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	<title>Interviews &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<title>Interviews &#8211; FreiGeist-Magzine</title>
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	<item>
		<title>Neubrandenburger Band begeistert Fans mit neuer Single</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2022 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Neubrandenburger Band Dawnation rockt im Schauspielhaus ihre neue Single "Holes". Gleichzeitig wird ein neues Album angekündigt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h6 class="wp-block-heading">Die Neubrandenburger Band Dawnation rockt im Schauspielhaus ihre neue Single „Holes“. Gleichzeitig wird ein neues Album angekündigt. Hier könnt ihr den Song schon mal hören. </h6>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="520" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-1024x520.jpg" alt="" class="wp-image-3057" style="width:665px;height:338px" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-1024x520.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-500x254.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-350x178.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-768x390.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-360x183.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-1536x779.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-390x198.jpg 390w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-130x66.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation-650x330.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2023/04/Dawnnation.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Neubrandenburger „pOstpRock“-Band „Dawnation” feierte im Neubrandenburger Schauspielhaus ihre neue Single „Holes” und kündige ein neues Album für Ende des Jahres an. (Foto: Dawnation)</figcaption></figure>
</div>


<p></p>



<p>Fünf <a href="https://www.nordkurier.de/themen/studenten">Studenten aus Neubrandenburg</a> haben sich Ende 1997 für eine „pOstpRock”-Band zusammengefunden; heute treten sie nach einigen Wandlungen unter dem Namen „Dawnation“ auf. Vergangenen Freitag präsentierten die Neubrandenburger ihre neue Single „Holes“ inklusive neues Video im <a href="https://www.nordkurier.de/kultur-und-freizeit-neubrandenburg/viel-applaus-fuer-horrorkomoedie-im-schauspielhaus-2848362105">örtlichen Schauspielhaus</a>.</p>



<p></p>



<p><strong><em>FG: Bevor wir anfangen Dich mit Fragen zu löchern, müssen wir doch noch nachhaken, stammst Du aus Mecklenburg?</em></strong></p>



<p>Lustigerweise bin ich gar nicht von hier, sondern komme aus dem Emsland.</p>



<p></p>



<p><strong><em>FG: Worum geht es in Eurer neuen Single „Holes“?</em></strong></p>



<p>Ich habe den Text damals unter dem Eindruck der Pandemie, den Lockdowns und den Kontaktsperren geschrieben. Es geht um das Herauskommen aus einer Isolation und aus den – vielleicht auch selbstgewählten – „Löchern” zu kriechen. Das kann man natürlich auch im übertragenen Sinne sehen. Generell geht es, um ein sich über das Leben in all seinen Fassetten zu freuen und es zu genießen. Das wollten wir auch unserem Video zeigen: Jemand sucht in seiner Einsamkeit nach seinen Freunden, findet sie am Ende und rockt gemeinsam ab.</p>



<p></p>



<p><strong><em>FG: Was bedeutet der Name „Dawnation“?</em></strong></p>



<p>Christoph (Gitarre), Bert (Keyboard) und ich (Vocals) spielten von 1998 bis 2005 in einer Band namens „Glistening Dawn“. Es folgten zwölf Jahre Pause. 2017 konnten wir musikalisch mit Robert (Bass) und damals Clemens (Drums) neu starten und „Dawnation“ war der perfekte Name, der gleichzeitig unsere Wurzel als auch den neuen Anfang beschreibt.</p>



<p></p>



<p><strong><em>FG: Ihr bezeichnet Euer Genre als „pOstpRock“. Und Eure Band bezeichnet ihr als Artrock, ProgBand, welche Musik-Richtung schlagt ihr damit ein?</em></strong></p>



<p>Wir lieben Wortspiele und genau wie „Dawnation“ ist „pOstpRock“ so ein Wortspiel.<em> Post-Prog</em> war die Ursprungsidee und dann kam der Rest. Es ist eher augenzwinkernd gemeint, um eine eigene „Schublade“ zu (er)finden. Das „Ost“ ist uns insofern wichtig, um zu zeigen, dass auch anspruchsvolle Prog-Rockmusik im Osten gemacht wird.</p>



<p></p>



<p>Zur Frage, welche Musik-Richtung wir einschlagen – es gibt natürlich historische Vorbilder, wie Pink Floyd, Led Zeppelin oder Genesis. Und auch aktuelle Heroen, wie Steven Wilson, Spock’s Beard. Zudem kann der geneigte Hörer auch Elemente von Metal, Hardrock und Symphonic Rock entdecken. Gleichzeitig gehen die beiden Single-Auskopplungen ein klein wenig in Richtung Mainstream.</p>



<p></p>



<p><strong><em>FG: Was steht als Nächstes bei Euch an?</em></strong></p>



<p>Wir konzentrieren uns, aktuell auf die Fertigstellung des zweiten Albums, das gegen Ende des Jahres erscheinen wird. Die Songs „Fly“ (veröffentlicht im Sommer 2021) und „Holes“ sind zwei Single-Auskopplungen aus diesem Album.</p>



