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	<title>Foucault &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>VULVA BEI DER GEGENÜBERSTELLUNG</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Mar 2017 10:14:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[

<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Das Kollektiv <i><b>Frauen und Fiktion</b></i> bringt mit &gt;&gt;LUST/ sexuelle Biografien und unerhörte Phantasien von Frauen&lt;&lt; (UA 16. März 2017/ Theaterdiscounter) einen Diskurs über die Sexualität der Frau performativ auf die Bühne. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Obwohl die Bühne aus der minimalistischen Ausstattung eines Blocks besteht, der immer wieder neue Settings konstruiert, nähern sich <i><b>Frauen und Fiktion </b></i>mit unterschiedlichen Ausdrucksebenen, wie über choreografische Elemente, persönlichen Erzählungen aus dem Schauspiel- oder Tanzunterricht und über die Interaktion mit dem Publikum dem Thema der weiblichen Lust. Im Zentrum der Performance &gt;&gt;LUST&lt;&lt; steht der foucaultsche Diskurs, der mit der nackten Vulva als obzönen Witz beginnt, somit versucht</span></span> – <span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">laut Sigmund Freud – das sexuelle Begehren als verdrängtes Phänomen des Individuums offenzulegen und über den Lustgewinn des Witzes eine Lockerung zur Annäherung an das Thema zu erzielen. Die nackte Vulva als öbzönen Witz wird in der griechischen Mythologie von Baubo, der Göttin der Lust und Begleiterin der Demeter, beschrieben. Sie versucht die trauernde Demeter aufzumuntern, in dem sie ihr ihre rasierte Vulva zeigt. Über den Austausch von weiblichen Sexfantasien, der Darstellung der Sexualität in performativen Räumen, wie wird Sex im Film realitätsnah dargestellt, versucht das Kollektiv <i><b>Frauen und Fiktion </b></i>Theorie und Performativität zu vereinen, um eine offene Ebene für das Wissen über weibliche Sexualität zu schaffen. Der weibliche Sex ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Die Frau hat als Lustobjekt und Sexsymbol des Mannes noch nicht ausgedient und wird somit weiterhin vom Mann über Sexualität ausgebeutet und erniedrigt. Das Überschreiten von Schamgrenzen, in dem die Frau lernt über ihren Sex zu sprechen, bricht nicht nur Tabus, sondern schafft Wissen, welches ihr Macht gibt. Der weibliche Körper wird so nicht über die Abgrenzung zum Mann erfahren, sondern bekommt seine eigene Stellung in der Gesellschaft als Mensch.</span></span></p>




<blockquote>


<p style="text-align: right;"><em><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Die Sexualität ist Teil unseres Verhaltens. Sie ist Teil unserer Freiheit. Die Sexualität ist etwas, was wir selbst erschaffen […] Die Möglichkeit unserer Körper als eine potenzielle Quelle einer Vielzahl von Lüsten zu gebrauchen ist etwas sehr wichtiges. Wenn wir zur Frage der Identität Stellung beziehen müssen, so muss dies sein, indem wir einmalige Wesen sind. (Michel Foucault)</span></span></em></p>


&nbsp;</blockquote>


<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-857 size-large" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-1024x683.jpeg" alt="LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_Foto:PaulaReissig" width="700" height="467" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-1024x683.jpeg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-350x233.jpeg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-500x333.jpeg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-768x512.jpeg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-360x240.jpeg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-1536x1024.jpeg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-308x205.jpeg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-130x87.jpeg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-650x433.jpeg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1-272x182.jpeg 272w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/03/LUST_PatriciaCMai_EvaKeller_FotoPaulaReissig-1.jpeg 1620w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">LUST/ Patricia C. Mai und Eva Keller. Foto: Paula Reissig.</span></span>
&nbsp;


