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	<title>Angélica Liddell &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<description>News aus Kultur und Politik</description>
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	<title>Angélica Liddell &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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		<title>Blutig-blinde Flecken der Gesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Oct 2021 14:54:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis]]></description>
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<p>Berlin • Pünktlich zum goldenen Herbst präsentiert die Schaubühne ihre 20. Ausgabe vom Festival Internationale Neue Dramatik (29. September bis 10. Oktober 2021) -nachdem es im Vorjahr wegen der Pandemie ausgefallen war-. Assoziativer Schwerpunkt der Festivaledition ist „Gegenbild und Gegenmacht“. Ein Versuch mit Artist in Focus, Angélica Liddell und mit Arbeiten wie von Katie Mitchell, Selina Thompson oder Alexander Zeldin auf die blinden Flecke unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Inhalte und ästhetische Strukturen werden im 20. FIND gebrochen und hinterfragt. Eröffnet wurde das Festival mit der Uraufführung von Mitchells „Kein Weltuntergang“.</p>



<p>„Das ist ein Privileg“, kommentiert bissig die weiße Klimaforscherin Prof. Dr. Uta Oberdorf (Jule Böwe) den Exkurs der schwarzen Bewerberin Dr. Anna Vogel (Alina Vimbai Strähler) im Gespräch um die Post-Doc-Stelle an ihrem renommierten Institut für Kilmaforschung. Vogel sprach von über 100 Millionen indigene Kolonisierungstote seit 1492, eine demographische Katastrophe und Teil der Geschichte der europäischen Expansion. Laut der Klimaforscherin Oberdorf hat erst vor 30 Jahren das Zeitalter des Anthropozäns begonnen. Sie erwidert weiter den Exkurs über die demographische Katastrophe mit den Worten, dass den schmelzenden Polarkappen die Hautfarbe nicht interessiere. Und spielt damit auf eine aktiv agierende Position gegen klimatische Veränderungen an, die der Mensch heute -unabhängig von rassistischen Stereotypen- einnehmen könnte.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2809" width="434" height="289" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1024x683.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-500x334.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-768x512.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-1536x1025.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-2048x1366.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-307x205.jpg 307w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-650x434.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2021/10/1630773773_kein_weltuntergang_cgianmarcobresadola_7-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 434px) 100vw, 434px" /><figcaption>&#8222;KEIN WELTUNTERGANG&#8220; Szene mit Veronika Bachfischer, Jule Böwe, Alina Vimbai Strähler. Foto: Cgian Marco Bresadola</figcaption></figure></div>



<p>Das Drei-Frauen-Stück „Kein Weltuntergang“ von der britischen Autorin Chris Bush versucht über die Theorie der möglichen Welten (des Philosophen Saul A. Kripke) diverse Perspektiven der globalen Klimakrise einzunehmen, um sich mit dem Hyperobjekt Klimakatastrophe auseinanderzusetzen. Regisseurin Mitchell, die das Gegenwartsdrama von Bush an der Schaubühne (4. September 2021) uraufführte, konstruierte dafür ein klimaneutrales Setting (Bühne und Kostüm, Chloe Lamford), in dem die drei Frauen, gefangen in einer Zeitschleife, fragmentarisch Gesprächssituationen mit unterschiedlichen Narrativ spielen. Immer wieder gehen die drei Türen auf und zu. Einmal kommt Frau Dr. Vogel zu spät, ein anderes Mal hat Frau Prof. Dr. Oberdorf keine Zeit.</p>



