Herzlich Willkommen in der Irrenanstalt im Innenleben von Sarah Kane

4.48 Psychose, das letzte Werk von Sarah Kane, feierte am 18.1.2014 unter der Regie von Alexander Smeja mit seinem Theaterkollektiv Spin off eine wahnwitzige und zugleich gefühlsbetonte Premiere. „Sie haben doch Freunde – Sie haben doch sehr viele Freunde – was geben Sie Ihren Freunden, dass sie so hilfsbereit sind.“, sagen immer wieder die Darstellerinnen zu einzelnen Zuschauern im Vorraum und drängen sie damit im penetranten Stil in die Ecke. Die Darstellerinnen verfolgen einen schlichtweg mit ihrem Wahnsinn und lassen den Rezipienten zweifeln: Bin ich wirklich im Theater oder ist das hier eine Irrenanstalt? Die fünf seltsamen Damen (Alexandra Peschke, Carine Lin-Kwang, Daniela Kaschinski, Katrin Wendrich und Sarah Scholl), die den Wahnsinn in sich tragen, trifft man schließlich auf der Bühne wieder. Alle fünf sprechen simultan und dann in einem durcheinander Textauszüge von 4.48 Psychose: „Ich bin traurig/ Ich hab das Gefühl, die Zukunft ist hoffnungslos, und es wird nie besser/ Ich langweile mich und bin unzufrieden mit allem/ Ich bin ein absoluter Versager als Mensch/ Ich bin schuldig, ich werde bestraft/ Ich möchte mich umbringen“.  Das sind Ängste und Gedanken, die das Stück von einer depressiven und suizidalen Persönlichkeit, die mit Sarah Kane gleichgesetzt werden kann, offenbart. 4.48 Psychose beschreibt die Uhrzeit der absoluten Psychose beziehungsweise die letzte depressive Phase. Die depressive Persönlichkeit plant sich genau um 4.48 Uhr mit einer Überdosis, aufgeschnittenen Pulsadern und durch erhängen zu suizidieren. Der geäußerte Wunsch nach dem Suizid wird mit Zirkusmusik unterbrochen und der Zuschauer findet sich anschließend in einer Psychiatrie mit durchgeknallten Ärztinnen wieder. 4.48Psychose_Ensemble Immer wieder werden melancholische Szenen durch absurde Musikeinschübe oder humorvolle Texteinlagen unterbrochen, sodass die ernsthaften Themen Depression und Suizid aufgelockert werden. Obwohl diese absurden Einschübe vorhanden sind, ist das Stück von gefühlsbetonten Momenten geprägt, wie beispielsweise der Fuck-You-Monolog oder das Gespräch zwischen verzweifelter Ärztin und Patientin. Die Schauspielerinnen schlüpfen an diesem Abend problemlos in diverse Rollen, wie Ärztin, Patientin, Psychotikerin, Liebende oder Wahnsinnige. Und schaffen es den Zuschauer mit den gelungenen Darstellungen von Psychose, Euphorie und Trauer in die wirre Gefühlswelt von Psychotikern mitzureißen. 4.48 Psychose unter der Regie von Alexander Smeja mit seinem Theaterkollektiv Spin off ist eine wirklich gelungene und sehenswerte Inszenierung mit einem hohen Gehalt an Authentizität und zugleich Absurdität. Glückwunsch! Theaterfabrik Düsseldorf: Fr. 14.3., 20 Uhr | So. 16.3., 20h Karten unter (0211) 158 99 33 oder info@theaterfabrik.org ]]>

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