<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Die Performance &gt;&gt;LUST&lt;&lt; verspricht viel, in dem sie versucht einen foucaultschen Diskurs über die weibliche Lust auf die Bühne zu bringen, der emanzipatorische Phänomene mit sich bringt. Was dem Kollektiv auf jeden Fall gelingt, ist das Brechen von Schamgrenzen über das gemeinsame Stöhnen ins Mikrophon, das Teilen der weiblichen Lust, das Offenlegen von Fragen und das Herstellen von Wissen über den Diskurs, der über die Gegenüberstellung der nackten Vulva für eine Erkenntnis des weiblichen Sexes sorgen soll. Der Diskurs in &gt;&gt;LUST&lt;&lt; beschäftigt sich mit der weiblichen Lust, versucht gezielt über weibliche Sexfantasien ein unerhörtes Wissen performativ zu erzeugen, um Strukturen der Macht aufzubauen, die der Frau in der männerdominierenden Gesellschaft eine Stellung als Mensch ermöglichen. Aber können feministische Pornos und das Teilen von sexuellen Fantasien sagen, wer oder was die Frau ist? Enttäuschend ist, dass die Performance &gt;&gt;LUST&lt;&lt; nicht über den Alltags-Diskurs der Weiblichkeit hinausgeht und fragt, wieso der Mensch sich nur über sein Sex definieren lässt und er über sein Geschlecht zur Identität kommt. Weiterhin wirkten viele performative Akte von &gt;&gt;LUST&lt;&lt; einfallslos, heteronormativ; waren weniger ansprechend, was dem weiblichen Diskurs zwar nicht geschadet hat, aber die künstlerische Leistung der Performance beeinträchtigte.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><b>&gt;&gt;LUST/ sexuelle Biografien und unerhörte Phantasien von Frauen&lt;&lt;</b></span></span><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">| Theaterdiscounter Berlin| 16.3. – 18.3.2017| Jeweils um 20.00 Uhr| Weitere möglichen Spieltermine: <a href="http://www.frauenundfiktion.de/">http://www.frauenundfiktion.de/</a> </span></span></p>

]]&gt;		</p>
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		<title>Weightwatch – Die Macht der Nahrung (26. und 27.7.2014)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2014 12:39:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[( ART )]]></category>
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					<description><![CDATA[Derzeit leben wir nach dem Philosophen Han in einer Leistungsgesellschaft, die nach permanenter Transparenz strebt. Wir sind auch nicht frei,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><![CDATA[

<p align="JUSTIFY"]]&gt;<span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="color: #000000;"><span style="font-size: small;">Derzeit leben wir nach dem Philosophen Han in einer Leistungsgesellschaft, die nach permanenter Transparenz strebt. Wir sind auch nicht frei, sondern Knechte unseres Selbst. „Es ist insofern ein absoluter Knecht, als es ohne den Herrn sich freiwillig ausbeutet. Ihm steht kein Herr gegenüber, der sich zur Arbeit zwingt.“<a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> In der Leistungsgesellschaft wird der Körper zum Ausstellungsobjekt bestimmt. Leistungen und der Wert des eigenen Körpers werden just an Schönheitsidealen festgemacht. Für Han ist unsere Gesellschaft die Vollendung der Kontrollgesellschaft. Die normalisierte Kontrolle wirkt nun unter den einzelnen Subjekten. Die Bandbreite an sozialen Netzwerken trägt dazu bei, dass Individuen sich gegenseitig kontrollieren und ausspionieren. Persönliches für alle Welt freiwillig zur Schau stellen. Die experimentelle Installation „Weightwatch“ versucht über eine herbeigeführte Kontrollsituation in einem öffentlichen Raum mit ästhetischen Mitteln Machtstrukturen in Essstörungen und unseren Essverhalten aufzuzeigen. Die kontrollierte Nahrungsaufnahme als zentraler Bestandteil unserer Transparenzgesellschaft wird bis auf die Spitze getrieben. „Weightwatch“ soll die Aspekte der Theorien über gesellschaftliche Machtstrukturen von Foucault, Deleuze und Han offenlegen. Das heißt die Disziplinargesellschaft, in der der Mensch angefangen hat sich mit Hilfe von Institutionen selbst zu disziplinieren und diese Disziplinierung so verinnerlicht hat, dass Normierungstendenzen nicht mehr länger in einzelne Institutionen produziert werden, sondern jedes einzelne Individuum seine Selbstwahrnehmung selbstständig reguliert und normiert. Somit werden die Disziplinaranstalten von der Selbstkontrolle abgelöst. Ein gelungenes Beispiel ist „Von der zeitlich begrenzten Diät zur Ernährungsumstellung“, hier strebt das Individuum nicht mehr ein bestimmtes Ziel an, sondern entscheidet sich für die permanente (Selbst-)optimierung und steigert diese bis zu einer diffusen Norm. In der Installation steht der unterworfene Körper im Vordergrund, der die Besucher dazu auffordert über die transparente Leistungsgesellschaft und ihrem Verhältnis zum eigenen Körper nachzudenken. Gleichzeitig soll die Installation untersuchen</span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,serif;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">, inwiefern der Mensch sich von Faktoren, wie Kontrolle und Disziplin während des Essens beeinflussen lässt. </span></span></span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><u>Installation „Weightwatch“</u></span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Garuda;"><span style="font-size: small;">Die Installation „Weightwatch“ fand am 26. und 27.7.2014 jeweils von 18 bis 20 Uhr im <i>damenundherren e.V.</i> in Düsseldorf statt. Das <i>damenundherren</i> ist ein öffentlicher Raum für Kunst, Kultur und Politik. Der öffentliche Raum ist besonders wichtig für die Installationsanordnung, weil „Weightwatch“ sich mit Aspekten des alltäglichen Lebens (Essen, Trinken et cetera) befasst und ein öffentlicher Raum eine authentische Darstellung des Alltäglichen ermöglicht, weil alle Räumlichkeiten des alltäglichen Lebens miteinbezogen werden können. Das <i>damenundherren</i> wurde in installationsrelevante Räumlichkeiten eingeteilt: Buffet, Bar, Fernsehzimmer, Wohnzimmer und Toiletten.</span></span></p>

