Das philosophische Loch und die Außenwelt — Eine absurde Komödie im Sinne eines Trauerspiels in einem Akt

PERSONEN:

Der Philosophenkönig

Seine nichtssagende Königin

Penny der Prinz

Magd der Theologie

Die Frau mit den Ein-Euro-Wetten

Hofnärrische Luzifer

Idiot

Trunkenbold

Lustknabe

Orakel von Jonas

Ein Möchtegern Anarchist

Der Grinch, Lochmusikanten, ein hüpfendes grinsendes Pancake, das marxistische Xavier, das wiederkehrende elendige perverse Etwas, die Dorfhure.

AUSZUG:

Erster Akt.

Erstes Bild. Ein philosophisches Loch im Stil einer Opium-Höhle. In

der Ecke der Opium-Höhle ein Bernsteinzimmer, ein kaputter Thron,

eine beschmierte Tafel, „Die Welt als Wille und Vorstellung“ liegt auf

dem Tisch. Die „Phänomenologie des Geistes“ in der Tonne. Ein Idiot

tritt auf.

Erste Szene.

Idiot (Monolog): Sitzen zwei Hundehaufen auf der Mauer und rauchen einen Joint. Da kommt ein Dünnschiss vorbei und fragt: „Darf ich auch mal ziehen?“, sagt der eine Hundehaufen: „Ne, das ist nur was für harte“.

Der Idiot stellt sich in die Ecke des Bernsteinzimmers. Es treten der Philosophenkönig und seine nichtssagende Königin ein. Hinter ihnen her eine erbärmlich gekleidete Frau mit Ein-Euro-Münzen in der Hand.

Die Frau mit den Ein-Euro-Wetten (einen Fuß hinter sich her ziehend. Ein Becher in der Hand): EIN EURO, wenn Du diesen Schierlingsbecher austrinkst.

Philosophenkönig(mit österreichischem Akzent): Hauen Sie doch endlich ab. Kann man nicht mal in Ruhe hier sitzen und philosophieren! Schlimme Verhältnisse hier.

Seine nichtssagende Königin (nickt).

Die Frau mit den Ein-Euro-Wetten: Es kommt der Tag, da wirst Du Dir wünschen diese Wette angenommen zu haben. Dein Leben wird voller Elend sein. Du wirst dir nichts sehnlicher wünschen als deinen Tod.

Seine nichtssagende Königin (schaut ihren König an und nickt).

Der Philosophen König nimmt den Becher schmeißt Ihn gegen die Wand. Tritt die Frau mit den Ein-Euro-Wetten hinaus und setzt sich auf seinen kaputten Thron. Zur Hand „Die Welt als Wille und Vorstellung“. Seine nichtssagende Königin neben Ihn.

Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebenalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.

Der Philosophen König lacht herzlich und ein Trunkenbold mit Fußballtrikot fällt ins Loch. Liegt regungslos und sabbernd auf dem Boden. Bald wieder bei Besinnung. Er fängt an zu sprechen.

Trunkenbold (trunken): Nur Narr! Nur Dichter! Unter Töchtern der Wüste Letzter Wille Zwischen Raubvögeln (Atempause) Die Sonne sinkt (Atempause) […]

Die Reisenden bewegen sich weiter zum Orakel von Jonas fort. Mit ihnen der möchtegern Anarchist, der vorsichhin tanzt. Ein Idiot folgt ihnen. Auf einmal entdecken alle Anwesenden das wiederkehrende elendige perverse Etwas, welches sich über eine Dorfhure hermacht. Die Dorfhure ist tot. Das wiederkehrende elendige perverse Etwas tappst zu den Reisenden. Alle Reisende gehen ein Schritt zurück. Die Magd der Theologie reicht die Sportzigarette der hofnärrischen Luzifer.

Das wiederkehrende elendige perverse Etwas(sabbernd): Gesellschaft und Fleisch. Gier. Lechzt.

Die Magd der Theologie(weise): Davon habe ich gehört. Es huscht immer in dieser Gegend herum, manchmal sogar bis zum philosophischen Loch. Es ist immer auf der Suche nach Gesellschaft. Es möchte seine perverse Ader zum Vorschein bringen. Es giert nach menschlicher Nähe.