<p>Im Laufe der möglichen Welten gleicht die zersplitterte Form des Textes einer linearen Erzählung, in dem die ambitionierte Post-Doc-Forscherin Anna Vogel ihren Traumjob am Institut für Klimaforschung bekommt. Sie adoptiert aus klimaökonomischer Sicht ein Kind names Lena (Veronika Bachfischer). Und stirbt unerklärlich auf einer Arktis-Expedition. Lena (Veronika Bachfischer) ist der stringente Charakter von Bushs „Kein Weltuntergang“. Zu Beginn betritt sie die Bühne mit einer Urne, dekoriert den ansonsten kahlen Bühnenraum mit Kunstblumen und einen Eisbären. Während dem Spiel zwischen Anna und Uta, zitiert sie Studien, Konventionen, Fabeln über das Hyperobjekt Klimakrise. Sie beschreibt unser Zeitalter als „Goldglöcken-Zone“, weil der Mensch wie die Märchengestalt Goldglöckchen den (Eis-)Bären die Nahrung raubt, in deren Lebensraum eindringt und einen zerstörten Haushalt hinterlässt. Zum Ende des Stücks wird deutlich, dass jede Person Anna sein kann, das heißt ein engagierter Mensch, der sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt. „But none of all helps“, weil die Welt letztendlich wie die Forscherin Anna Vogel an alles gestorben sein wird.</p>



<p>Was es bedeutet als schwarze Frau in einer globalisierten Welt mit Kolonialgeschichte zu leben, untersucht die Performerin Selina Thompson in ihrem Film „salt: dispersed.“; die Inszenierung „salt.“ ist aufgrund von Erkrankung ausgefallen. Direkt zu Beginn berichtet die Britin Thompson von rassistischen Vorfällen in ihrem Alltag und der immer wiederkehrenden Frage, „where are you really born?“ -die meisten Engländer sind weiß-. Sie spricht von einem rassistischen Lehrer, der seinen Schülern erklärt, dass schwarze Menschen schwarz sind, weil sie laut einer Sage faul seien und die „Waschung“ verschlafen haben. Sie erzählt von einer mantrischen Abwehrhaltung, „you pushed against me, i pushed back“. Ein Versuch sich innerlich von den rassistischen und misogynen Anfeindungen zu distanzieren. Ihre Monologe wirken im Film sehr nah und emotional. Sie treffen tief in die europäische Gegenwart und in die europäische Kolonialgeschichte hinein.</p>



<p>Über das Nachleben der Sklavenroute ihrer Vorfahren an Board eines kommerziellen Containerschiffs, berichtet sie eindrücklich über ihre koloniale Vergangenheit. Mehrere Millionen schwarze Sklaven -darunter auch ihre Vorfahren- haben den Grundstein für den heutigen europäischen ökonomischen Erfolg gelegt. Zu recht betont sie, dass Europa seine Hände in Blut wäscht.</p>



<p>Dass nur ein sehr geringer Teil der Weltbevölkerung etwas von einer guten wirtschaftlichen Struktur spürt, zeigt die Arbeit „Love“ vom britischen Autor-Regisseur Alexander Zeldin. Sie ist der letzte Teil von Zeldins Triologie „The Inequalities“; andere Teile sind „Faith“ und „Hope and Charity“. Die hyperreale Inszenierung „Love“ lässt die Zuschauer einen Einblick in eine Notunterkunft für Wohnungslose werfen. Dort leben auf engsten Raum eine Patchworkfamilie (Janet Etuk, Joel MacCormack, Amelia und Oliver Finnegan), Sohn mit pflegebedürftiger Mutter (Daniel York Loh, Amelda Brown) und eine junge Frau (Hind Swareldahab) zusammen. Sie teilen sich Küche und Badezimmer. Die Einrichtung ist als Übergangsstation gedacht für Menschen, die vor der Wohnungsnot stehen und das Anrecht auf staatliche Wohnungsvermittlung haben. </p>



<p>Darauf setzt zumindest die Patchworkfamilie, welche aufgrund von Mieterhöhung ihre Bleibe zwangsräumen musste. Über die anderen Bewohner der Unterkunft erfahren sie, dass diese schon ein knappes Jahr auf die Vermittlung einer Wohnung warten. Die Inszenierung „Love“ schafft es mit ihrer realistischen Art ein Spiegelbild von den Berliner Mietverhältnissen zu schaffen. Auch in der deutschen Hauptstadt sind viele Menschen von Wohnungsnot bedroht. Hier leben Familien teilweise in beengten Wohngemeinschaften oder Wohnungen, weil sie sich keine angemessene Bleibe leisten können.</p>