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<a href='https://freigeist-magzine.de/weightwatch/wohnzimmersw/'><img loading="lazy" decoding="async" width="584" height="450" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-584x450.jpg" class="attachment-colormag-featured-image size-colormag-featured-image" alt="" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-584x450.jpg 584w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-350x270.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-500x385.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-768x592.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-1024x789.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-324x250.jpg 324w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-266x205.jpg 266w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-117x90.jpg 117w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1-650x501.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Wohnzimmersw-1.jpg 1242w" sizes="auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px" /></a>
<a href='https://freigeist-magzine.de/weightwatch/wohnzimmersw2/'><img loading="lazy" decoding="async" width="520" height="450" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-520x450.jpg" class="attachment-colormag-featured-image size-colormag-featured-image" alt="" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-520x450.jpg 520w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-347x300.jpg 347w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-500x433.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-768x665.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-1024x886.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-289x250.jpg 289w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-237x205.jpg 237w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-104x90.jpg 104w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1-650x563.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/wohnzimmersw2-1.jpg 1050w" sizes="auto, (max-width: 520px) 100vw, 520px" /></a>

<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Garuda;"><span style="font-size: small;">Das vegane Buffet setzte sich aus gesellschaftlich-deklariert „gesunden“ sowie „ungesunden“ Speisen zusammen. Gleichberechtigt wurden die Speisen nebeneinander gestellt, sodass die Besucher die Dichotomie in „gesund“ und „ungesund“ hinterfragen und bestenfalls feststellen, dass die Kategorien von „gesund“ und „ungesund“ gesellschaftlich konstruiert sind und es immer auf das Maß ankommt. Beispielsweise kann ein Hauch von Muskatnuss das Essen verfeinern, aber ab 4 Gramm treten beim Menschen schon Vergiftungserscheinungen auf. Über dem Buffet-Anfang hing an der Wand ein Ernährungsplan, der die Gäste darüber informierte, welche Speisen man zu welcher Tageszeit am besten essen sollten, um erfolgreich abzunehmen. Um das Buffet herum wurden fingierte und funktionierende Kameras installiert. Eine Webcam und eine Standkamera überwachten das Buffet. Dabei wurden die aufgenommenen Bilder im Fernsehzimmer mittels Beamer abgespielt. Die Wiedergabe der aufgenommenen Szenen sollte den Teilnehmern vor Augen führen, dass sie in einem überwachten Raum Nahrung zu sich nehmen, sowie hervorheben, dass sie gerade essen, was sie gerade essen, wie viel sie gerade essen und wie sie aussehen, wenn sie essen. Die Kameraüberwachung in „Weightwatch“ stellt den Focaultschen Aspekt der Überwachung dar, der dafür sorgen sollte, dass die Besucher anfangen sich zu disziplinieren, weil sie beobachtet werden und anfangen sich überwacht zu fühlen; auch, wenn sie nicht überwacht werden. Mit den Überwachungstechniken (Kameras, Tonaufnahmegerät und Webcam) wurde ein Panoptismus angestrebt. Die großen Schaufenster, durch die vorbeiziehende Passanten Besucher beim Essen beobachten konnten, sollten den Panoptismus-Effekt weiter untermalten. Zusätzlich zum Panoptismus wurde die Transparenzgesellschaft von Han über die Live-Übertragung der aufgenommenen Bilder aufgegriffen. Neben den Kameras am Buffet gab es eine Spiegelwand, in der die Besucher sich während der Essensnahme oder Nahrungsaufnahme spiegeln konnten. Die Spiegelwand verstärkte die Selbstbeobachtung während des Nahrungsakts. Die in „Weightwatch“ angestrebte Disziplinierung und Beobachtung sollte bei den Besuchern ein Moment der Selbstkontrolle auslösen, in dem die Besucher sich beim Essen permanent überwacht fühlen. Die Spiegelwand sowie der Ernährungsplan sollten die Selbstbeobachtung beziehungsweise den Zwang nach einem kontrollierten Essverhalten verstärken. Mit diesen Aspekten wurde versucht das zentrale Element von Deleuze Theorie die (Selbst-)Kontrolle in die Installation einzubauen. An der Bar konnte man sich mit Getränken eindecken. Dabei dienten die Barhocker als Sitzgelegenheiten und konnten in Verbindung mit der Theke für den Akt der Nahrungsaufnahme in Anspruch genommen werden. Im Wohnzimmer und im Fernsehzimmer gab es weitere Sitzgelegenheiten für den Akt der Nahrungsaufnahme. Unterdessen konnten sich die Besucher dort während des Essens die aufgenommen Bilder, die über den Beamer auf eine weiße Wand übertragen wurden, anschauen. Die Teilnehmer wurden an der Bar, im Wohnzimmer und im Fernsehzimmer während des Essens gefilmt. Die Wände des Wohnzimmers sowie die Wand des Fernsehzimmers dienten als Ausstellungswände, damit die Besucher im Laufe des Essens mit Bildern von fraglich-essgestörten Personen konfrontiert werden. Die ausgestellten Bilder waren Teil des „BMI-Project“ von Kate Harding (<a href="https://www.flickr.com/photos/77367764@N00/sets/72157602199008819/">https://www.flickr.com/photos/77367764@N00/sets/72157602199008819/</a>) . Die Autorin rief Menschen dazu auf, ihr Fotos samt den eigenen Maßen, der Body-Mass-Index-Kennzahl und der Einteilung dieser nach Unter-, Normal-, Übergewicht oder Fettleibigkeit einzusenden. Das entstandene Flickr-Album „Illustrated BMI Categories“ aus dem die ausgestellten Bilder stammen, sind Beispiele für die Willkür des BMI und beweisen wie wenig der BMI über den Gesundheitszustand eines Menschen aussagt.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-650" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1.jpg" alt="" width="462" height="663" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1.jpg 462w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-209x300.jpg 209w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-314x450.jpg 314w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-174x250.jpg 174w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-143x205.jpg 143w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-63x90.jpg 63w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Spiegelbild_-1-432x620.jpg 432w" sizes="auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px" /></a></p>

