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	<title>Homosexualität &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<title>Homosexualität &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>SEARCHING FOR A PLACE OF BELONGING</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2015 08:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Das multitalent Falk Richter und die herausragende Choreografin Anouk van Dijk begaben sich am 26. Mai 2015 an der Berliner Schaubühne mit ihrer Inszenierung „Complexity of Belonging“ auf die Suche nach dem Begriff von Zugehörigkeit. Dabei formulieren sie basierend auf persönlichen Geschichten und Improvisationen mit Text, Performance und Bewegung individuelle Standpunkte, die vor dem Hintergrund eines weiten australischen Himmelpanoramas (Robert Cousins) aufeinander treffen, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen und dadurch das Publikum nicht nur bezaubern, sondern vergegenwärtigen, wie politisches Theater heute sein kann.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Alle sind auf der Suche nach Identität beziehungsweise dem Gefühl von Zugehörigkeit; egal ob Frau, Mann, heterosexuelles oder homosexuelles Pärchen. Ihr Alltag ist ständig von Fragen begleitet: Wer bin ich? Wer sind wir? Was macht uns aus? Wo gehören wir hin? Und wer gibt uns vor, wer, wie, was wir sein sollen? Ist es die Gesellschaft? Sind es die Eltern oder die Herkunft, die für mein Zugehörigkeitsgefühl verantwortlich sind und mir sagen sollen, wie ich zu sein habe? </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">In Falk Richters und Anouk van Dijks fünftem gemeinsamen Projekt „Complexity of Belonging“, in der fünf Tänzer und vier Schauspieler unterschiedlich miteinander agieren und sich in Szene setzen, begibt sich die französische Forscherin Eloise (Eloise Mignon) auf die Suche nach dem Begriff von Zugehörigkeit. Mittels Interviews über Herkunft, Beziehung, Gemeinschaft versucht sie sich dem Begriff und dem Gefühl von Zugehörigkeit zu nähern. Dabei trifft sie auf unterschiedliche Charaktere, wie einer Traumatherapeutin (Karen Sibbing), die um ihre Fernbeziehung kämpft oder auf einen Mann (Stephen Phillipps), der kurz vorm Burnout steht, weil die Gesellschaft mit all ihren Ansprüchen an ihm zerrt. Dieses Moment, in der der Mann seiner Freundin via Skype seine innigsten Gefühle mitteilt und von seiner Erfolgsdepression berichtet, treffen die Genres Text, Tanz und Musik in gemeinsamer Harmonie aufeinander, ergänzen sich gegenseitig und erzeugen somit die intendierte Stimmung von Stress, gesellschaftlichen Druck und Angst im Raum. Malte Beckenbachs düstere Klänge, die sich unter anderem wie ein pulsierender Herzschlag anhören, unterstützen Stephen Philipps Aussagen: „<i>Ich hasse meinen Körper und vielleicht sollte ich mit meinem Leben etwas sinnvolles machen, wie beispielsweise zu Greenpeace gehen“</i>. Während des Gesprächs tanzt Lauren Langlois um ihm herum, zerrt wie die gesellschaftlichen Zustände an ihm, laugt ihn aus, in dem sie auf ihn klettert, auf seinen Schultern sitzt und mit ihrem Gewicht einen Druck ausübt, der unsere heutigen Leistungsgesellschaft nahe kommt. <i>„Ich will schlafen und ausruhen. (…) Wieso kann mir keiner sagen, was ich machen soll? Ich möchte glücklich sein!“. </i></span></span></p>


[caption id="attachment_458" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-458 size-large" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1.jpg?w=660" alt="complexityofbelonging_Stephen_Lauren" width="660" height="440" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1.jpg 1000w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-768x511.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_stephen_lauren-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Complexity of Belonging_Stephen Philipps_Lauren Langlois_Foto: Jeff Busby[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Aber auch die Szene in der Lauren nach ihrem perfekten Mann sucht, vergegenwärtigt, dass wir uns in einer <i>Identitätskrise</i> befinden. Lauren ist nämlich hin und her gerissen von den ganzen Stereotypen, die einen perfekten Mann ausmachen. </span></span></p>