<p></p>



<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=5_yJqgydCfY" target="_blank" rel="noopener sponsored" title=""><strong>Hören Sie jetzt die neue Single „Holes</strong></a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=5_yJqgydCfY" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>“</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right"><a href="https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/neubrandenburger-band-begeistert-fans-mit-neuer-single-1129458" title=""><strong>Zuerst veröffentlicht am 10.06.2022 auf Nordkurier.de</strong></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Radikaler Humanismus im Schauspiel Dortmund mit dem Zentrum für Politische Schönheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2015 08:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[2099]]></category>
		<category><![CDATA[Bertolt Brecht]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Handke]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Ruch]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophen]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel Dortmund]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Dortmund]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Zentrum für politische Schönheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Zentrum für politische Schönheit mit dem Chefunterhändler Philipp Ruch lässt Philosophen aus dem Jahr 2099 anreisen. Können sie die Menschheit retten?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">„Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht nass, sagen viele. Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen. Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon Asche in unserem Mund sind!“, so Bertolt Brecht 1952 in „Das Gedächtnis der Menschheit“. </span></span></p>
</blockquote>
<h6 align="justify"></h6>
<figure id="attachment_535" aria-describedby="caption-attachment-535" style="width: 600px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-535" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-1024x684.jpg" alt="" width="600" height="401" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-1024x684.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-350x234.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-500x334.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-768x513.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-360x240.jpg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-1536x1025.jpg 1536w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-2048x1367.jpg 2048w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-307x205.jpg 307w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-130x87.jpg 130w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-650x434.jpg 650w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/10/78-79_zps-dortmund-2099_nick-jaussi-2015-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-535" class="wp-caption-text">Foto: Nick Jaussi | Ensemble</figcaption></figure>
<h6 class="wp-block-image size-large is-resized">Zurück in die Zukunft oder der Versuch, die Menschheit zu retten</h6>
<h6 style="text-align: left;" align="justify"></h6>
<p><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Gegen Ende des Jahres 2015, lässt das </span></span><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Zentrum für politische Schönheit mit dem Chefunterhändler Philipp Ruch in Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund Philosophen aus dem Jahr 2099 anreisen, um das politische Engagement der Menschen im 21. Jahrhundert zu erforschen. Das Anliegen der Philosophen ist es, die Geschichte des 21. Jahrhundert umzuschreiben. Das Schicksal der Menschheit soll korrigiert werden. Geschichte würfelt. Und es sind die Worte, die Rhetorik, die das Jahrhundert verändern werden, nicht die futuristischen Erfindungen. Das Publikum muss handeln, bevor es zu spät ist. Also: HUMANISMUS!</span></span></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;"> </span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<blockquote>
<p style="text-align: right;" align="justify">„<span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Jedes verdammte Mal hättest Du merken können: Die Menschheit ist nicht einfach nur da. Die Menschheit wird dir jeden Tag genommen. Du musst sie Tag für Tag verteidigen. Jeden Tag auf’s Neue – gegen die Schwerkraft.“ – </span></span><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Sebastian Kuschmann in „2099“</span></span><strong><em><span style="font-family: sans-serif;"><span style="font-size: small;"><br /></span></span></em></strong></p>
</blockquote>
<h6 align="justify">Philipp Ruch und das Zentrum für Politische Schönheit</h6>
<p><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Kurz vor der Premiere, total gestresst und zwischen Tür und Angel, habe ich den Aktionskünstler Philipp Ruch für ein kurzes Gespräch abfangen können. Gesprochen haben wir über den Anfang vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS), vergangene Aktionen und über seine zukünftige Inszenierung „2099“. </span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p><em><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><b>FG: Das ZPS gehört zu den innovativsten Inkubatoren politischer Aktionskunst und ihr versteht euch als eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Mit welcher Aktion habt ihr das ZPS eingeweiht?</b></span></span></em></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Ruch: Wir haben zu unserem Amtsantritt einen Anschlag auf den Deutschen Bundestag verübt – mit Thesen. Und da uns kein namhafter Autohersteller eine Dienstlimousine zur Verfügung stellen wollte, haben wir uns gedacht, wir brechen das mal etwas auf und sind auf Pferden angeritten. Leider war das Hauptportal nicht aus Holz. Luther hätte da heute seine Schwierigkeiten, 99 Thesen dranzuhämmern. Wir hatten aber auch nur 10.</span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p><em><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">FG: </span></span></strong><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">In eurer Aktion &#8222;die Toten kommen&#8220; habt ihr, um es mit euren Worten zu sagen: &#8222;Opfer der militärischen Abriegelung Europas im Herzen des Kontinents geehrt und beerdigt&#8220;. Diese künstlerische Aktion war ziemlich erfolgreich und hat viele Menschen in den unterschiedlichsten Ländern mobilisiert. Natürlich gab es auch Kritik, wie beispielsweise von Radek Krolczyk. Er schreibt in seinem Konkret-Artikel „Gespenstersonaten. Eine Kritik der Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit“, dass er eure Aktion „die Toten kommen“ nicht konkret genug fand. Sprich er fand, dass ihr die Geflüchteten als anonyme Masse habt verkommen lassen und genau wie die öffentliche Berichterstattung, die einzelnen Menschen nicht in den Fokus genommen habt. Findest Du die Äußerung gerechtfertigt?</span></span></strong></em></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Ruch: Nein. Arno Widmann schreibt zu unserer Aktion „die Toten kommen“ in seinem Berliner-Zeitungs-Artikel „So werden Flüchtlinge zu Menschen. Kommentar zum Zentrum für politische Schönheit.“: „Ab und zu sehen wir Menschen, die aus dem Mittelmeer aufgefischt werden. Die nächstens mit ihren Booten untergehen, sehen wir nicht. Aber das, was wir sehen, ist mehr, als was wir ertragen können. Menschen, die ihr Leben riskieren, um eines mitten unter uns führen zu können. Wir werden mit den Folgen dessen, was wir tun oder lassen, konfrontiert. Das ist das eine. Das andere ist: Die Aktion des Zentrums für Politische Schönheit verwandelt Leichenberge in zu Tode gebrachte Einzelne, sie verwandelt Flüchtlinge in Menschen. Und sie bestärkt uns in dem Gefühl, dass wir dabei sind, schlimmste Fehler zu begehen. Das Berliner Zentrum für politische Schönheit bringt uns, da die Lebenden es nicht geschafft haben, die Toten ins Land. Wir fragten nicht nach den Toten und was mit ihnen geschah. Das tun jetzt die Künstler.“ Unter anderem hatten wir das Problem, dass wir den Angehörigen Anonymität zusichern mussten. Wir mussten deren Partei mit vertreten. Aber wir haben das Schicksal der Getöteten umfassend geschildert.</span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i>FG: </i></span></span></strong><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i>Am 19. September 2015 findet mit „2099“ die erste Inszenierung des ZPS statt, wie kommt ihr von Aktionskunst ins konventionelle Stadttheater?</i></span></span></strong></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Ruch: Aus rein finanziellen Gründen, um den laufenden Betrieb halbwegs solvent zu halten.   </span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<blockquote>
<p align="justify">Natur würfelt nicht, aber die Geschichte würfelt. Der Humanismus des Publikums wird verlangt. – Philipp Ruch über „2099“</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i>FG: Worum geht es in „2099“?</i></span></span></strong></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Es geht um vier Philosophen, die vom Ende des 21. Jahrhunderts über eine Zeitreise auf die Theaterbühne des Schauspiels Dortmund kommen, nun den Zuschauern vom Beginn des 21. Jahrhunderts gegenüber stehen und sie mit ihrer (Un-)Tätigkeit konfrontieren. Dabei versuchen die Philosophen aus „2099“ die Geschichte des 21. Jahrhunderts umzuschreiben. Sie sind von der Überzeugung getragten: Natur würfelt nicht, aber die Geschichte würfelt. Der Humanismus des Publikums wird verlangt, damit das Schicksal korrigiert werden kann. </span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<p><strong><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i>FG: Eure Inszenierung &#8222;2099&#8220; lehnt sich an Peter Handkes &#8222;Publikumsbeschimpfung&#8220; an und beschreibt ein revolutionäres Sprechtheater, in dem die vierte Wand nicht nur weg ist, sondern zertrümmert wurde. Wieso war euch die Wende zum Sprechtheater wichtig?</i></span></span></strong></p>
<p align="justify"><span style="font-family: FreeMono, monospace;"><span style="font-size: small;">Wir halten sehr viel vom gesprochenen Wort und relativ wenig von dem ganzen Inszenierungsfirlefanz, der im Theater derzeit üblich ist. Rhetorik und die Kraft von Rhetoren ist das, was uns in „2099“ beschäftigt und fasziniert.</span></span></p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>
<p><strong><em><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">FG: Vielen Dank für das Gespräch und ganz viel Erfolg bei euren weiteren Aktionen!</span></span></em></strong></p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify"> </p>


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</div></figure>



<p>Die nächsten Spieltermine für „2099“| Schauspiel Dortmund| 28.10, 7.11., 13.11.2015 und 8.1. und 13.1.2016. Karten unter: 0231/ 50 27 222 oder unter <a href="http://www.theaterdo.de/">www.theaterdo.de</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Geld ist wie ein komischer Parasit“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2015 08:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[18.Internationale Schillertage]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymous P.]]></category>
		<category><![CDATA[Big Data]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Kondek]]></category>
		<category><![CDATA[Christiane Kühl]]></category>
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		<category><![CDATA[Mousonturm Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Videokünstler]]></category>
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					<description><![CDATA[FreiGeist hatte die Gelegenheit den Videokünstler Chris Kondek von der Installation „Anonymous P.“ zu treffen. Gequatscht haben wir über Big Data, das Geld und Selfies.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Trailer: Chris Kondek – „Anonymous P.“</figcaption></figure>


