„Wer die Welt verstehen will, muss mit eigenen Augen sehen lernen.“

In seinem biografisch geprägten Roman „Hippie“ nimmt der Bestsellerautor Paulo Coelho seine Leserschaft mit auf eine außergewöhnliche Reiseroute der freiheitsliebenden Menschen. Verstrickt mit spirituellen Erlebnissen und Begegnungen versuchen die reisenden Blumenkinder ihr wahres Ich zu finden.

Neugierig auf der Suche nach einer neuen Welt mit offenen Werten reisen die jungen Menschen der 70-iger Jahre in die Zentren Piccadilly Circus in London oder Dam in Amsterdam. Sie gelten als Angelpunkte für Menschen mit „[…] langen Haare[n], bunte[r] Kleidung. Die jungen Frauen trugen Blumen im geflochtenen Haar, lange Röcke, bunte Blusen, keine Büstenhalter, dazu kamen Ketten aus unterschiedlichen Materialen; die jungen Männer, seit Monaten unrasiert, das Haar lang, trugen zerschlissene Jeans.“ (S.12) Sogenannte Hippies, freiheitsliebend und offen für neue sexuelle Erfahrungen und Religionen. Auch der 23-jährige Brasillianer Paulo Coelho gehört dieser rebellischen Bewegung an und verlässt mit einer guten Freundin seinen Geburtsort Rio de Janeiro, um in der verlassenen Ruinenstadt Machu Picchu Erleuchtung zu finden. Die geplante Reise erweist sich durch einen Überfall als nicht zur bestehenden Probe für ihre Freundschaft, sodass Paulo alleine nach Amsterdam reist um Nachrichten aus der „unsichtbaren Zeitung“ zu erfahren. Angetrieben von der Sehnsucht nach Spiritualität, lernt Paulo die Holländerin Karla kennen, die über eine Wahrsagerin von ihrem neuen Reisegefährten erfahren hat. Ihr neues Reiseziel ist nun die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Gemeinsam begeben sie sich in die Obhut des „Magic-Bus“, welcher für 70 Dollar über Istanbul, Teheran, Kabul, Delhi und schließlich Kathmandu fährt. Für beide wird die Reise eine religiös geprägte Sinnsuche ihres wahren Ichs.

Das im März 2020 im Diogenes Verlag erschienene Taschenbuch „Hippie“ von Paulo Coelho wurde aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann ins Deutsche übersetzt. Mit 304 Seiten reiht sich der biografisch geprägte Roman in Coelhos Werke ein, die sich intensiv mit Spiritualität und der Suche nach Weltverständnis befassen. „Hippie“ unterscheidet sich insofern von seinen anderen Werken, dass der Autor explizit über die dritte Person Singular eine Distanz zum Protagonisten Paulo Coelho schafft und zu Beginn des Romans auf die biografischen Elemente des Romans mit durchmischter Chronologie aufmerksam macht; was ihm zum Verhängnis wird. Zu schnelle, abrupte Wechsel sind oft überraschend. Die Dramaturgie des Romans wirkt größtenteils verworren. Parallel laufende Geschichten oder Rückblenden sind nicht immer leserfreundlich und sperrig eingearbeitet. Als Leser befinde ich mich häufig orientierungslos am Absatz und frage mich, wie sind wir dorthin gekommen? Glücklicherweise legen sich die holprigen Brüche im Verlauf des Romans und Coelhos Art zu schreiben wird wieder sichtbar.

Den Ort habe ich zwar gefunden, aber nicht genau, was ich suchte. (Paulo Coelho, „Hippie“)

Hippie“ ist wie viele seiner anderen Romane geprägt von Weisheiten für das Leben und eine spirtuelle Sinnsuche. Es ist eine abenteuerliche Reise mit den Blumenkinder der 70-iger Jahre, die neben den Protagonisten auch das Innenleben der anderen Charaktere offenlegt und wie die Hippie-Bewegung verschiedene Perspektiven auf die Welt ermöglicht. „Hippie“ wird für die Leser zur ihrer eigenen Reise, die sie zu ihren wahrem Ich führt.

Paulo Coelho: „Hippie“, erschienen im Hardcover am 26. September 2018 und als Taschenbuch am 1. März 2020 im Diogenes Verlag Zürich, Kosten 22,00 Euro/ 12,00 Euro.

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