<p>Einen starken Kontrast zu den hyperrealen Arbeiten der 20. FIND-Ausgabe (fern von alltäglichen Diskursen) bieten Angélica Liddells Werke „Liebestod“ und „the Scarlet Letter“. Die Regisseurin arbeitet hier wie gewohnt provokativ, konstruiert Extreme in Bild und Wort. Ihre Texte beziehen sich auf hochkarätige Literatur, wie Richard Wagners „Tristan und Isolde“oder Antonin Artaud „Theater der Grausamkeiten“. Die Performance „Liebestod“ ist eine Art von Hommage an den spanischen Stierkämpfer Juan Belmonte und bedient sich einer Blutmetapher aus dem Stierkampf. Für ihr performatives Blutritual tunkt sie beispielsweise Brot in ihr eigenes Blut und verspeist es oder schneidet sich mit einer Rasierklinge Hände und Füße auf. Liddell bleibt in ihren neuen Arbeiten definitiv ihrer artifiziellen Theaterkunst treu und gilt laut dem Dramaturgen Florian Borchmeyer als „bedeutendste Textperformerin der Welt“.</p>



<p>Das Festival läuft noch bis zum 10. Oktober 2021 und präsentiert viele weitere spannenden Arbeiten aus dem Bereich der Gegenwartsdramatik, wie „Outside“ vom russischen Regisseur Kirill Serebrennikov oder Thomas Ostermeiers Inszenierung mit dem französischen Schriftsteller Édouard Louis „Wer hat meinen Vater umgebracht?“(„Qui a tué mon père“). </p>



<p>Einige Arbeiten aus dem FIND Programm befinden sich bereits im Repertoire der Schaubühne und lassen sich nachträglich anschauen, wie die klimaneutrale Inszenierung von Mitchell oder die Arbeit von Ostermeier. Geplant ist auch ein Remake von Alexander Zeldins „The Inequalities“ mit dem Schaubühnen Ensemble.</p>



<p><strong>20. Ausgabe von FIND (Festival für Internationale Dramatik) – Schaubühne Lehniner Platz</strong></p>



<p><strong>Spieltermine: 29. September 2021 – 10. Oktober 2021, <br><a href="https://www.schaubuehne.de/">https://www.schaubuehne.de</a></strong></p>



<p>Foto: Richard Davenport (aus „salt.“, Selina Thompson)</p>
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		<title>Theater, ein rechtsfreier Raum?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2018 11:47:36 +0000</pubDate>
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<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i><u>Ein Kommentar:</u></i><i> </i> Performance &gt;&gt;<i>¿Qué haré yo con esta espada? </i><i>(Was werde ich mit diesem Schwert tun?)</i>&lt;&lt; von Angélica Liddell zu Gast auf dem FIND Festival 2018 an der Schaubühne am Lehniner Platz.</span></span></p>