<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Wir leben in einem Zeitalter, in dem dir dein Handy mitteilt, wo du dich gerade befindest. <i>Amazon</i> dir dein Konsumverhalten vor Augen führt. <i>Google</i> dich über dein Denken aufklärt und <i>facebook</i> dir sagt, wer du bist. Wir sind gläsern geworden. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Überall transparent und nirgendwo unsichtbar.</span></span> – Die Künstler Chris Kondek und Christiane Kühl beschäftigen sich seit Jahren mit den Problemen von Big Data; der Datenkrake, die uns unsere Anonymität nimmt und an Konzerne, Unternehmen und Institutionen weiterreicht. In ihrer Performance „<span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;"><i>Anonymous P.</i>“</span></span>, die während des Impulse Theaterfestival 2015 zu sehen sein wird, haben sie das Thema von Big Data mythologisch aufgegriffen.</p>
<p>„<i>Anonymous P.</i>“, alias Prometheus macht sich in der Performance auf die Suche nach Daten. Er stiehlt sie den Mächtigen. Und schenkt den Menschen Dunkelheit, damit sie im Netz ihre Anonymität zurückerlangen.</p>
<p>Während der 18. Internationalen Schillertage in Mannheim hatte ich die Gelegenheit den Künstler Chris Kondek von der Installation „<i>Anonymous P.</i>“ zu treffen. Kondek produziert hauptsächlich Videos für bekannte Größen wie Falk Richter, Laurie Anderson, Angela Richter und Meg Stuart und arbeitet seit 2005 mit der Theatermacherin <a href="https://www.christianekuehl.de/" target="_blank" rel="noopener">Christiane Kühl</a> zusammen. Neben ihrer aktuellen Produktion „<i>Anonymous P.</i>“, die sich mit der Datenkrake „<i>Big Data</i>“ befasst, ist schon ihr neues Projekt „<i>Selfies</i>“ in Planung, welches 2017 in Frankfurt zu sehen sein wird.</p>
<p><em><strong>FG: Aber nun zu „Anonymous P.“. In der Performance erwacht die mythologische Figur Prometheus in einer Transparenzgesellschaft, mit Whistleblowern, oder wie die Regisseurin Angela Richter sie tituliert „Supernerds“. Wie kann sich die Antike Figur in so einer Welt zurechtfinden?</strong></em></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Chris: Prometheus hat das Feuer von den Göttern gestohlen, damit die Menschen durch das Licht freier und unabhängiger leben können. Die Götter wollten das natürlich nicht und haben versucht, das Feuer wiederzubekommen. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Auch Whistleblower stehlen den Mächtigen etwas, nämlich Daten, und verteilen sie unter die Menschen. Wie Prometheus werden sie verbannt. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Aber statt im Kaukasus, sitzen sie in Moskau oder in der ecuadorianischen Botschaft in London. Der neue Prometheus bringt den Menschen kein Licht, sondern Dunkelheit. Er ist <i>Anonymous P</i>., und mit der Dunkelheit erlaubt er den Menschen anonym zu sein.</span></span></p>
<p align="justify"><em><strong>FG: Ist Anonymität in einer Transparenzgesellschaft noch möglich?<br /></strong></em></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Anonymität ist heute mit viel Arbeit verbunden. Man kann versuchen seine Spuren zu verwischen, in dem man E-Mails beispielsweise verschlüsselt versendet. Aber ich denke, dass Anonymität keine reale Option mehr ist.</span></span></p>
<figure id="attachment_501" aria-describedby="caption-attachment-501" style="width: 626px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-501 size-full" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1.jpeg" alt="AnonymusP." width="626" height="352" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1.jpeg 626w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1-350x197.jpeg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1-500x281.jpeg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1-360x202.jpeg 360w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1-365x205.jpeg 365w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/anonymusp1-1-130x73.jpeg 130w" sizes="auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px" /></a><figcaption id="caption-attachment-501" class="wp-caption-text"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Foto: Nicolas Duc – „Anonymous P.“</span></span></figcaption></figure>
<p align="justify"><em><strong>FG: Bin ich der Datenkrake ausgeliefert?<br /></strong></em></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Wir können Big Data nicht mehr entgehen. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Das einzige, was wir vielleicht tun können, ist uns Strategien zu überlegen, in denen wir Big Data durch falsche Daten, wie fiktiv benannte Dateien verschmutzen. </span></span></p>
<p><em><strong>FG: Lass uns über Geld sprechen. In „Money – It came from outer space“ (2010) haben Christiane und du das Geld als gigantisch-lebenden Organismus entlarvt. Wie seid ihr darauf gekommen?<br /></strong></em></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Uns kam die Idee, dass Geld sich bewegt, als ob es ein lebendiger Organismus wäre. Eine Art von Kreatur. Wir haben uns gefragt: Welche Art von Kreatur kann Geld sein?</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Unsere Recherchen haben uns zu Sci-Fiction-Filmen geführt, sodass wir die Metapher des Aliens geschaffen haben. In dieser Phase sind wir auch auf den Essay „<i>Imagination of Disaster“</i> von Susan Sontag gestoßen. Hier behauptet Sontag, dass Sci-Fiction-Filme nie Prognosen über die Zukunft treffen, sondern sich mit den Ängsten der Gegenwart befassen. In den 50iger Jahren war es beispielsweise der Atomkrieg und heute ist es das Geld.</span></span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Geld ist ein Alien. – Chris Kondek</span></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;"><i><b>FG: Geld ist ein Alien? </b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Speziell 2009 und 2010 schien es, als habe Geld ein Eigenleben entwickelt, das sich nicht mehr kontrollieren lässt. Kein Ökonom, wusste, wieso die Weltfinanzkrise passiert ist und keiner konnte erklären, wer davon betroffen ist und wer nicht. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">In unserer Recherchephase haben wir uns gefragt, was ein Alien ausmacht. Wir kamen zu dem Schluss, dass es versucht, immer mehr Gebiete einzunehmen, um größer und stärker zu werden. Außerdem versucht ein Alien sich in einen Körper einzunisten, damit dieser Körper ihm Untertan ist. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Geld ist wie ein komischer Parasit, der dich infiziert, damit du schließlich für ihn arbeitest. Unsere Inszenierung „Money – It came from outer space“ war ein Experiment, das sich aus Interviews mit Ökonomen und Alien-Filmen zusammensetzt. Wir wollten damit eine neue Art und Weise schaffen über Geld zu sprechen, in der man sich nicht am Sprachgebrauch von Politikern oder Ökonomen bedient. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Wenn man die Sprache von Ökonomen benutzt, spricht man, wie das System es möchte. Das Sprachproblem wird momentan vor allem bei Griechenland deutlich, in dem die griechische Bevölkerung keine Stimme bekommt.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;"><i><b>FG: Wie würdest du die Situation von Griechenland beschreiben?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Da der IMF (<em>International Monetary Fund)</em>, Europa und Amerika alle dieselbe Meinung verbreiten, lässt es sich schwer einschätzen, was in Griechenland wirklich vor sich geht.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Immer wieder wird nur gesagt, dass Griechenland Kompromisse eingehen muss und die Griechen nicht kompromissbereit sind; als ob die Menschen dort verrückt wären. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Das treibt die Diskussion nicht voran und beweist, dass die Banken die zentralen Entscheidungsträger sind. Weil immer mehr Geld ins System gesteckt wird, um Banken zu stützen, die schließlich das Geld verwalten. Trillionen von Dollar werden ins Bankensystem gesteckt, damit der Markt wächst. Somit wird der Finanzmarkt zum grundlegenden Entscheidungsträger.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;"><i><b>FG: An welchen aktuellen Projekten arbeitet ihr?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Christiane und ich arbeiten momentan an „Selfies“ und „Du und das Dokument“.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">In „Selfies“ möchten wir herausstellen, dass ein Selfie neben seiner Bildseite einen digitalen Code besitzt, der Metadaten in sich trägt. Wir möchten gerne in einer Installation oder Performance den Zuschauern das strukturelle Gesicht der Selfies zeigen. Das Projekt wird voraussichtlich 2017 zu sehen sein. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">Unser zweites Projekt „Du und das Dokument“ setzt sich mit Identifikation auseinander und der Frage: Was muss man tun, um zu beweisen, wer man ist? Es thematisiert Dokumente und ID-Karten als Überwachungs-Hilfsmittel, fragt nach der Geschichte von Identifikation und was mit Menschen passiert, die keine Papiere oder ID-Karten besitzen.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Avenir;"><span style="font-size: medium;">In Indien haben wir uns mit einem Mann unterhalten, der uns von neuem indischen Identifikationssystem mit biometrischen Pässen erzählt hat. Er sagte: „Seid es diese neuen ID-Karten gibt, haben wir eine Existenz.“ Die Performance wird im Frühling kommenden Jahres im Frankfurter Mousonturm zu sehen sein.</span></span></p>
<p class="western" align="justify"><span style="font-family: Ubuntu;"><span style="font-size: small;"> </span></span></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Männer spielen Theater und Frauen zeigen ihre Brüste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2015 08:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Adelheid Müther]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Gesewsky]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Burgfestspiele Bad Vilbel]]></category>