[caption id="attachment_460" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-460 size-large" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1.jpg?w=660" alt="_complexityofbelonging_1902" width="660" height="440" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1.jpg 1000w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-768x511.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_1902-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Complexity of Belonging_Lauren Langlois_Foto: Jeff Busby[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Innerhalb ihres Monologs wird sie durch den Bühnenraum gezogen, gestellt, gesetzt; wie eine Marionette lässt sie sich von den ganzen gesellschaftlichen Normen und Stereotypen beeinflussen und formen. Dabei möchte sie eigentlich nur geliebt werden; auch wenn sie nicht genau weiß, was das eigentlich sein soll.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY">„<span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Complexity of Belonging“ erweitert nicht nur Text durch Tanz, sondern unterbricht das Schauspiel mit spektakulären Tanzeinlangen. Besonders aussagekräftig ist die Choreografie, in der Schauspieler und Tänzer in einer Diagonale auf Sesseln sitzen. Erst adrett, abwechselnd nach links oder rechts fallend, dann gemütlich sitzend. Wie in einem Loop gefangen, symbolisieren sie ihre Verfangenheit in der Gesellschaft, in der sich der Mensch seinen eigenen Platz suchen muss, um existieren zu können. Diese äußerst bee</span></span><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">indruckende Choreografie, wird von Malte Beckenbachs Komposition bestens untermalt und erzeugt eine energiegeladene und doch nachdenkliche Stimmung. </span></span></p>


[caption id="attachment_456" align="aligncenter" width="660"]<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-456" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1.jpg?w=660" alt="ComplexityofBelonging_Ensemble_Foro:JeffBusby" width="660" height="495" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1.jpg 800w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-350x263.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-500x375.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-768x576.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-333x250.jpg 333w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-273x205.jpg 273w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-120x90.jpg 120w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-600x450.jpg 600w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/06/complexityofbelonging_ensemble1-1-650x488.jpg 650w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a> Complexity of Belonging_Ensemble_Foto: Jeff Busby[/caption]


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Richters Texte, die er mit Hilfe von persönlichen Geschichten der Darsteller geschrieben hat, greifen nicht nur Klischees auf, stellen unsere transparente Leistungsgesellschaft in Frage, sondern thematisieren ganz zentral Rassismus, Gender, das Finden von </span></span><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;"><i>Geschlechteridentitäten </i></span></span><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">und wie unsere Gesellschaft damit umgeht. Beispielsweise wünscht sich Josh von Joel ein Kind. Mit Sarkasmus versucht Josh seinem Partner zu erklären, wie sie ihren Kinderwunsch erfüllen können: „</span></span><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Let’s have an international surrogate baby“</span></span><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;">Falk Richters und Anouk van Dijks Projekt „Complexity of Belonging“, welches am 6.10.2014 an der Melbourne Theatre Company seine Uraufführung feierte und nun durch Europa tourt, ist eine beeindruckende Inszenierung, in der die Schauspieler und vor allem die Tänzer von Chunky Move großartige Leistungen vollbringen. Auch die Musik von Malte Beckenbach, die immer wieder mit ihren Klängen Tanz und Text unterstützt und die Szenen in Emotionen und Energien festigt, ist einfach wundervoll. Das australische Himmelpanorama von Robert Cousins wird durch die unterschiedliche Beleuchtung (Niklas Pajanti) zum Leben erweckt und verleiht der ganzen Szenerie Lebendigkeit. So atemberaubend „Complexity of Belonging“ auch ist, weil ernsthafte politische Problematiken sich in beeindruckenden Tanz und unter anderem Humor finden lassen, eröffnet das Schlussmoment die „Weisheit des Abends“, dass der Mensch für den Anderen lebt – abgesehen von der falsche Schlussfolgerung – eine viel zu starke Tragik, die nicht weiter ausgeführt wird und dadurch plakativ wirkt. Dennoch ist „Complexity of Belonging“ von den Künstlern Falk Richter und Anouk van Dijk ein großartiges Meisterwerk mit atemberaubenden Tänzern und Schauspielern, das jegliche Art von Bewunderung verdient!</span></span></p>




