verschwinden des Realen. Über den Mord an der Realität im Zeitalter der Medien, des Virtuellen und der Netze (…)<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>“ Frank de Buhr schafft es den Zuschauer in eine Hyperrealität zu versetzen, wo Fiktion und Realität nicht mehr zu unterscheiden sind. Beispielsweise versuchen SIE und ER mit einer kurzen Werbeeinblendung ihre Merchandising Produkte im Publikum loszuwerden und verschenken zur völligen Aufhebung der Grenzen T-Shirts. Gibt es wirklich am Ende der Aufführung einen Merchandising-Stand? – Natürlich nicht!
So grandios auch eine Hyperrealität geschaffen wurde, so eckte es leider an anderen Stellen der Aufführung. Das zwanghafte-künstlerische Streben nach Authentizität ist zu überspitzt, sodass es nach einiger Zeit nervig wurde. Auch die Installation einer funktionierenden Uhr mit der richtigen Uhrzeit zur Realitätsverzerrung ist eher kontraproduktiv, weil der Zuschauer instinktiv auf die Uhr schaut und sich fragt, wann die Inszenierung endlich zu Ende sei. Auch das minutenlange springen einer Platte, fällt eher in den Bereich Körperverletzung als künstlerisches Stilelement. Lieder sollte man zu Ende spielen oder gegebenenfalls unterbrechen.
Die Zeit ist in dieser Inszenierung das Problem, weil viele künstlerische Elemente meist bis zur Penetranz hinausgezögert werden und so einen nervtötenden <i>touch</i> bekommen, wie auch das simultane Sprechen von ER und Hörspiel Er. Das parallele Sprechen beider ERs sollte zum Bühnenspiel überleiten. Durch das Hinziehen des simultanen Sprechens ist diese Überleitung leider misslungen.
Abgesehen von einigen kritischen Eckpunkten der Inszenierung, kann sich die schauspielerische Leistung von Sigrid Dispert und Jonathan Schimmer sehen lassen. <b>Gott ist ein DJ</b> ist eine sehenswerte Inszenierung. Vor allem werden Baudrillard-Kenner große Freude an dieser Aufführung haben.
<span style="text-decoration:underline;">Rheinisches Landestheater Neuss</span>:
Mi. 15.1. 11 Uhr | Di. 21.1. 20h | So. 26.1. 18h | Mi. 29.1. 20h | Do. 30.1. 11h | Sa. 22.2. 20h | Mi. 26.3. 20h
Karten unter 0 21 31-26 99-33 oder <a href="http://www.rlt-neuss.de/index.php?page=get_tickets">http://www.rlt-neuss.de/index.php?page=get_tickets</a>


<div>


<hr align="left" size="1" width="33%" />


<div>
<a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Jean Baudrillard „Warum ist nicht alles schon verschwunden?“, 1.Aufl. 2008; Matthes und Seitz Berlin, S.6 Z9ff.
</div>


</div>

]]&gt;		</p>
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