		<category><![CDATA[Die Päpstin]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Busch]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Studies]]></category>
		<category><![CDATA[Rene Pollesch]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielerin]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielrei]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch heute existiert die Frau neben dem Mann und wird selten als selbständiges Subjekt mit eigenständiger Identität wahrgenommen. Um zu erfahren, wie das patriarchale System sich in der Schauspielerei ausdrückt, hat sich das FreiGeist-Magzine mich mit der Schauspielerin Anna Gesewesky getroffen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Noch heute existiert die Frau neben dem Mann und wird selten als selbständiges Subjekt mit eigenständiger Identität wahrgenommen. Das patriarchale System sitzt tief in den Köpfen der Menschen und lässt nur schwer mehrere Geschlechter und andere Sexualitäten zu. Selbst in der Schauspielerei, einer Branche in der Wandlungen das täglich Brot sind, lassen sich Benachteiligungen feststellen. Die Frau wird weiterhin unterdrückt. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Um zu erfahren, wie das patriarchale System sich in der Schauspielerei ausdrückt, hat sich das FreiGeist-Magzine mich mit der Schauspielerin Anna Gesewesky getroffen, die bis 2012 ein Schauspielstudium an der Ernst Busch genoss und nun bei den Burgfestspielen Bad Vilbel 2015 die Hauptrolle in der Inszenierung „Die Päpstin“ spielt. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: Adelle Sans Devanagari, sans-serif;"><span style="font-size: small;">In einem Café haben wir über Schauspielkunst und die Rolle der Frau in der männerdominierten Theaterlandschaft gesprochen.</span></span></p>
<p><figure id="attachment_486" aria-describedby="caption-attachment-486" style="width: 349px" class="wp-caption alignright"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-486" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1.jpg?w=200" alt="Anna Gesewsky (Foto: Joachim Gern) http://theaterkontakte.de/profil/anna_gesewsky" width="349" height="524" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1.jpg 2912w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-300x450.jpg 300w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-768x1152.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-683x1024.jpg 683w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-167x250.jpg 167w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-1024x1536.jpg 1024w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-1365x2048.jpg 1365w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-137x205.jpg 137w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-60x90.jpg 60w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/07/2015_gesewskyanna_foto_joachim-gern-1-413x620.jpg 413w" sizes="auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px" /></a><figcaption id="caption-attachment-486" class="wp-caption-text">Foto: Joachim Gern | Anna Gesewsky </p>
<p></figcaption></figure></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i><b>FG: Was interessiert Dich an der Schauspielerei?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Mein Interesse an der Schauspielerei kommt aus der Lust an Stimme, Bewegung und Inhalt. Damit meine ich Geschichten, die ich gern erzählen möchte oder Texte, bei denen ich finde, dass sie an die Öffentlichkeit gehören. Gemeinsam in einer Gruppe zusammen kommen, um etwas zu erzählen – das hat mich immer am Schauspiel im Theater gereizt.</span></span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY">Wir müssen kein Publikum bedienen, wir sind hier für uns. – Anna Gesewsky</p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i><b>FG: Welche Inszenierungen haben Dich am meisten geprägt?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Sehr geprägt hat mich die BAT Inszenierung von William Shakespeares „Troilus und Cressida“, in der ich eine Doppelrolle spielen durfte. Ich verkörperte den griechischen Krieger Ajax und die schöne Helena. Manchmal sogar in einer Szene. Von einer Sekunde zur nächsten musste ich vom kämpferischen Krieger in die schöne Helena wechseln, die das Publikum in eine dreckige Szenerie verführt hat. Das schnelle Umspringen von einer Rolle zur anderen habe ich sehr geliebt. Weiter hat mich die Zusammenarbeit mit Renè Pollesch für die Inszenierung „I&#8217;m stalking myself to death“ geprägt. Wir haben uns viel über den Inhalt verständigt und diskutiert, was wir über unsere Gesellschaft und unsere Zeit denken. Während dieser Zusammenarbeit habe ich zwei bedeutende Theaterelemente schätzen gelernt: Wir treffen uns hier für uns und wir müssen kein Publikum bedienen.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><em><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><b>FG: Wie erlebst Du die männerdominierte Theaterlandschaft?</b></span></span></em></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Im Theater gibt es weniger Frauenrollen als Männerrollen; was mich ärgert. Neu geschriebene Stücke ändern dies nicht unbedingt; auch wenn es tendenziell besser wird. Einige Regisseure reflektieren auch nicht wirklich über Frauenrollen und finden durch inhaltliche Diskussionen kaum Zugang. Warum muss Helene aus Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ weggehen und weinen, wenn es zu einem Konflikt kommt? Wieso kann sie sich nicht dieser Situation stellen? Das ist doch viel spannender. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><em><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><b>FG: Werden Stereotype von weiblichen und männlichen Geschlecht auf der Bühne beibehalten?</b></span></span></em></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Ich habe den Eindruck, dass in vielen Theaterstücken eine Vorstellung davon dominiert, wie Frauen und Männer zu sein haben und ich spiele nicht gern Klischees von Frau- und Mann-Sein, das ist mir einfach zu platt. Es sei denn, es ist eine kluge und kontroverse Tragikomödie. Aber generell will ich keinen Menschen auf sein Geschlecht reduzieren.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i><b>FG: Also sind Frauen in der Schauspielerei benachteiligt?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Ja, auf jeden Fall. Die typischen Machtmechanismen, die Frauen auf der Bühne klein machen, sind weitgehend präsent. Männer haben in der Regel viel mehr Text und deshalb auch eine größere Bandbreite an Spielmöglichkeiten. Es geht nicht, dass bei vielen Produktionen der Textanteil der weiblichen Figuren oft gering ist. Und wenn ich die Rolle füllen möchte, muss ich mir irgendetwas ausdenken. Auch wenn es viele spannende stumme Rollen gibt, sind viele Männer ganz klar im Textvorteil. Warum kann ich nicht den Robespierre oder Danton in Georg Büchners „Dantons Tod“ spielen? Einmal meinte auch ein Regisseur zu mir: „Du bist eh spannend; es reicht, wenn Du auf der Bühne anwesend bist.“ Hallo? Ich bin Schauspielerin. Schauspiel kommt von Acting, das heißt mehr als stumme Projektionsfläche zu sein. </span></span></p>
<h6 align="JUSTIFY">Frauen kriegen in der Regel weniger Gage</h6>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Natürlich gibt es auch in diesem Beruf eine Differenz im Lohn. Frauen kriegen in der Regel einfach weniger Gage. Also weniger Geld, weniger Text und weniger Rollen. Manchmal weniger spannende Rollen und weniger feste Stellen. Ich sehe mich aber nicht immer als sozialisierte Frau, sondern als das, was ich bin.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><i><b>FG: Momentan spielst Du bei den Burgfestspielen Bad Vilbel in Adelheid Müthers Inszenierung „Die Päpstin“ die Hauptrolle der Päpstin Johanna, die aufgrund ihres Wissensdrangs ihr Geschlecht leugnen muss. Verbindet Dich etwas mit Johanna?</b></i></span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-family: FreeSans, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Was mich auf jeden Fall mit Johanna verbindet, ist ihre Kämpfernatur. Ich bin auch eine Kämpferin. Außerdem schätze ich an Johanna, dass sie immer ihren Weg geht.</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Kein Vergeben, kein Vergessen!“ – Ein chorisches WIR</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2015 20:38:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Freytag]]></category>
		<category><![CDATA[Chor]]></category>
		<category><![CDATA[Elfriede Jelinek]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Heinz Stockhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Komponist]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Polscher]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Regieduo]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Lösch]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
		<category><![CDATA[Wolken.Heim.]]></category>
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					<description><![CDATA[Erstmalig inszenieren Mark Polscher und Bernd Freytag gemeinsam am Schauspiel Essen Elfriede Jelineks Heimatmonolog „Wolken.Heim.“ und gehen der Ausgeburt des Nationalismus auf die Spur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der renommierte Musiker, Komponist und Performer Mark Polscher, der u.a. bei dem bedeutenden Komponisten Karlheinz Stockhausen studierte, und der Autor, Regisseur und Chorleiter Bernd Freytag, bekannt vor allem durch die Aufsehen erregenden Chöre, die er für Inszenierungen von Volker Lösch erarbeitete, inszenieren erstmalig gemeinsam als Regisseure am Schauspiel Essen Elfriede Jelineks Identitäts- und Heimatmonolog „Wolken.Heim.“</p>



