Anonymous kämpft am Gorki für Gerechtigkeit!

Am 22. Juni 2016 zeigte Yael Ronen zusammen mit ihrem Ensemble zum letzten Mal in dieser Spielzeit mit Das Kohlhaas-Prinzip am Maxim Gorki Theater, wie unsere Gesellschaft im intakten Rechtsstaat zu funktionieren scheint.

Menschenrechte? Gerechtigkeit? – Wir haben einen Riss im System. Michael Kohlhass (Thomas Wodianka) muss dies am eigenen Leib erfahren, als er bei einer Radtour mit seinem Sohn angefahren wird. Statt die Verurteilung des Täters, soll er nun dafür zahlen, dass er dem Fahrer Kaffee ins Gesicht geschüttet hat. UNGERECHTIGKEIT! Der Fahrer des Wagens, Hajo von Tronka (Dimitrij Schaad) gehört zufälligerweise zu den reichsten Dynastien des Universums und hat entsprechend gute Beziehungen in die obersten Justiz- und Regierungskreise. Ein gerechter Prozess findet nicht statt. Deswegen folgt Kohlhass dem Prinzip: „Fiat iustitia, et pereat mundus – Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“. Gemeinsam mit seinem Freund eröffnet Kohlhaas eine Gerechtigkeits-Kampagne gegen von Tronka und lässt das Volk, wie Anonymous, rebellieren. AUSNAHMEZUSTAND.

Dimitrij: Mach mal die Augen auf, Cynthia! Draußen in der Welt kämpfen Menschen.

Cynthia: Wo? In der Kantine?

Noch nie war ein Kampf für die Gerechtigkeit so zynisch, lustig und treffend, wie Das Kohlhaas-Prinzip. Gemeinsam mit ihren Ensemble erarbeitet Yael Ronen, eine Inszenierung frei nach Heinrich von Kleist, in der sie den Rosshändler Michael Kohlhaas vom 16. Jahrhundert ins 21. Jahrhundert nach Berlin transformiert. Neben dem Plot von Kohlhaas existiert noch eine zweite Perspektive der staatlich-menschlichen Ungerechtigkeit, die sich an der israelischen Grenze abspielt. Der palästinensische Käsehändler Michail (Taner Şahintürk) wird von einer missmutigen Soldatin schikaniert. Er hat anscheinend die falschen Papiere, um mit seinem käsebeladenen Auto die Grenze zu überqueren. Zurück nach einer Odyssee, muss Michail erfahren, dass sein Auto für ein Kriegseinsatz benutzt wurde. Als Entschädigung wird er inhaftiert. Muss nach Deutschland fliehen, Asyl beantragen, wieder aus seinem (zugewiesenen) Heim fliehen, weil es von Neonazis belagert wird und lebt in Berlin auf der Fluch.

Das Streben nach Gerechtigkeit wird bei beiden Michaels zu einer moralischen Existenzfrage: Der eine möchte seine eigene Existenz in einem von Faschismus geprägten Land retten und der andere übt Selbstjustiz und verliert dadurch seinen Sohn.

WELCHEN PREIS BIST DU BEREIT ZU ZAHLEN, UM IN EINER GERECHTEN WELT ZU LEBEN?

Cynthia Micas Foto: Esra RotthoffCynthia Micas. Foto: Esra Rotthoff

Ronens Inszenierung scheint in eine Parabel zu enden, was aber wieder den Kreis zu Kleist schließt. Zusammen mit dem Gorki-Ensemble (Thomas Wodianka, Dimitrij Schaad, Cynthia Micas, Taner Şahintürk und Johnathan Aikius) schafft Ronen einen gelungenen und hervorragenden Abend, der sich durch Text, Ästhetik und aberwitzigen Szenen und Dialogen auszeichnet.

DAS KOHLHAAS-PRINZIP| Spieltermine in der neuen Spielzeit: 23.9.2016| 19.30h| Karten unter: http://www.gorki.de/spielplan/kohlhaas/ oder 030 – 20221-115.

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