Hofnärrische Luzifer (böswillig und problemlösend): Penny der Prinz soll ihm den Lustknaben vorwerfen. Er ist momentan sowieso nur eine Belastung für die Reise. Es zählt das Glück der größtmöglichen Zahl, nicht wahr Philosophenkönig. Guckt mal ein hüpfendes grinsendes Pancake.

Der Philosophenkönig (nachdenklich):Glück, das suche ich. Aber nicht das Glück der größtmöglichen Zahl.

Seine nichtssagende Königin(nickt).

Penny der Prinz öffnet den Käfig, befreit den Lustknaben und wirft ihn dem wiederkehrenden elendigen perversen Etwas zum Fraß vor. Nun können die Reisenden ungestört weiterziehen. Die hofnärrische Luzifer erlöscht die Sportzigarette. Schließlich kommen sie beim Orakel von Jonas an. Ein Idiot tritt in die Mitte der Anwesenden und spricht.

Idiot (Monolog): Warum steht ein Pils im Wald? – Weil die Tannen zapfen.

Viertes Bild mit den Reisenden. Eine neuartige ländliche Umgebung. Wenig Grün viel Beton. Neben einem Baumstamm ein Sofa. Auf dem Sofa liegend das Orakel von Jonas. Auf seinem Bauch liegend, das marxistische Xavier. Das Orakel von Jonas schläft und streichelt im Schlafe seinen Kater, das marxistische Xavier. Der Kater schaut die Reisenden an. Der Philosophenkönig entzündet eine Zigarette. Seine nichtssagend Königin weicht von ihm. Penny der Prinz tritt zum Sofa vor. Die Anderen hinter ihm.

Penny der Prinz (fragend): Liebes Orakel von Jonas, könntet ihr uns die Frage beantworten, was mit Gott passiert ist? Er ist von uns gegangen. Der Grinch hat ihn entführt. Aber, was sind Gott und Religion eigentlich?

Das marxistische Xavier (zynisch): Das Orakel schläft und möchte nicht gestört werden. Die Religion ist das Opium des Volkes.

[….]

Erster Akt.

Sechstes Bild. Ein philosophisches Loch im Stil einer Opium-Höhle. In

der Ecke der Opium-Höhle ein Bernsteinzimmer, ein kaputter Thron,

eine beschmierte Tafel, „Die Welt als Wille und Vorstellung“ liegt auf

dem Tisch. Die „Phänomenologie des Geistes“ in der Tonne. Der Philosophenkönig sitzt auf seinem Thron und schreibt etwas in sein Notizbuch. Neben ihn seine nichtssagende Königin.

Fünfte Szene.

Angekommen im Loch. Der Idiot stellt sich in die Ecke des Bernsteinzimmers. Penny der Prinz und die Magd der Theologie setzten sich auf das Sofa. Die Magd der Theologie entflammt eine Sportzigarette.

Die Magd der Theologie (erschöpft): Sind wir wirklich frei? Und uns stehen alle Wege offen?

Penny der Prinz (weise): Ja, wir sind frei. Es gab noch nie so ein offenes Meer.

Die Magd der Theologie (erschöpft): Dann leben wir jetzt in Freiheit. Ohne Gott und Luzifer. Alles konstruieren wir selbst. Unser Leben ist ein selbstbestimmtes Leben. Es macht Angst, doch es muss gelebt werden. Was ist mit dem Glück?

Der Philosophenkönig(von seinem Notizbuch blinzelnd aufblickend): Ein „Glück“ habe ich erfunden.

Seine nichtssagende Königin (schaut ihren König an und nickt).

Idiot (Monolog): Wenn im matten Sonnenschein leis die Linden rauschen muß ich hier am Fensterlein einsam stehn und lauschen

Kehrst mir nimmermehr zurück froher, tapfrer Knabe ruhst mit meinem toten Glück still im fernen Grabe

Zieht, ihr Sternlein durch die Nacht sagt dem Schläfer drüben daß in seiner Heimat wacht einsam Leid und Lieben.

Der Vorhang fällt.

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