<h6 class="wp-block-heading">Die Ausgeburt des Nationalismus – Regisseure Polscher und Freytag inszenieren Jelineks Heimatmonolog</h6>



<p>Der Heimatmonolog thematisiert ohne jegliche Figuration und in hoch artifizieller Versprosa die Geburt des Nationalismus ausgehend von Dichtern und Denkern des 18. Jahrhunderts, bis er schließlich in den Nationalsozialismus mündet und die noch verbliebenen Spuren des Faschismus im gegenwärtigen heimischen Boden ausgräbt. Es ruht im Boden, es wächst in den Wäldern – das chorische WIR von Jelinek geht im deutschen Wald spazieren und trifft dort auf dekonstruierte Fragmente aus Texten von Fichte, Hölderlin, Heidegger, Hegel, Kleist und Briefen der RAF-Gefangenen.</p>



<p>Jelineks postdramatischer Text verweigert sich jeglicher Theaterkonventionen und ist somit für jeden Regisseur eine Herausforderung, aber zugleich ein offenes Meer. <strong>FreiGeist</strong> hat sich mit den wahnwitzigen Regisseuren, die sich dieser Herausforderung stellen, getroffen, um mehr über ihre Zusammenarbeit und ihre Inszenierung zu erfahren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="681" height="1024" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-681x1024.jpg" alt="Foto: Martin Kaufhold | Ensemble" class="wp-image-387" style="aspect-ratio:1;object-fit:cover" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-681x1024.jpg 681w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-200x300.jpg 200w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-299x450.jpg 299w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-768x1154.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-166x250.jpg 166w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-1022x1536.jpg 1022w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-136x205.jpg 136w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-60x90.jpg 60w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1-413x620.jpg 413w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2015/03/7675_9247_03_wolken-heim-_kaufhold_martin_ama_257-1.jpg 1155w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Martin Kaufhold | Ensemble</figcaption></figure>
</div>

<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Mark Polscher und Bernd Freytag als Regieduo, eine ungewöhnliche Kombination, vor allem da Ihr beide keine „klassischen“ Stadttheater-Regisseure seid. Wie habt Ihr zusammengefunden und woher kam der Gedanke gemeinsam zu arbeiten?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark:</b> Kennengelernt haben wir uns 2001 bei Theaterarbeiten am Landestheater Linz. Seit diesem Zeitpunkt haben wir in verschiedenen Produktionen zusammengearbeitet, bei denen Bernd für den Chor verantwortlich war und ich für die Musik. Wir hatten uns etwas aus den Augen verloren, bis wir uns schließlich 2013 am Schauspiel Essen wieder getroffen haben. Zu dieser Zeit komponierte ich die Musik für Thomas Krupas Inszenierung „Skin Deep Song“ und Bernd arbeitete mit einem Arbeitslosen-Chor für Volker Löschs Inszenierung „Rote Erde“. Da wir auf einmal wieder vor Ort zusammen waren, jeder bei einer anderen Produktion, haben wir uns gesagt: Ok, jetzt wäre es an der Zeit, dass wir etwas zusammen inszenieren. Wir wollten gerne unsere Ideen, die wir in vielen Jahren gesammelt haben, in einem gemeinsamen Team umsetzen und schauen, wie ein von uns konzipiertes Theater aussehen könnte.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Und wie kommt es, dass Ihr Elfriede Jelineks „Wolken.Heim.“ in Szene setzt?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark: </b>Das Schauspiel Essen hat uns verschiedene Texte vorgeschlagen, darunter war auch „Wolken.Heim.“.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Bernd: </b>Bei „Wolken.Heim.“ haben wir sofort gesagt, das machen wir! Das Stück vereint alle unsere künstlerischen Interessen, beziehungsweise alles, was wir bisher gemacht haben.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark:</b> Außerdem hatte „Wolken.Heim.“ für uns von allen vorgeschlagenen Stücken die schönste und komplexeste Sprache. Aber auch das Thema „das deutsche Wesen“, sprich woher kommt Nationalismus, hat uns neben der Polyphonie des Textes interessiert.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Dann frage ich Euch mal direkt im Anschluss, worum geht es für Euch in „Wolken.Heim“?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Bernd: </b>Es handelt sich um einen Chormonolog, um einen Chor, der aus der Geschichte auftaucht und probiert sein Auftauchen zu legitimieren. Es ist ein Totenchor, was natürlich paradox ist, weil ein Chor von Toten nirgendwo auftauchen kann. Was macht ein Chor oder ein Sprecher, der auftauchen muss und nicht auftauchen kann oder wenn er auftauchen muss in etwas, das vor ihm oder in ihm liegt und das in eine Katastrophe führen kann? Weiter hat der Chor mit Nationenbildung zu tun, die Jelinek selber kritisch beäugt und unsere Textfassung, die in 21 Blöcken unterteilt ist, probiert mit diesen Phänomenen und Paradoxien umzugehen.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Jelineks Werke sind im Allgemeinen als schwer umsetzbar bekannt, weil sie sehr sperrig sind, aus Textflächen bestehen und sich deswegen von klassischen Theatertexten unterscheiden. Deshalb ist es für jeden Regisseur eine Herausforderung, mit ihren Texten zu arbeiten. Wie habt ihr den Text für Euch bühnenfähig gemacht?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Bernd</b>: Da „Wolken.Heim.“ keine klassischen Dramatis Personae besitzt, haben wir Jelineks synthetisches Verfahren umgekehrt, in dem wir den Text einer Analyse unterzogen haben, um ihn aufzuschließen. Die verschiedenen Stimmen beziehungsweise verschiedenen Autoren, die Jelinek in „Wolken.Heim.“ verarbeitet, haben wir uns angeguckt und haben uns dann Übergänge und Zuordnungen überlegt, das heißt welche Stimme, was sprechen könnte.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark: </b>Wir sind bei der Erstellung unserer Fassung von einer Partitur ausgegangen. Wir sprechen im Konkreten von einer „Partitur“, um die Polyphonie und die Komplexität des Textes ausdrücken zu können. Beispielsweise haben wir ganz bewusst darauf geachtet, dass wir eine Besetzung aus verschiedenen Stimmen konzipieren. Sprich wir haben einen Chor von 12 Stimmen, der sich innerhalb des Stücks noch mal in Frauen- und Männer-Chor unterteilt, sowie in halbe Frauen- und halbe Männer-Chöre. Dann haben wir noch 4 Schauspieler*innen, die jeweils eine Solostimme und einen Schauspielerchor bilden. Natürlich nehmen wir noch mal alle 16 Stimmen zusammen. Im Grunde greifen wir mit unserer Besetzung alle Kombinationen auf, um klangliche Ebenen zu erstellen, die miteinander kommunizieren. Diese unterschiedlichen Schichten von der Solostimme bis zur großen Figur Chor entwerfen eine neue Art von klanglicher Dynamik, die sich im Raum verteilt.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Würdet ihr Eure Inszenierung als Klangwerk oder als Schauspiel bezeichnen?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark: </b>Es soll erlebbares Theater sein! Uns geht es um die Struktur und die Frage, wie können wir diese Textflächen von Jelinek theatralisch sinnvoll aufteilen, damit es eine Form ergibt, die man erleben kann. Dafür eignet sich unser Chor hervorragend, weil wir alle Geräusche, Klänge – damit meine ich nicht nur Sprache – von der Bühne selbst erzeugen können, sodass wir eine Musikalisierung erleben, die den Text erfahrbar macht.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Bernd</b>: Manchmal haben wir fast nur reinen Klang auf der Bühne, der mit der Sprache von Jelinek korreliert. Sie behauptet, dass Sprache wie eine Druckkammer eine enorme Kraft erzeugt, mit der es sich lohnt zu arbeiten. Unser Chor vergegenwärtigt dies, indem er in sich sinkt, trommelt, stampft, verzweifelt, nicht aus sich heraus kommen kann und dennoch singen muss.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark: </b>Die erste Möglichkeit, mich dem Text anzunähern, war Klang. So konnte ich eine erste Verbindung zum Text und seiner Konstruktion herstellen. Es ist sicher hilfreich zu wissen, dass Jelinek selbst eine starke Verbundenheit zur Musik hat und deswegen bestimmt auch musikalisch arbeitet. Mit einer klanglichen Annäherung konnten wir den Text in seiner Musikalität nehmen, ohne sofort die Sinnzusammenhänge zu prüfen.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Jelinek beschreibt in „Wolken.Heim.“ ein kollektives WIR; dadurch möchte sie ein Nationalgefühl repräsentieren und den Ausschluss des Anderen offenlegen. Wie setzt ihr das theatralisch um?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark:</b> Ganz simpel. Du hast einen Chor von 12 Leuten und einer steht außerhalb des Chors. Der Chor spricht zusammen, erzeugt Klang oder vollzieht simultane Bewegungen und einer nicht. Dies sagt schon einiges aus. Über einen Chor wird das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft am besten darstellbar und der Chor kann dadurch seine politische Funktion offenbaren.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Die aktuellen politischen Ereignisse, damit meine ich vor allem die Pegida-Aufmärsche in Dresden, deuten darauf hin, dass Nationalismus und Rassismus weiterhin sehr stark in unserer Gesellschaft verankert sind. Nimmt Eure Inszenierung Bezug zu aktuellen politischen Ereignissen?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Mark:</b> Ja, das tut sie. Die Dresdener Ereignisse haben uns insofern inspiriert, als dass wir konkrete Anhaltspunkte hatten, um „Wolken.Heim.“ alltagstauglich zu machen. Das „deutsche Wesen“, welches Jelinek im Text beschreibt, konnten wir nun an gegenwärtigen und konkreten Phänomenen überprüfen. Dennoch ist „Wolken.Heim.“ in unserer Inszenierung sicherlich kein Pegida-Stück, weil es darüber hinausgeht.</p>
<p align="JUSTIFY"><b>Bernd:</b> Das Problem mit der Aktualität ist, dass die Frage nach der eigentlichen Ursache nicht geklärt wird. Also ist die Oberfläche, die Ursache? Oder liegt die Ursache tiefer? Gibt es etwas, was Wirkung hat und von einer anderen Zeit herkommt? Dabei stellt sich auch die Frage, wo Theater stattfindet. Theater im Sinne von Ereignis, Veranstaltung, Text und Interpretation, welches versucht die Gegenwart zu bearbeiten und dabei meist aus der Vergangenheit kommt.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: Was erwartet mich bei Eurer Inszenierung von „Wolken.Heim.“ am Schauspiel Essen?</b></em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Im Chor:</b> Überforderung, Ernsthaftigkeit und Groteske!</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>Ich bedanke mich für das interessante Interview und wünsche Euch ein großes: TOI TOI TOI!</b></em></p>


