Mach das Licht aus!

In Philipp Preuss Inszenierung „Der Fremde“ von Albert Camus treffen wir auf einen dreigestaltigen Meursault, der sich wie Sisyphos zufrieden gibt.

Zwei Männer und eine Frau befinden sich in einem Gefängnis aus Licht und erzählen ohne jegliche Anteilnahme von dem Tod ihrer Mutter. Sie schildern dem Zuschauer die bedeutungslose Affäre mit der Stenographin Marie und wie sie an einem sonnigen Tag am Strand in Algerien einen Araber erschossen haben. Erst ein Schuss. Tod. Und ohne Grund vier weitere Schüsse. Meursault, der in Preuss Inszenierung in drei Gestalten auftritt, findet sich nach den Schüssen in einem Mordprozess wieder. Gefangen im Loop des Lebens, spiegeln die drei Schauspieler die Monotonie des Daseins und das Absurde wider, in dem sie den Tag des Geschehens drei Mal Revue passieren lassen.

Wenn ich dieses Ich, dessen ich so sicher bin, zu fassen, wenn ich es definieren und zusammenzuhalten versuche, dann zerrinnt es mir, wie Wasser zwischen den Fingern. (Camus, Albert)

Erinnern, Essen, Schlafen. Mit Albert Camus „der Fremde“ schafft Preuss eine abstrakte Inszenierung, in der die Routine zum Lebensinhalt wird. Das Monotone wird zu einem Gefängnis des Lebens und die Wahrheit charakterisiert sich durch hell und dunkel. Dabei experimentiert der Regisseur Preuss hauptsächlich mit Wasser und Licht. Das Konstrukt „Gefängnis“ setzt sich aus weißen Lichtröhren zusammen und das Ausbluten des Arabers wird mit dem Auslaufen einer Wasserflasche verglichen. Preuss arbeitet schlicht und etwas sonderbar, holt aber mit seiner Interpretation die Intention des Romans hervor: das Leben fließt, routiniert, lässt uns gleichgültig werden. Obwohl das Subjekt Irrational agiert, verlangt es nach Klarheit. Der Angeklagte Meursault wird auch nicht aufgrund der Fakten zum Tode verurteilt, sondern wegen seiner vermeintlichen Gefühlslosigkeit. Absurd! Und schuld ist nur das Licht, welches Klarheit bringen soll.

DER FREMDE| Schaubühne Berlin| 13.12., 14.12., 15.12.2016 jeweils um 20h| Weitere Spieltermine: 1.6., 1.7., 1.8.2017| Karten unter: ticket@schaubuehne.de oder 030/89 00 23.

]]>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.