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	<title>Hans-Thies Lehmann &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>Hans-Thies Lehmann &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Skeptizismus: Das politische Theater lebt?!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jan 2014 17:10:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer- Richter und Pollesch“]]></category>
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<p align="JUSTIFY">„<span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;"><b>Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“</b> von Muriel Ernestus, welches 2012 im sine causa Verlag in Berlin erschienen ist, umreißt die Geschichte des politischen Theaters mit ihren theoretischen Modellen bis zu Birgit Haas und konzentriert sich anschließend auf drei bedeutende postdramatische Theaterautoren Widmer, Richter und Pollesch, um den „flexiblen Menschen“ der kapitalistischen Arbeitswelt im politischen Theater zu untersuchen.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">In der deutschen Theaterszene geht das Gerücht herum, dass es heutzutage kein &#8218;wirkliches&#8216; politisches Theater mehr gibt und fragt man diese Skeptiker, was sie für politisches Theater halten, wurde es ganz still. Der Begriff des politischen Theaters ist sehr offen gefasst, sodass man ihn unterschiedlich füllen kann, wie der Autor Muriel Ernestus in seiner neuen Studie <b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“ </b>im Kapitel „Terminologisches Defizit“ erläutert. Zur Beseitigung des „terminologischen Defizits“ umreißt der Autor die ganze Geschichte des politischen Theaters, wobei natürlich die „Väter des politischen Theaters“ Erwin Piscator und Bertolt Brecht etwas ausführlicher besprochen werden, weil sie das Fundament für das politische Theater legten. Beide führten Plakate, Projektionen, Lieder und Filme in ihre Theaterstücke ein, die für eine Erweiterung und Vermittlung von lehrhaften Elementen sorgten. Beispielsweise dienten Projektionen als Mittel der Texterweiterung. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Piscator sowie Brecht machten das Theater zu einem Ort der Revolution, in dem sie politische Problematiken mit Realitätsgehalt auf die Bühne brachten und durch das Einsetzten neuer Stilelemente das klassische Theater zerstörten. Das Engagement auf der Bühne greift Ernestus in seinem „Exkurs: Der Kampf ums Engagement“ explizit auf und vollendet somit die Geschichte des politischen Theaters mit der Hans-Thies Lehmann Kritikerin Birgit Haas. In diesem Exkurs wird auch deutlich, dass Ernestus den Begriff des politischen Theaters von Hans-Thies Lehmann vertritt, wobei er Lehmanns Ästhetisierung des Politischen als bloße Reduzierung auf die Form entlarvt und zugleich ergänzt, dass politisches Theater auch einen politischen Kontext in sich tragen müsse. Diese Kontextualisierung des Politischen lässt sich für Ernestus seit Mitte der 90er Jahre wieder in zahlreichen Theaterstücken feststellen. Vor allem die Arbeitsweltstücke, welche die „Lebens- und Arbeitswelt des flexiblen Menschen“ thematisieren, behandeln nach Ernestus gegenwärtige politische Themen wie den Wandel der Arbeitswelt infolge von Globalisierung und Neoliberalismus. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Bevor Ernestus Theaterstücke von Urs Widmer, Falk Richter und Ren<span style="font-family:Arial, sans-serif;">é</span> Pollesch auf den „flexiblen Menschen“ hin untersucht und feststellt, wie politisches Theater sich heutzutage im deutschen Theater offenbart, erläutert er Richard Senetts Begriff des „flexiblen Menschen“. Nach Senett muss der Mensch heute genau wie der kapitalistische Markt flexibel sein und sich an seine Arbeitsumgebungen anpassen, nur dann ist ihm ein beruflicher Erfolg garantiert. Das Phänomen der „flexible Mensch“ lässt sich nach Muriel Ernestus sehr gut in Urs Widmers Theaterstück „Top Dogs“, Falk Richters „Das System“ und schließlich in Ren<span style="font-family:Arial, sans-serif;">é</span> Polleschs „Heidi Hoh“-Triologie, „Telefavela“ und „Pablo in der Plusfiliale“ erkennen und analysieren, sodass er mit diesen drei Dramatikern die aktuelle Lage des politischen Theaters vergegenwärtigt und den gegenwärtigen Skeptikern über das politische Theater mit seiner angeblich nicht vorhandenen politischen Aktualität erfolgreich widerlegt.