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<p>„<strong>Wolken.Heim“</strong>| Schauspiel Essen| 12.3., 19.3., 1.4. 2015| jeweils 19 Uhr| Karten unter: <a href="mailto:tickets@theater-essen.de">tickets@theater-essen.de</a> oder 0201-81 22-200</p>
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		<title>COUCHSURFING IM AUSNAHMEZUSTAND</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SabineSchmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2014 19:35:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Catherine Umbdenstock]]></category>
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		<category><![CDATA[Tragikomödie]]></category>
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					<description><![CDATA[Regisseurin Catherine Umbdenstock inszeniert am Schlosstheater Moers Falk Richters Werk "Im Ausnahmezustand" und fragt, welchen Preis hat unsere Sicherheit?]]></description>
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<p style="text-align: right;" align="JUSTIFY"]]&gt;<a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-350 alignleft" src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1.jpg?w=300" alt="catherine-umbdenstock-640x480" width="635" height="476" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1.jpg 640w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-350x263.jpg 350w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-500x375.jpg 500w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-333x250.jpg 333w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-273x205.jpg 273w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-120x90.jpg 120w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/catherine-umbdenstock-640x480-1-600x450.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 635px) 100vw, 635px" /></a>„<i>Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird am Ende beides verlieren.“</i> (Benjamin Franklin) – unter dem Spannungsverhältnis Freiheit und Sicherheit läuft das derzeitige Spielzeitmotto „man trifft sich“ im Schlosstheater Moers. Dafür hat das Schlosstheater die junge elsässische Regisseurin Catherine Umbdenstock, die an der Ernst Busch studiert hat und momentan Hausregisseurin am &#8222;Theatre de la Commune von Aubervillers&#8220; in Paris ist, in die Moerser Kappelle eingeladen, um Falk Richters „Im Ausnahmezustand“ zu inszenieren. Das FreiGeist-Magzine hat sich nach einem Probenbesuch mit der deutsch-französischen Regisseurin zu einem netten Plausch getroffen.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Im Schlosstheater Moers – ein netter Plausch mit Catherine Umbdenstock</h6>
<p align="JUSTIFY"><em><strong>FreiGeist-Magzine:</strong> Hallo Catherine, Du bist momentan Gastregisseurin am Schlosstheater Moers und inszenierst hier das Stück &#8222;Im Ausnahmezustand&#8220; von Falk Richter. Worum geht es in diesem Stück?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine Umdenstock: </b>Deine Frage finde ich ganz schön, weil es „im Ausnahmezustand“ ein Replik gibt: „Worum geht es in dem Stück?“, das fragt der Mann seine Frau, die in einer Laientheaterspielgruppe spielt. Und die Frau antwortet: „es geht um eine Frau, die die Wahrheit sagt und die immer Recht hat.“ Für mich ist es eine Frage der Perspektive, wenn ich für den Mann antworten würde, würde ich anders als für die Frau oder für den Jungen antworten. Durch diese Figurenkonstellation lässt sich schon erkennen, dass es sich um eine Familie handelt.</p>
<p align="JUSTIFY">Es ist eine Familie, die in einer „Gated Community“ wohnt und die nach permanenter Sicherheit sucht und sich diese bis zum äußersten wünscht. Die äußerlich gegebene Sicherheit lässt aber dafür die innere Sicherheit der Familie bröckeln, sodass die Beziehungen zwischen den Mann und seiner Frau, sowie zwischen den Eltern und ihrem Sohn immer wieder infrage gestellt werden, beziehungsweise sich immer wieder erneut beweisen müssen.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Welchen Preis sind wir bereit für unsere Sicherheit zu zahlen?</h6>
<p align="JUSTIFY">Schlichtweg gesagt, handelt das Stück von Familie und Liebe. Der Autor Falk Richter thematisiert immer wieder in seinen Werken Beziehungsproblematiken, in denen Mensch, moderne Welt und Beziehung in Konflikt stehen. Auch Zugehörigkeit und die Frage „wie soll mein Partner sein?“ sind große Anliegen des Autors. „Im Ausnahmezustand“ liegt der Fokus auf der Familie und ihr Sicherheitsstreben.</p>
<p align="JUSTIFY"></p>
<p align="JUSTIFY"><em><strong>FG:</strong> Und was interessiert Dich besonders an diesem zeitgenössischen Drama?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine:</b> „Im Ausnahmezustand“ hat einen sehr psychologischen Charakter, bietet einen außergewöhnlichen Raum für Sci-Fiction, wie die „Gated Community“ und öffnet damit eine weitere Ebene. Man befindet sich somit nicht nur, wie bei Tschechow in einer sehr psychologischen Beziehung mit dem Menschen, sondern es stellen sich auch Fragen, was ist dieses Draußen? Was bedeuten die Überwachungskameras? Was beschreibt die Firma? Diese Fragen stellen eine Herausforderung dar, weil man gucken muss, wie man mit den Sci-Fiction Elementen umgeht.</p>
<figure id="attachment_349" aria-describedby="caption-attachment-349" style="width: 511px" class="wp-caption alignright"><a href="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-349 " src="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-853x1024.jpg" alt="Foto: Jakob Studnar| Patrick Dollas" width="511" height="613" srcset="https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-853x1024.jpg 853w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-250x300.jpg 250w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-375x450.jpg 375w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-768x922.jpg 768w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-208x250.jpg 208w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-1280x1536.jpg 1280w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-1707x2048.jpg 1707w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-171x205.jpg 171w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-75x90.jpg 75w, https://freigeist-magzine.de/wp-content/uploads/2014/11/0007_stm_mail_20141103__s2_4383-1-517x620.jpg 517w" sizes="auto, (max-width: 511px) 100vw, 511px" /></a><figcaption id="caption-attachment-349" class="wp-caption-text">Foto: Jakob Studnar| Patrick Dollas</figcaption></figure>