<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">W</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">as ist bloß los auf den Brettern, </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">die die Welt bedeuten</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">? </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Im Gastspiel </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">&gt;&gt;</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>¿Qué haré yo con esta espada?</i></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">&lt;&lt; </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">kommt Regisseurin und Performerin </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Angélica Liddell </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">auf die Bühne und phantasiert genussvoll ihren Tod und beschreibt fanatisch, wie ihre Existenz durch eine Vergewaltigung an </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Sinn gewinnt</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Sie l</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">egt sich breitbeinig auf den Seziertisch und präsentiert minutenlang ihre Vagina. Dass die Künstlerin nach dem sexuellen Missbrauch gerne aufgegessen werden möchte, ist geschenkt. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Der erste Akt von der Triologie der Unendlichkeit befindet sich wahrhaftig in einer Tragödie des Fleisches und zwar ist es ein Trauerspiel für das weibliche Geschlecht, welches immer wieder </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">in unserer Gesellschaft </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">erniedrigt und gedemütigt wird. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Auf keinem Ort in dieser Welt besitzt das Individuum die Fähigkeit sich seines Verstandes zu bedienen, über sein</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">e</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> Handlungen zu reflektieren und die Frau als Mensch </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">mit Persönlichkeit </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">anzuerkennen. Oder wieso lässt die Regisseurin eine Reihe von jungen Mädchen auf die Bühne bringen, die sich ausziehen, herumspringen und </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">sich</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> bis zu einem Orgasmus drangsalieren müssen? </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Anscheinend verschenkt</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> das Individuum </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">für Ruhm </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">mehr von seiner Würde, als es </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">je zur Verfügung hatte</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">.</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> Als sei </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">es</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> nicht genug die Frau, die ja bekanntlich unter dem Mensch steht, zu </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">schänden</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">, </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">werden noch lebende Fische auf die Bühne gebracht. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Die Fische befinden sich in Aquarien aus denen ein Tänzer sich für sein Spiel Wasser herausnimmt. Das Tier wird </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">unnötig in Stress versetzt, </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">was </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> unter anderem auch das Tierschutzgesetz </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">verletzt</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">, welches auch für </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Theaterhäuser</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> gilt. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Weiter befinden sich mehrere Oktupusse auf der Bühne, mit denen die jungen Mädchen sich auspeitschen, das Tier auf den Kopf setzen und auf den Boden schmeißen, als sei es irgendein Gegenstand. Die nackten Mädchen reißen dem Tier die Tentakeln raus und werfen damit um sich. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> Wird d</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">as</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> unter neue Dramatik verstanden? </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Die </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">unreflektierte Widerspiegelung der </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Wirklichkeiten in ihrer ganzen Hässlichkeit, damit das Publikum belustigt wird. Müssen Frauen und Tiere sich nun auch auf der Bühne für theatrale Zwecke erniedrigen und missbrauchen lassen, wie Sklaven im Antiken Rom. Haben </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">s</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">ie auch hier kein Recht auf </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">ein</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> respektvolles Leben? Finden nicht schon genug Spiele zur Verblödung der Masse außerhalb von theatralen Räumen statt? Oder möchte die </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>Schaubühne Berlin</i></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">, wie </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>Die Zeit </i></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">etwas zum</span></span> <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>&gt;&gt;Bedrohten Mann&lt;&lt;*</i></span></span> <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">beitragen<i>?</i> </span></span></p>




<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Unabhängig von der Erniedrigung der Frau und von dem Tiermissbrauch, ist es für jedes Geschlecht, das ohne sein Einverständnis zu sexuellen Handlungen genötigt w</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">urde</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">, ein Schlag ins Gesicht, wenn auf einer renommierten Theaterbühne eine Performerin ihre Beine breit macht </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">und sich wünscht </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">vergewaltigt </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">zu</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> werden. Dass Liddell sich mit dem </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">kannibalistischen </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Mord von Issei Sagawa an seine Kommilitonin Ren</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">é</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">e </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Hartevelt beschäftigt, um verdrängte und irrationale Gewalt im Kannibalismus und Terrorismus aufzuspüren, ist </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">ja</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> interessant. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Doch es wäre auch ohne die Tötung von Tieren und Tiermissbrauch möglich gewesen.</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> Moderne Dramatik </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">wäre wesentlich schöner, wenn sie sich reflektiert und politisch zeigt. </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Schade, dass </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">es </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">bei</span></span> <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">&gt;&gt;</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>¿Qué haré yo con esta espada?</i></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>&lt;&lt;</i></span></span><i> </i><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">hinausläuft auf</span></span> <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><i>&gt;&gt;Die Essenz des Menschen ist die Leere&lt;&lt;</i></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">.</span></span></p>




<p align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><b>¿Qué haré yo con esta espada?</b></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">, </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Schaubühne Berlin, </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">7.4.2018</span></span> <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">um 19 Uhr, andere Veranstaltungen im Rahmen des FIND-Festival: <a href="https://www.schaubuehne.de/de/seiten/find-2017.html">https://www.schaubuehne.de/de/seiten/find-2017.html</a> ,</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> Karten unter: <a href="mailto:ticket@schaubuehne.de">ticket@schaubuehne.de</a> oder 030/89 00 23. </span></span></p>




<p align="justify">*) <span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Ein Widerwort von Simone Schmollack</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">:<i> <a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg">https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg</a></i></span></span></p>

]]&gt;		</p>
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		<title>Europas Schmutzwäsche in der Reinigung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 08:27:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[>>Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken<<]]></category>
		<category><![CDATA[Angélica Liddell]]></category>
		<category><![CDATA[F.I.N.D.]]></category>
		<category><![CDATA[Schaubühne Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[
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										<content:encoded><![CDATA[<p>				<![CDATA[