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<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Loma;">Schaubühne Berlin | COMPLEXITY OF BELONGING | 26., 27., 28., 29. Mai 2015 | Jeweils um 20:00h. Karten unter: <a href="mailto:ticket@schaubuehne.de">ticket@schaubuehne.de</a></span></span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Loma;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Loma;">Thèâtre National de Chaillot | COMPLEXITY OF BELONGING | 3., 4., 5., 6., Juni 2015 | Jeweils um 21:00h. Karten unter: <a href="http://theatre-chaillot.fr/en/dance/complexity-of-belonging">http://theatre-chaillot.fr/en/dance/complexity-of-belonging</a> </span></span></span></p>

]]&gt;		</p>
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		<title>Gender Trouble in der Großstadt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Mar 2014 16:22:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[Falk Richter kreiert mit seinem Rechercheprojekt <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY</b> am Gorki-Theater ein reflektiertes Abbild von unserer multioptionalen Leistungsgesellschaft, in dem Großstadtmenschen mit geschlechtlichen Identitäten spielen, sexuelle Vorlieben erforschen und Beziehungsbilder hinterfragen, um sich selbst zu definieren und selbst sein zu können.
Ein cremefarbender Vorhang öffnet sich und melancholisch singt Mehmet Ateşçi den Popsong „Smalltown Boy“ von Bronski Beat „You leave in the morning/ With everything you own […] Mother will never understand/ Why you had to leave/ But the answer you seek/ Will never be found at home […] run away, turn away, run away” und leitet damit die dritte Szene “Buchholz in der Nordheide” ein, in der ein junger Mann aus der Provinz in die Großstadt flüchtet und versucht dem engen Mutter-Sohn-Verhältnis zu entkommen, um sich uneingeschränkt entfalten zu können.
<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/annie-lennox-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-270" alt="annie-lennox" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/annie-lennox-1.jpg?w=238" width="238" height="300" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/annie-lennox-1.jpg 357w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/annie-lennox-1-238x300.jpg 238w" sizes="auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px" /></a>
Die Bühne ist mit weißen Flokati-Teppichen, einigen Tischen, einem Stahlkonstrukt und Bildern von bisexuellen David Bowie, schwulen Rainer Werner Fassbinder und der heterosexuellen Annie Lennox, die mit dem Gender spielt, geschmückt. Die Schauspieler*innen fläzen sich auf den Teppichen, durchstöbern Schallplatten und erinnern sich nostalgisch an ihre „Erste Liebe“ – Paddy Kelly, der damals einem Mädchen zum Verwechseln ähnlich sah. Kaum in der Großstadt „Berlin“ angekommen, wird der homosexuelle junge Mann mit Einsamkeitsgefühlen und der Angst vor emotionaler Nähe, welche mit der Furcht vor Freiheitsverlust einhergeht, konfrontiert. Es kommen Fragen auf: Wie sieht eine gesunde Beziehung aus? Und was hält uns davor ab, wir selbst zu sein?
Richters Projekt <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY </b>setzt sich aus unterschiedlichen Monologen, Szenen und Gesangseinlagen zusammen, die 25 projizierte Zwischenüberschriften bilden. Die Schauspieler*innen Mehmet Ateşçi, Niels Bormann, Lea Draeger, Aleksandar Radenković und Thomas Wodianka streifen die Themen Karriere, Beziehungsstress, Problem der Einsamkeit in einer durchdigitalisierten Welt, um sich schließlich der homosexuellen Identitätsbildung zu nähern. Dabei wechseln sie ständig ihre Rollen, ihr Gender und ihre sexuelle Identität. Größtenteils sprechen sich die Darsteller*innen mit ihren realen Namen an und spielen so mit der Realität. Nicht immer wird deutlich, wer gerade spricht: die fiktive Figur oder die reale Person. In dem Richter den Schauspieler*innen keine eng zugeschnittenen Rollen zuweist, lässt er das Privatleben der Künstler*innen zur Kunst werden. Paradoxerweise kritisiert Richter in <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY</b> das Vorgehen eines Künstlers sein Privatleben als Kunst zu deklarieren.