<p align="JUSTIFY"><em><strong>FG:</strong> Mir ist bei den Proben aufgefallen, dass Du viel mit diesen Ebenen spielst?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine: </b>Ganz<b> </b>genau. Nur Psychologie, kann ich glaube ich nicht (lacht); weil ich ein Theatermensch bin und ich gerne viele verschiedene Elemente und Momente in meinen Inszenierungen mit einbringe. Ich breche auch gerne die Wand zwischen den Zuschauern und den Schauspielern auf. Das versuche ich auch gerade mit den Schauspielern „Im Ausnahmezustand“. Das Stück hat drei starke Figuren, die sich in einer Not befinden, auch in einer psychologischen und ich versuche immer wieder Momente zu finden, in denen das Publikum in die Probleme oder ins Familiendrama miteinbezogen werden kann, sodass die Zuschauer keine passive Zuschauer sind.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Umdenstock fängt mit psychologischen Methoden einen umfassenden Charakter ein</h6>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG</b>: Ich finde, dass Du dabei eine sehr psychologische Herangehensweise pflegst und dadurch versuchst einen umfassenden Blick vom Charakter der Figur zu bekommen, dafür arbeitest Du auch sehr viel mit den Improvisationen der Schauspieler*innen. Diese Spielweise erinnert mich an Falk Richter. Versuchst Du seine Spielweise in die Inszenierung miteinfließen zu lassen, um einen hohen Grad an Authentizität zu erzielen? Oder aus welchen Einflüssen setzt sich Deine Spielweise zusammen, beziehungsweise wie würdest Du Deine Vorgehensweise beschreiben?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine: </b>Ich glaube, dass ich noch nicht den Punkt erlangt habe, wo ich sagen kann, dass ich eine bestimmte Spielweise habe, dafür muss ich mich noch mehr ausprobieren. Was ich aber sehr wichtig finde ist, dass jeder Text eine andere Spielvorlage bietet. Beispielsweise verlangt Molière eine andere Spielweise als Richter. Aber ich würde auch nicht sagen, dass ich total autorengetreu inszeniere. Es ist wichtig den Text zu verstehen, also das Kernthema, worum handelt es? Und dann stellt sich schon unmittelbar, die Frage, nach dem WIE, die für die praktische Umsetzung verantwortlich ist.</p>
<p align="JUSTIFY">Deshalb glaube ich, dass jeder Text seine eigene Spielweise hat. Und für Falk Richter spielen das Psychologische und das Authentische tatsächlich eine wichtige Rolle. Was mich aber von ihm unterscheidet, ist, dass er die Figuren nicht wirklich baut, sondern es eher Textflächen sind. Beispielsweise heißen die Figuren meist, wie die Schauspieler und bei seinen Inszenierungen, die ich gesehen habe, verschmelzen Performer und Schauspieler und werden somit zu einer Figur. Und das ist eine Richtung, die mich momentan weniger interessiert, weil ich gerne mit den Schauspielern zusammen Figuren entwickeln möchte.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Schauspieler reizt es unterschiedliche Charaktere auszuprobieren</h6>
<p align="JUSTIFY">Ich denke, dass ist auch der Reiz, warum man Schauspieler wird, weil man einmal einen König und einmal einen Bettler spielen kann und nicht unbedingt sich selbst. Deswegen lasse ich die Schauspieler in den Proben viel improvisieren, damit sie sich besser in die Figuren hinein leben können, in dem sie sich mit der Figur auseinandersetzen und somit selber eine Figur schaffen, die ihnen verwandt ist.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG</b>: In dieser Inszenierung arbeitest Du wieder mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Elisabeth Weiss zusammen. Neben eurer engen Zusammenarbeit, die schon seit mehreren Jahren besteht, verbindet euch noch &#8222;Epik Hotel&#8220;. Vielleicht könntest Du mir etwas über eure Zusammenarbeit erzählen. Und natürlich bin ich ganz neugierig, was &#8222;Epik Hotel&#8220; ist.</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine: </b>Unsere erste Zusammenarbeit war das studentisches Projekt „Geschichten aus dem Wiener Wald“, welches ich in Frankreich, also in Elsass, wo ich herkomme, inszeniert habe. Elisabeth kam direkt mit einem Bühnenkonzept, das man ganz praktisch umsetzen konnte, was für mich sehr wichtig ist, weil man in Frankreich sehr viel tourt und alles selber schaffen muss. Mit ihr kann ich über ein Stück reden, ein Bühnenkonzept entwerfen und ganz konkret umsetzen.</p>
<p align="JUSTIFY">Die Umsetzung von Theorie in Praxis, ist immer meine größte Sorge, weil man viel über Theoretisches sprechen kann, aber es immer auf die konkrete Praxis ankommt. Etwas später hatten wir noch ein größeres Projekt „Don Juan“, wo wir uns näher kennengelernt haben und daraus hat sich unsere Partnerschaft entwickelt. Elisabeth schafft es immer aufs Neue mich mit einem anderen Imaginationsfeld zu überraschen. Nach meinem Diplom habe ich mir schließlich die Frage gestellt, warte ich auf eine Antwort vom Stadttheater, um eine Inszenierung zu machen oder inszeniere ich. Zu der Zeit hatte ich Elisabeth und eine tolle französische Schauspielklasse, die ich während meines Auslandssemesters in Ècole Supérieure dÀrt Dramatique du Théâtre National de Strasbourg kennengelernt habe.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Nach ihrem Diplom hat die Französin Umbdenstock die Compagnie &#8222;Epik Hotel&#8220; gegründet</h6>
<p align="JUSTIFY">Ich habe mich so gut mit dem Jahrgang verstanden, dass wir uns versprochen hatten, etwas gemeinsam zu produzieren. Schließlich haben wir zusammen den deutschen Text von Peter Licht „Der Geizige“, der sich von Molière hat inspirieren lassen, inszeniert. Dafür haben wir den Text ins Französische übersetzt, was in Frankreich für Aufsehen gesorgt hat, weil die Franzosen an textgetreuen Stücken gewöhnt sind, aber wir haben alle erreicht. Die konservativen Leute waren etwas überrascht, weil sie erwartet hatten Molière zu sehen (lacht).</p>
<p align="JUSTIFY"><em><strong>FG:</strong> Und das war der Punkt an dem ihr die Compagnie „Epik Hotel“ gegründet habt?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine: </b>Ganz genau. Ich bin die künstlerische Leiterin der Compagnie und fühle mich als Regisseurin, sozusagen als Leaderin der Truppe, die aber ohne die Mitarbeiter nicht klarkommen würde. Ich arbeite aber nicht ausschließlich mit diesen oder jenen Schauspieler zusammen, sondern ich fühle mich frei einen Pool von Künstlern einzuladen. Bei unseren momentanen Projekt „Radio Paradise“ nach R. W. Fassbinder haben wir zwei ältere Schauspieler mit dazugenommen, die nicht in dem „Geizigen“ mitgespielt haben.</p>