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Die aktuelle Studie von Muriel Ernestus <b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“ </b>ist ein gut logisch-aufgebautes und dank seiner einfachen Sprache, ein sehr verständliches Buch. Das Laien sowie Theaterwissenschaftler*innen ein fundiertes Wissen über die Geschichte des politischen Theaters vermittelt. Es ist besser als jedes Grundlagenbuch über politisches Theater, das ich je in meinen Händen hatte. Es beschreibt kurz und knapp (aber sehr ausführlich) die wichtigsten Phänomene des politischen Theaters. Sogar Hans-Thies Lehmanns Kontrahentin Birgit Haas, die eher selten in Büchern über politisches Theater erwähnt wird, findet in dieser Studie einen Platz. Deswegen kann diese Studie auch als Grundlagenwerk über politisches Theater dienen und nicht nur als Studie über Sennetts „flexibler Mensch“ und dessen Widerspiegelung in postdramatischen Theaterstücken.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Das politisches Theater lebt seit Mitte der 90iger Jahre wieder auf, wie Ernestus mit seiner ausführlichen Analyse postdramatischer Stücke von den erfolgreichen Dramatikern Richter und Pollesch beweist. Deswegen sollte jede*r Theaterliebhaber*in einen Platz in seinem Bücherregal für dieses Werk einräumen. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family:Arial, sans-serif;"><span style="font-size:small;">Muriel Ernestus,</span><span style="font-size:small;"><b>„Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten – Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch“</b></span><span style="font-size:small;"> Berlin: sine causa Verlag, Mai 2012. ISBN 978-3-941033-20-7, 364 Seiten, 19,90 €. </span></span></p>

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		<title>Revolution? – Erstmal Tee trinken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabine Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jun 2013 18:41:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Büchner]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorfer Schauspielhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Falk Richter]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Thies Lehmann]]></category>
		<category><![CDATA[Woyzeck]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA["Er sieht immer so verhetzt aus. Woyzeck! Woyzeck! Er sieht immer so verhetzt aus." Ruft der Hauptmann (Ingo Tomi) dem verhetzten und nicht zu Ruhe kommenden Woyzeck (Thomas Wodianka) zu. Ganz gestresst läuft Woyzeck umher und platziert grüne Konferenzstühle auf einer sich leicht drehenden Bühne. Immer ganz schnell. Ohne Pause. Genau wie die Märkte. Total verhetzt. Absoluter Wirrwarr. Zahlen, Codes und Zeichen bilden eine Bildinstallation als Hintergrund. Und der Chor: "Stich zu, stich zu. Wir müssen zustechen, Herr Hauptmann. Es sagt immer: stich zu, stich zu. Eine Unterbrechung".
Das Projekt Büchner von Falk Richter im Düsseldorfer Schauspielhaus ist eine Textcollage aus Texten von Georg Büchner und Falk Richter, unter dem Einfluss von Heiner Müllers Dankesrede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1985: "Die Wunde Woyzeck". Falk Richter verbindet Büchners Schriften: "Lenz", "Woyzeck," "Dantons Tod", den "hessischen Landboten" und diverse Briefe zu einem postdramatischen Stück, um die Thematiken: Einsamkeit, Entfremdung und Ausbeutung auf die Bühne zu bringen. Büchners Woyzeck wird zum entfremdeten Individuum unserer modernen Leistungsgesellschaft, das wie der Finanzmarkt herumirrt, sich von der Kirche abwendet und zum neuen Seelenpriester, dem Therapeuten wechselt, der ihn mit Psychopharmaka ruhigstellt, damit er nicht mehr gegen Repressionen revoltiert. Ist Europa bereit für eine neue Revolution?