<a href='https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/07/Weightwatch1-1.mp3'>Weightwatch</a>

<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Garuda;"><span style="font-size: small;">Die ganze Installation wurde von einer musikunterlegten Tonspur begleitet. Die Tonspur setzte sich aus einer Auswahl von persönlichen Erfahrungsberichten von Essgestörten, Gedichten über Depressionen und verzerrte Körperbilder sowie Aussagen über eine disziplinierte und transparente Leistungsgesellschaft zusammen. Die Erfahrungsberichte stammen von der Spiegel TV Reportage „Wenn der Hunger zur Sucht wird – Das Leiden der Magersüchtigen“, der Autobiografie von Marya Hornbacher „Alice im Hungerland – Leben mit Bulimie und Magersucht“ und dem Roman von Margaret Atwood „The Edible Woman“. Die Gedichten von Sylvia Plath „Ariel“ und Margaret Atwood „Fying inside your own body“ behandeln hauptsächlich die Themen Depression und verzerrte Körperbilder, wobei beides Begleiterscheinungen von Essstörungen sind. Bei den Aussagen über die Disziplinargesellschaft und der transparenten Leistungsgesellschaft handelte es sich um eine Dokumentation über Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“ sowie ein Interview mit den Philosophen Han. Unter den Tonaufnahmen wurde passende minimalistisch-elektronische Musik gelegt. Die Tonspur diente als musikalisches Stilmittel, das für eine leicht melancholische Atmosphäre sorgte, die die Besucher für die prekäre Grenzziehung von „normalen“ und „pathologischen“ Essverhalten sensibilisierte. Weiter sollte es das Reflektionsvermögen der Gäste steigern und dadurch die Aspekte Selbstkontrolle und Disziplinierung stützen. </span></span></p>
<div id="sdfootnote1">
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Han, Byung-Chul: Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. Frankfurt am Main: S.Fischer Verlag, 2014. S.10.</span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Vollkorn Regular;"><span style="font-size: small;">Ein Projekt von Sabine Schmidt (Konzept| Regie| Ton), Kim Hülsewede (Konzept| Stimme), Katrin Müller (Stimme), Johannes Kohler (Musik). </span></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Vollkorn Regular;"><span style="font-size: small;"><strong>Mit freundlicher Unterstützung von der Fachschaft Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, damenundherren e.V., der Bäckerei Troll (http://www.trollbrot.de/)  Katrin Müller sowie  Ilja Burkhardt.</strong><br /></span></span></span></p>
</div>


<p></p>
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