<p align="JUSTIFY">Ich bezeichne „Epik Hotel“ auch eher als Ensemble. Also eine Leitung, die einen festen Kern von Künstlern besitzt, aber immer noch Gäste dazuholt. Und für mich fällt auch die Arbeit hier in Moers unter dem Ensemble „Epik Hotel“, weil ich hier mit Elisabeth und der Schauspielerin Maresa Lühle zusammenarbeite. Maresa habe ich für die Inszenierung „Im Ausnahmezustand“ mit nach Moers geholt. Wir haben uns in Wuppertal kennengelernt. Ich arbeite meist mit Menschen mit denen ich eine besondere Verbindung herstellen will und mit denen ich auch in Zukunft weiter zusammen zu arbeiten möchte.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG:</b> „Epik Hotel“ hat jetzt schon mehrere Inszenierungen hinter sich, wie „Der Geizige“, „Don Juan“ und nun bald Falk Richters „Im Ausnahmezustand“. Verfolgt das Ensemble „Epik Hotel“ eine bestimmte Richtung beziehungsweise habt ihr ein bestimmtes Interessengebiet mit dem ihr euch immer wieder auseinandersetzt?</em></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY">&#8222;Soziale Dramen sind mir wichtig&#8220; – Catherine Umbdenstock</p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine:</b> Ja, auf jeden Fall. Erst einmal ist die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich ein wichtiges Thema, weil die Deutsch-französische Beziehung in meiner Heimat Elsass immer noch umstritten ist. Es werden noch immer viele Klischees an Generationen weitergegeben. Als ich meiner Großmutter, die den zweiten Weltkrieg mitbekommen hat, von meinem Umzug nach Berlin erzählt habe, meinte sie: „Pass gut auf Dich auf!“. Ich fühle mich zu beiden Ländern hingezogen, weswegen ich abwechselnd in Frankreich und Deutschland inszeniere.</p>
<p align="JUSTIFY">Dann sind mir die Klassiker und die sozialen Dramen wichtig. Ich finde, dass in den Klassikern, vor allem in Molière noch ganz viel Leben drin steckt und dort meist das Politische unter der Maske der Komödie auftritt. Politik mit Unterhaltung verkoppeln, das ist mein Ding!</p>
<p align="JUSTIFY">Den sozialen Dramen fühle ich mich verbunden, weil die Autoren – vor allem mag ich sehr die bayrischen Autoren, wie Fassbinder und Achtenbusch – von einer sehr provinziellen und eng denkenden Gesellschaft kommen. Ich bin auch auf dem Dorf aufgewachsen und mit der Beschäftigung der Autoren fällt es mir leichter über Erlebtes zu sprechen, wie sehr man sich die Freiheit gewünscht hat und Theater ein Ausweg sein kann. Unser Ensemble „Epik Hotel“ besetzt auch häufig die männlichen Rollen mit Frauen.</p>
<p align="JUSTIFY">Ein Problem bei den Klassikern ist, dass sie meist von Männern geschrieben wurden und dadurch die Hauptrollen häufig männlich sind. Das Problem der männlichen Dominanz im Theater kann man auch sehr gut im deutschen Ensemble sehen, weil hier viel mehr Schauspieler ausgebildet werden als Schauspielerinnen, auch an der Ernst Busch ist dies so. Das liegt hauptsächlich daran, dass keine Rollen für Frauen da sein. Das kann ich als Regisseurin natürlich nicht unterstützen (lacht).</p>
<h6 align="JUSTIFY">Frauen sollten in Klassikern auch männliche Rollen spielen</h6>
<p align="JUSTIFY">Es ist ganz wichtig, dass man einen anderen Blick auf die Klassiker bekommt und dadurch einen anderen Blick auf die Frau. Natürlich kann eine Frau heute eine Revolutionärin spielen, warum nicht?! Deswegen besetze ich klassische Texte mit mehr Darstellerinnen.</p>
<p align="JUSTIFY">In „der Geizige“ habe ich zum Beispiel eine männliche Rolle, die des Valère in eine weibliche Rolle Vali umgeschrieben. Vali ist in Èlise verliebt gewesen. Damit wollte ich aufzeigen, wie vielfältig, dass heutige Frauenbild sein muss. Auch „im Ausnahmezustand“ ist die Figur der Frau eine Hausfrau und es ist im Stück ein Problem, wenn der Mann seine Arbeit verliert. Natürlich ist diese Rollenzuschreibung immer noch weit verbreitet, aber so ein Frauenbild möchte ich ungern zeigen. Es muss mal Schluss sein mit Frauenklischees und das muss auch mal sichtbar werden und ich denke Theater ist ein guter Platz dafür. Deswegen haben wir die Figur der Frau in eine berufstätig Frau umgeschrieben und Maresa, die die Frau in dem Stück spielt, trägt auch keine Röcke mehr, weil ich es so peinlich finde, die Frauenrollen in Röcken oder Kleidern zu kostümieren. In meinen Ensemble habe ich auch mehr Darstellerinnen, dies ist aber eher Zufall.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><strong>FG:</strong> Das Interesse Frauen wider den herrschenden Klischees darzustellen, also als Menschen, die starke Persönlichkeiten besitzen und genauso wie Männer, zur Arbeit gehen, gute Jobs haben und eigenes unabhängiges Leben führen. Ist das ein Thema, welches Dich selber im Männer dominierenden Regieberuf oft gegenübersteht?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine</b>: Natürlich, als ich an die Ernst Busch gekommen bin, waren nur drei Frauen in meiner Klasse. Und man muss sich in diesem Beruf permanent durchsetzten. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass es nicht selbstverständlich ist, dass eine Frau Regie führt. Deshalb war meine erste Strategie eine autoritäre Spielweise, aber ich habe gemerkt, dass dies nicht meine Art ist. Das bin ich nicht, auch nicht als Mensch.</p>
<h6 align="JUSTIFY">Ist eine Frauenquote am Theater ein Thema?</h6>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: </b>Gibt es an den Theatern eigentlich eine Frauenquote?</em></p>
<p align="JUSTIFY"><b>Catherine:</b> Wenn man sich die Spielpläne von Theatern anschaut, die von Frauen geleitet werden, kann man deutlich einen höheren Frauenanteil im Spielplan erkennen, so wie es bei Karin Baier der Fall ist. Aber man braucht wirklich Leute, die sich engagieren und demonstrieren, dass es selbstverständlich wird.</p>
<p align="JUSTIFY"><em><b>FG: </b>Liebe Catherine vielen lieben Dank für das nette Gespräch und ich freue mich auf „Im Aufnahmezustand“, welches am 6. November um 19.30 Uhr seine Premiere in der Kapelle des Schloßtheaters Moers feiert. Karten gibt’s unter: </em><a href="http://www.schlosstheater-moers.de/?produktion=im-ausnahmezustand"><em>http://www.schlosstheater-moers.de/?produktion=im-ausnahmezustand</em></a></p>


<p></p>
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