Neben Ironie, Parodie und Witz, wie die Szene „Shades of Grey […] Angie im Kanzlerschloss“, in der Lea Draeger nach einem erfolgreichen Deal mit der Rüstungsindustrie nach ihrem Analpfropf verlangt, beinhaltet <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY </b>auch gesellschaftskritische Momente. Das gesellschaftskritische Moment erreicht seinen Höhepunkt in der Szene „Frühling der Reaktionäre“. Dort entlädt sich Thomas Wodianka seiner Wut über die ‚Homolobby‘, Wladimir Putin mit seinen menschenrechtsverletzenden Homophobie-Gesetz, dem „Diktatorenflittchen“ Anna Netrebko, die lieber aufhören sollte Opern von homosexuellen Tschaikowsky zu singen und schließlich Angela Merkel mit ihren Mädels Erika Steinbach und Ilse Aigner, die die Institution Ehe über alles schützen, aber selber kinderlos sind und/ oder in keiner Partnerschaft leben.
<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-273" alt="Warhol - Drag Putin" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1.jpg?w=300" width="300" height="300" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1.jpg 1000w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1-150x150.jpg 150w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1-300x300.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/03/putin-1-768x768.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<b>SMALL TOWN</b> <b>BOY </b>(UA 11. Januar 2014)  ist im Großen und Ganzen eine gelungene und sehr sehenswerte Inszenierungen mit grandiosen Schauspieler*innen und wunderschöner Livemusik von Mehmet Ateşçi. Aber auch Thomas Wodianka mit seinem <i>selbstgeschrieben Song</i> „Diamonds“ – vermutlich hat Rihanna den Song auch schon mal gesungen – für Aleksandar Radenković, was in einem Duett endet, ist zauberhaft. Leider spielen homosexuelle Frauen in <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY </b>überhaupt keine Rolle und wenn Richter Frauen thematisiert, dann sind es bei ihm eher Menschen, die sich gerne sexuell erniedrigen lassen oder griechische Tragödien ausleben. – Und warum wird Elfriede Jelinek mit „Shades of Grey“ in Verbindung gebracht? Beziehungsweise wieso wird Jelinek verbal attackiert? – Lea Draeger als einzige Frau im Ensemble spielt ihre Rollen hervorragend und verleiht der Inszenierung nötigen weiblichen Charme.  <b>SMALL TOWN</b> <b>BOY </b>behandelt – wie auch Richters frühere Projekte <b>RAUSCH</b> und <b>THE DISCONNECTED CHILD –</b> die aufdringliche Mutter, die ihrem jungen Sohn keinen Freiraum lässt und ihn mit ihrer Liebe erstickt, sowie das distanzierte Vater-Sohn-Verhältnis. Schade ist dabei, dass Richter Textpassagen aus seinen früheren Werken übernimmt und in dieser Hinsicht nichts neues kreiert. Lobenswert ist, dass Richter die Selbst- und Paarsuche diesmal auf den Fokus der sexuellen Identitätsbildung richtet und somit eine Inszenierung geschaffen hat, die sich mit der männlichen Homosexualität auseinandersetzt, das Gender kritisch hinterfragt und den Zuschauer zum Nachdenken animiert.
Maxim Gorki Theater: 10.3., 17.3., 16.4., 24.4., 30.4., 1.5. jeweils um 19.30h
Karten unter (030) 20221 115 oder <a href="http://www.gorki.de/spielplan/2014-01/small-town-boy/597/">http://www.gorki.de/spielplan/2014-01/small-town-boy/597/</a>]]&gt;		</p>
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