<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Die radikale Performancekünstlerin Angélica Liddell trifft mit &gt;&gt;Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken&lt;&lt; verschiedene Nerven von Europa und verlangt nach einem Humanismus, der gegen alles rebelliert, was den Menschen verletzt.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Momentan hat Europa viel dreckige Wäsche zu waschen. Deswegen ist es kaum verwunderlich, dass sich Europas dystopische Zukunft in einer chemischen Reinigung befindet, in der fünf unterschiedliche Existenzen auf einer Wiese des Unbewussten aufeinandertreffen, um ihre Schmutzwäsche bei dem Reinigungsangestellten Octavio (Ulrich Hoppe) zu reinigen. Bevor sich Octavio an der Wäsche vergeht, erschlägt er einen Hund, der bei so viel Blut aussieht, wie ein Mensch. Im lebenden Zustand, ist der Hund aber wesentlich mehr Wert als ein Mensch, versichert uns der Schauspieler Damir Avdic. Er muss wegen der &gt;&gt;scheiß Dreckschlampe von Regisseurin&lt;&lt; einen Hund spielen, weil ein Schauspieler günstiger ist als ein Hund. Um seinen Ärger Ausdruck zu verleihen, macht er erst mal einen Stuhl kaputt. Die weiteren Darsteller folgen ihm. Zerstören und aufräumen, wie im Kriegszustand. Und nun zu Rousseaus Gesellschaftsvertrag, mal schauen, was wir hier unterschrieben haben.</span></span></p>




<blockquote>


<p style="text-align: right;" align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">&gt;&gt;Die Erhaltung des Staates ist mit der Erhaltung des Feindes inkompatibel. Einer von beiden muss sterben.&lt;&lt; (Jean-Jacques Rousseau)</span></span></p>


</blockquote>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">In &gt;&gt;Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken&lt;&lt; beschreibt die Regisseurin und Autorin Liddell viele wunde Punkte Europas &#8211; der Text wurde vor 10 Jahren unter dem Einmarsch der USA in den Irak geschrieben-, wie beispielsweise Islamophobie, Lohndumping, die Zuspitzung des Kapitalismus und den vermeintlichen Untergang der Demokratie.
</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-896" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1.jpg" alt="1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893" width="1000" height="666" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1.jpg 1000w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-350x233.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-500x333.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-768x511.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-308x205.jpg 308w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-650x433.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2017/04/1490262296_k1600_toter_hund_ph-9893-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a><span style="font-family: Liberation Sans,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Iris Becher. Foto: Gianmarco Bresadola.</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">Dabei verwendet sie verschiedene ästhetische, literarische und philosophische Quellen, die den Abend sehr komplex, vielseitig und außergewöhnlich haben werden lassen. Vieles bleibt ungeklärt im Raum stehen, was aber nicht sonderlich schlimm ist, sondern zum erneuten Besuch einlädt. Besonderes schön ist eine direkte Bezugnahme zu Peter Handkes &gt;&gt;Publikumsbeschimpfung&lt;&lt;, in der Zuschauer mit vulgären Worten angegriffen werden, sodass einige an diesen Abend mit Widerworten den Saal verlassen. Auch das Bühnenbild hat abenteuerliche Elemente zu bieten, wie das Gemälde &gt;&gt;Die Schaukel&lt;&lt; von Jean-Honoré Fragonards, welches das freizügige Ende des <i>Ancien Régime</i> einläutet und Wegbereiter für die französische Revolution ist. Oder das Gemälde aus Blumen und die Schaukel, äquivalent zu Fragonards Gemälde. So aufregend und kurios der Abend war, etwas lang war er schon. </span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><b>&gt;&gt;Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken&lt;&lt;</b></span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;">| Schaubühne Berlin| Spieltermine: 12.4., 8.5., 9.5., 10.5.2017| Jeweils um 19.30 Uhr| Karten unter: </span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"><a href="mailto:ticket@schaubuehne.de">ticket@schaubuehne.de</a> oder</span></span><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> 030-890023</span></span></p>




<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> </span></span></p>

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