" Woyzeck lebt, wo der Hund begraben liegt, der Hund heißt Woyzeck. Auf seine Auferstehung warten wir mit Furcht und/oder Hoffnung, daß der Hund als Wolf wiederkehrt. Der Wolf kommt aus dem Süden." (Heiner Müller: "Die Wunde Woyzeck") Auch im Stück kehrt Woyzeck als Wolf auf die Bühne zurück und sticht mit zynischer Kritik an unserer modernen Leistungsgesellschaft zu. Und nun: Was machen wir jetzt?, fragen die Darsteller*innen. – Arbeiter bringen Tische auf die Bühne und das hervorragende Ensemble schleppt karrenweise Bücher heran. Ein politischer Diskurs findet statt und ein Monolog, gesprochen vom charismatischen Aleksandar Radenkovic, über freie Marktwirtschaft, neoliberale Ansichten und die Frage, ob Revolutionen nicht eigentlich Energieverschwendungen seien, beendet die Szene. Stille. – Merkwürdig. Da fehlt etwas!
Was macht politisches Theater aus? In den 30iger Jahren war es Erwin Piscator, der nicht nur das klassische Drama mit seinen Bühnenkonzeptionen von der Schaubühne fegte, sondern das Theater als politisches Medium, sogar als politische Waffe festigte. Piscator integrierte in seinen Aufführungen Stilmittel wie Plakate, Projektionen, Filme, Lieder und Chöre. Beispielsweise dienten Projektionen als Mittel der Texterweiterung. Seine Inszenierungen sollten Aufrufe zum Eingreifen in das aktuelle politische Geschehen sein, mit der zentralen Intention, die Zuschauer aufzuklären. Dafür holte Piscator die Wirklichkeit mit all ihren Problemen auf die Bühne.
Genau dies hätte Falk Richters Projekt Büchner sein können: eine grandiose Verkörperung von vollkommenen politischen Theater. Leider ist es nicht mehr eine vollkommene Verkörperung von politischen Theater und zwar, weil die Projektionen als piscatorisches Stilelement für politisches Theater mit den Bildern (Film) von den Occupy-Bewegungen in Spanien, Griechenland und Deutschland, sowie das Eingreifen von Polizeigewalt gegenüber Demonstranten entfernt wurden. Wieso eigentlich wurden diese im Laufe der Spielzeit entfernt? Wo sind die Bilder der revoltierenden Menschen, die sich gegen das Finanzsystem zur Wehr setzen und sich eindeutig gegen eine neoliberale Politik und gegen einen ‚freien Markt‘ aussprechen? Was ist da passiert?
Dennoch ist Falk Richters Projekt Büchner ein gelungenes politisches Theaterstück, hauptsächlich wegen der Regie, die in politischer Tradition von Piscator, Brecht und Hans-Thies Lehmann steht und des Bühnenbilds von Katrin Hoffmann. Leider wurde dem Stück die Vollkommenheit mit der Entfernung der Projektionen und dem veränderten Monolog genommen, was sehr bedauerlich ist, weil das Stück gut als Mobilisation für die im Ende Mai stattfindenden Blockupy- Proteste in Frankfurt hätte dienen können. Anbei ist die komponierte Musik von Ben Frost grandios, genauso wie das Ensemble.
Düsseldorfer Schauspielhaus: 20.6., 19:30 Uhr (letzte Aufführung)
Karten unter: 0211-369911 oder:
<a href="http://duesseldorfer-schauspielhaus.de/de_DE/Vorstellungen/Buechner.867699" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://duesseldorfer-schauspielhaus.de/de_DE/Vorstellungen/Buechner.867699</a>]]&gt;		</p>
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